China bestätigt Satelliten-Abschuss

21. März 2007, 22:56
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Wettersatellit in 850 Kilometer Höhe von Rakete getroffen - Test nährt Ängste vor neuem Wettrüsten im Weltraum

Peking - China hat den international kritisierten Abschuss eines Satelliten im All bestätigt. Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Liu Jianchao, sagte am Dienstag vor Journalisten, es habe sich um einen Test gehandelt. Zuvor hatte die Regierung mehrmals die Bestätigung von US-Angaben abgelehnt, denen zufolge China am 11. Jänner einen ausrangierten, in 865 Kilometer Höhe kreisenden Satelliten mit einer Rakete beschossen und zerstört habe.

Liu betonte, China sei stets für die friedliche Nutzung des Alls gewesen und wende sich gegen eine Aufrüstung im Weltraum. "China hat sich niemals an einem Wettrüsten im All beteiligt und wird sich niemals daran beteiligten", sagte er.

Proteste

Der erste Abschuss eines Satelliten mit einer Rakete von der Erde aus hat weltweite Proteste ausgelöst. Die USA, Japan, Australien, Kanada und andere Länder verurteilten den chinesischen Anti-Satelliten-Test. Das Weiße Haus teilte mit, Peking sei formell eine diplomatische Protestnote übermittelt worden. Der Raketeneinsatz bedrohe das Verhältnis Chinas zum Westen und stelle eine potenzielle Gefahr für US-Satelliten dar, sagte ein hoher US-Regierungsbeamter. Der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, äußerte sich "besorgt".

Eine Mittelstreckenrakete, die am 11. Jänner vom Raumfahrtbahnhof Xichang in Südwestchina gestartet war, hatte nach US-Angaben den ausgedienten chinesischen Wettersatelliten "Feng Yun" ("Wind und Wolken") in seiner Umlaufbahn in rund 850 Kilometer Höhe zerstört. Die Rakete war mit hoher Geschwindigkeit gezielt und frontal mit dem Satelliten kollidiert. Experten äußerten sich besorgt über die vielen kleinen Trümmer, die eine Gefahr darstellten. Zumindest 40 Bruchstücke sind mittlerweile identifiziert.

Der Test war der erste bekannte Einsatz einer Waffe zum Abschuss eines Satelliten seit zwei Jahrzehnten. Bis Mitte der 80er Jahre hatten die USA und Russland zuletzt mit solchen Systemen im All experimentiert. 1985 gelang es dem US-Militär, einen Satelliten durch Beschuss aus seiner Umlaufbahn zu bringen.

Der erfolgreiche Test zeigt, dass China mittlerweile in der Lage ist, Spionagesatelliten abzuschießen, die auf deutlich niedrigeren Umlaufbahnen fliegen als der abgeschossene Wettersatellit. Taiwan besitzt einen kleinen Aufklärungssatelliten, der Bilder in einer ausreichend hohen Auflösung liefert, um auf die Insel gerichtete Raketen zu erkennen und nimmt auch regelmäßig die Dienste einer israelischen Satellitenfirma in Anspruch.

Laser gegen US-Satellit

Dass China an Anti-Satelliten-Systemen arbeitet, war im August deutlich geworden, als ein hoher US-Beamter berichtet hatte, dass China kurz zuvor mit einem bodengestützten Laser einen Satelliten der USA geblendet habe.

Angst vor Wettrüsten

Der erfolgreiche Test nährt Spekulationen, dass ein neues Wettrüsten im Weltall bevorsteht. US-Präsident George W. Bush verkündete im August des Vorjahres eine neue Weltraumdoktrin, der zufolge "jedem, der Interessen der USA feindlich gegenübersteht, den Zugang zum Weltall verweigert" werden soll (derStandard.at berichtete). Andererseits könne der Abschuss auch als Druckmittel zur Durchsetzung eines weltweiten Verbots von Weltraumwaffen verwendet werden, das Russland und China seit Jahren fordern. Bisher wurden solche Übereinkünfte von den USA verhindert.

Japan übermittelte seine Sorgen an Chinas Außenministerium und bat um Aufklärung, wie Kabinettschef Yasuhisa Shiozaki berichtete. Tokio sei "aus der Sicht nationaler Sicherheit und der friedlichen Nutzung des Weltalls sehr besorgt". Japan betrachte Chinas Entwicklung nicht als Bedrohung, sondern als Gelegenheit, doch müsse Peking berücksichtigen, "dass ein Mangel an Transparenz Misstrauen entstehen lässt", sagte der Kabinettschef.

Die USA hatten den chinesischen Satellitenabschuss verfolgt, aber geheim gehalten, bis am Mittwoch erste Details in dem Fachblatt "Aviation Week and Space Technology" veröffentlicht wurden. (APA/dpa)

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