Interview: Turnierdirektor Schmölzer

2. Juli 2007, 11:12
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"Ich bin froh, dass die EURO näher kommt, denn je greifbarer sie ist, desto schöner ist es für uns, weil man sieht, wofür man arbeitet"

Wien - Am kommenden Mittwoch hat Christian Schmölzer eine seiner Hauptaufgaben als österreichischer Turnierdirektor der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz endgültig erledigt. Die Unterzeichnung der Host-City-Verträge am Wiener Rathausplatz markiert 500 Tage vor dem EURO-Beginn einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einem reibungslosen Ablauf der Großveranstaltung.

Welche Bedeutung hat die Unterzeichnung der Host-City-Verträge für die EURO 2008?
Schmölzer: "Eine entscheidende. Der Vertrag regelt die Zusammenarbeit zwischen der UEFA und den Austragungs-Städten, unter anderem was PR-Aktivitäten und Public Viewing betrifft. Eigentlich ist es ein Promotion-Vertrag, der zum Beispiel festschreibt, wie sich die jeweilige Stadt mit der EURO in Verbindung bringen darf."

Worin bestehen die nächsten großen Aufgaben der Turnierdirektion?
Schmölzer: "Wir müssen uns um die Stadionsituation kümmern. In Österreich gibt es ein ein völlig neues Stadion (Anm.: Klagenfurt) und zwei (Salzburg, Innsbruck), die auf die doppelte Kapazität erweitert wurden. Da müssen sich gewisse Abläufe erst einspielen. Außerdem steht die Abstimmung der Sicherheitsvorkehrungen und der Aufbau der Volunteer-Abteilung auf dem Programm."

Sie sind seit 1. Oktober 2004 im Amt. Gestaltet sich der Job so wie von Ihnen erwartet?
Schmölzer: Ja, vor allem in der Hinsicht, dass es eine extrem spannende und herausfordernde Aufgabe ist. Ich bin froh, dass ich bei der Umsetzung einer solchen Veranstaltung federführend dabei sein darf. Das ist ein einzigartiges Projekt für Österreich und auch für die UEFA, weil die Organisationsstruktur für die UEFA völliges Neuland darstellt."

Zu der Zeit Ihres Amtsantritts gab es große Turbulenzen rund um einen Brief von UEFA-Boss Lennart Johansson, der wegen Versäumnisse beim Stadionbau sogar mit dem Wegnahme der EURO drohte. Wie steht man mit den EURO-Vorbereitungen heute da?
Schmölzer: "Auch wenn ich damals schon ein halbes Jahr mitgearbeitet habe, wurde ich auf Grund dieser Vorkommnisse etwas ins kalte Wasser geworfen - aber man muss ja trotzdem schwimmen. Gott sei Dank konnten wir diese Krise bewältigen. Mittlerweile stehen wir gut da, die Situation ist aber auch schwierig zu vergleichen. Damals standen wir erst am Anfang, jetzt sind wir mitten am Weg. Ich bin froh, dass die EURO näher kommt, denn je greifbarer sie ist, desto schöner ist es für uns, weil man sieht, wofür man arbeitet."

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem ÖFB, dem Verein "Österreich am Ball" und den Schweizer Kollegen?
Schmölzer: Die Zusammenarbeit mit ÖFB und 'Österreich am Ball' ist sehr gut. Es ist ganz wichtig, dass Heinz Palme an Bord ist, weil ich ihn schon lange kenne und wir uns in unserem Abstimmungskreis amikal austauschen können. Mit den Schweizer Kollegen ist die Zusammenarbeit ganz normal, wie in einer international tätigen Firma. Die größte Herausforderung ist, die verschiedenen Strukturen der beiden Länder unter einen Hut zu bringen, dazu bedarf es eines unheimlichen Kommunikationsaufwandes."

Ist die Zielsetzung, die beste EURO aller Zeiten zu veranstalten, vor dem Hintergrund der aktuellen Leistungsfähigkeit des ÖFB-Nationalteams realistisch?
Schmölzer: "Das ist absolut realistisch. Aber wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit sich ein Fußball-Fest entwickeln kann. Es gibt eben Dinge, die kann man nicht beeinflussen. Wenn aber die Heim-Teams erfolgreich sind und auch das Wetter passt, kann es die beste EURO werden. Und um die Begeisterungsfähigkeit der Österreicher mache ich mir keine Sorgen."

In der Vergangenheit gab es den Wunsch nach einem übergeordneten, nicht operativ handelnden Turnierdirektor a la Beckenbauer bei der WM. Warum ist das bei der EURO nicht möglich?
Schmölzer: "Das funktioniert allein schon wegen der völlig unterschiedlichen Organisationsstruktur nicht. Ich arbeite nicht für Österreich oder die Schweiz, sondern für die UEFA. Wenn, dann wäre das am ehesten im Bereich von 'Österreich am Ball' möglich gewesen, aber das wäre nur eine Kopie von Deutschland. Und ein Zugpferd wie Beckenbauer gibt es in Österreich nicht." (APA)

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