Microsoft gegen Vista-Billigversionen machtlos

20. September 2007, 11:51
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60-prozentige Ersparnis für Kunden möglich - Offizielle Bekanntgabe der Preise für die Retail- und Upgrade-Varianten will sich Microsoft für den Verkaufsstart vorbehalten

Rund um das offizielle Veröffentlichungsdatum von Windows Vista am 30. Januar 2007 rücken auch die bis zu 60 Prozent billigeren System-Builder-Versionen in den Vordergrund. Dabei handelt es sich um vollwertige Software-Pakete, die ursprünglich für Systemhersteller und OEM-Partner für die Vorinstallation in Rechnern vorgesehen waren. Seit einem Urteilsspruch des Bundesgerichtshofs im Jahr 2000 ist es Händlern aber erlaubt, OEM-Versionen ohne Hardware-Bindung zu verkaufen. Der einzige Nachteil für Kunden besteht darin, dass kein Anspruch auf kostenloser Support besteht und das Softwarepaket ohne bunte Verpackung und Handbuch ausgeliefert wird. Zusätzlich müssen sich die Anwender für den Erwerb der 32- bzw. 64-Bit-Variante entscheiden.

"Irrelevant"

"Die Frage, ob wir den freien Verkauf von System-Builder-Versionen gerne sehen oder nicht, ist irrelevant", meint Vista-Sprecher Robert Lampl von Microsoft Austria gegenüber pressetext. Er verweist auf das erwähnte Urteil, dass derartige Versionen keinen Rechtsnachteil bei Distribution und Verkauf haben und auch über die gleichen Verkaufskanäle verbreitet werden dürfen. Microsoft hatte einen deutschen PC-Hersteller geklagt und war damals vor Gericht unterlegen. Das Urteil durch den Bundesgerichtshof bedeutete zudem einen Präzedenzfall, da die Frage des uneingeschränkten Verkaufs von OEM- und System-Builder-Versionen unter Juristen jahrelang umstritten war.

Online Händler

Als Profiteure der billigen Versionen gelten in erster Linie Online-Händler und kleinere Verkäufer. Aber auch in Großmärkten wie Mediamarkt und Saturn sollen die billigen Versionen vereinzelt angeboten werden, wie der Konzern gegenüber pressetext versicherte. "Das Interesse an den sogenannten System-Builder-Versionen für Vista sind enorm", bestätigt auch J. Kirkovits, Soft- und Hardwareexperte der Einkaufsvergleichsplattform Geizhals, im Gespräch mit pressetext. Bei den Käufern handle es sich meist um technisch versierte und preisbewusste Kunden, so Vits. Dazu komme, dass der klassische Großmarkt-Kunde von dieser Möglichkeit zumeist gar nichts wisse. Abgesehen von den kostenlosen Support-Möglichkeiten, der schlankeren Verpackung und dem fehlenden Handbuch seien die angebotenen System-Builder-Produkte aber mit ihren teureren Produktverwandten identisch, meint Vits.

Nicht unbeträchtlich

Die potenziellen Kostenersparnisse für Kunden sind dabei tatsächlich nicht unbeträchtlich. So liegen die System-Builder-Versionen allesamt zumeist deutlich unter der ohnehin verbilligten Vista-Upgrade-Version, die Anwender von Windows XP erwerben können. So wird die System-Builder-Version von Vista Ultimate derzeit um rund 200 Euro gehandelt, während für die Retail-Variante ein Preis von rund 500 Euro erwartet werden. Ähnlich verhält es sich mit Vista Home Premium, das derzeit mit rund 120 Euro in der Billigvariante und zwischen 270 und 320 Euro in der schön verpackten Schachtelversion von diversen Händlern angeboten wird. Die offizielle Bekanntgabe der Preise für die Retail- und Upgrade-Varianten will sich Microsoft für den Verkaufsstart vorbehalten. (pte)

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