Swissair: Dritter Tag des Schweigens

12. März 2007, 10:52
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Verwaltungsrätin Spoerry bestreitet Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung: Wir wollten Weiterbestehen der SAir

Angeklagte schweigen auch am dritten Tag – Schmidheiny-Aussage am Nachmittag mit Spannung erwartet Zürich – Auch am dritten Tag des Swissair-Prozesses ist das Schweigen der Angeklagten weitergegangen. Die ehemalige Verwaltungsrätin Vreni Spoerry hat lediglich den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung bestritten.

Der Grund, warum sie vom Recht der Aussageverweigerung Gebrauch mache, seien die laufenden Zivilprozesse, sagte Spoerry am Donnerstag: "Die Aussagen heute könnten kritisch sein."

In einer persönlichen Erklärung bedauerte Spoerry den Untergang der SAirGroup. Sie habe nie die Absicht gehabt, die Gesellschaft und deren Gläubiger zu schädigen, sagte Spoerry: "Wir wollten das Weiterbestehen der Gesellschaft." Der Verwaltungsrat habe das Interesse der Gläubiger und der übrigen Anspruchsberechtigten wahren wollen.

Die von der Staatsanwaltschaft gemachten Vorwürfe seien unberechtigt und falsch. "Ja, das bestreite ich", sagte Vreni Spoerry auf die Frage von Gerichtspräsident Andreas Fischer, ob sie den Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung bestreite.

Sonst nahm die ehemalige Zürcher FDP-Ständerätin, die von 1998 bis 2001 im Verwaltungsrat der SAirGroup saß und dort Mitglied der Finanzkommission war, zum umfangreichen Fragekatalog Fischers nicht Stellung. Auch die Fragen der Staatsanwaltschaft ließ sie unbeantwortet.

Zahlungen an Sabena

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich wirft Spoerry Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung sowie ungetreue Geschäftsbesorgung vor. Konkret geht es um die Restrukturierung der Tochtergesellschaft SAirLines sowie Zahlungen an die belgische Fluggesellschaft Sabena.

Mit der Bündelung gesunder Geschäftsteile unter die Subholding der SAirLines seien der Muttergesellschaft Vermögenswerte in Milliardenhöhe entzogen worden. Damit sei den Aktionären ein Schaden von 1,177 Mrd. Franken (729 Mio. Euro) zugefügt worden. Die Zahlung an die Sabena seien "à fonds perdus" erfolgt.

Mit ihrer Aussageverweigerung hat Spoerry die gleiche Strategie verfolgt wie die anderen angeklagten SAirGroup-Verwaltungsräte zuvor. Auch Ex-Economiesuisse-Präsident Andres Leuenberger, der frühere Comptoir-Suisse-Chef Antoine Höfliger, Panalpina-Präsident Gerhardt Fischer und der einstige Privatbankier Bénédict Hentsch hatten zu den Vorwürfen geschwiegen.

Die Mauer des Schweigens könnte allerdings am Donnerstagnachmittag durchbrochen werden. Der ehemalige Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny hatte im Vorfeld seines Gerichtstermins mehrfach gesagt, er wolle zu den Fragen Stellung nehmen.

Das öffentliche Interesse hat wieder etwas zugenommen. Hatten sich am Vortag lediglich rund zwei Dutzend Zuschauer in der Bülacher Stadthalle verloren, dürften sich am Donnerstag über 60 Menschen eingefunden haben. (APA/sda)

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