Zwei-Klassen-Medizin bei Impfungen?

26. Juli 2007, 13:07
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Rotavirus-, Pneumokokken und HPV-Impfung machen über 1.600 Euro aus - davon entfällt die Hälfte auf das erste Lebensjahr

Wien - Es ist offenbar bereits der Zustand eingetreten, dass wichtige Impfungen für Kinder, die Todesfälle und Krebserkrankungen verhindern können, nicht mehr für alle Familien leistbar sind. Der Grund dafür: Die öffentliche Hand, das sind Bund, Länder und Krankenkassen, hat bisher die finanzielle Übernahme von Rotavirus-, Kleinkinder-Pneumokokken- und HPV-Impfung nicht geschafft. Bei einer Pressekonferenz zum österreichischen Impfplan 2007 in Wien wurde deshalb bereits die "Zwei-Klassen-Medizin" auf diesem Gebiet konstatiert.

Kostenintensiver als bekannte "Kinderimpfungen"

Der Hintergrund: Seit wenigen Jahren kommen hoch wirkungsvolle neue Vakzine auf den Markt, die noch nie da gewesenen Nutzen versprechen. Sie sind aber kostenintensiver als die seit Jahrzehnten bekannten "Kinderimpfungen" wie jene gegen Masern, Mumps, oder Röteln.

Pneumokken-Vakzine

Mit einer schon seit einigen Jahren erhältlichen Pneumokokken-Vakzine für Säuglinge und Kleinkinder (derzeit "Aktionspreis" in den Apotheken von 79 Euro pro Dosis/viermalige Impfung erforderlich) könnte die häufige schwere und potenziell lebensgefährliche Erkrankung praktisch völlig zurück gedrängt werden. Doch die gerade abgelöste Bundesregierung konnte sich nicht zur generellen Aufnahme in das kostenlose Impfprogramm entscheiden.

Rotavirus Impfung

Jetzt gibt es eine Schluckimpfung gegen Rotavirus-Infektionen, die pro Jahr für tausende österreichische Säuglinge und Kleinkinder mit Spitalsaufnahmen enden. Hier würde sich die öffentliche Hand ein Vielfaches der Kosten für die Impfungen an Krankenhauskosten ersparen. Doch die Übernahme der für sozial nicht besonders gut gestellte Familien vergleichsweise hohen Kosten (rund 123 Euro pro Vakzine-Dosis, zwei bis drei Impfungen erforderlich) durch das österreichische Kinderimpfprogramm steht aus.

Human Papilloma-Virus

Die dritte Herausforderung: Die Impfung gegen das Human Papilloma-Virus (HPV). Mit dieser Immunisierung könnten bei breiter Anwendung langfristig 70 Prozent der jährlich in Österreich neu auftretenden Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verhindert werden. Jährlich gibt es rund 180 Todesfälle. Doch auch hier - eine befristete Aktion der Apothekerkammer drückt derzeit den Preis pro Dosis von 208 auf 155 Euro (drei Impfungen erforderlich) - steht eine Entscheidung über die Finanzierung durch öffentliche Gelder aus.

Neuer Impfplan

Im neuen österreichischen Impfplan sind alle diese drei Immunisierungen generell empfohlen. Pneumokokken- und Rotavirus-Impfung bereits im Säuglingsalter, HPV-Impfung für alle Buben und Mädchen ab dem neuen Lebensjahr und somit vor den ersten sexuellen Kontakten. Wilhelm Sedlak, der Impfreferent der Österreichischen Ärtzekammer: "HPV-Infektionen sind die häufigste sexuell übertragbare Viruserkrankung." Bei 20 Prozent der betroffenen Frauen kommt es langfristig zu einer Infektion mit Zeichen einer bösartigen Erkrankung - Vorstufen und "echtem" Gebärmutterhalskrebs.

Drohende Zwei-Klassen-MEdizin

Der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze: "Eines Tages wird diese Impfung der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden." Auch im Sozialversicherungsbereich sage man, dass hier eine Zwei-Klassen-Medizin drohe. Selbst unter Einrechnung der derzeitigen befristeten Preisrabatte für zwei der drei Vakzine kommt man auf leicht über 1.100 Euro an Kosten, was für viele Familien einfach nicht tragbar sein dürfte. (APA)

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