Telekom Austria prüft Einstieg bei Hellenic Telecom

25. Jänner 2007, 10:06
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Finanzministerium in Athen bestätigt Verkauf von "bis zu 20 Prozent" - Nemsic im "Format": Werden uns das "sehr genau ansehen - Merger in erster Stufe kein Thema

Die Telekom Austria (TA) prüft einen Einstieg beim größten griechischen Telefonanbieter Hellenic Telecom (OTE). "Ich befürworte, dass wir uns sehr genau ansehen", sagte Telekom Austria-Chef Boris Nemsic in einem Interview mit dem morgen erscheinenden Magazin "Format". Das griechische Finanzministerium erklärte am Donnerstag auf APA-Anfrage, "primäres Ziel" sei es, bis zu 20 Prozent von OTE an einen strategischen Partner zu verkaufen, der sich am Management des Unternehmens beteiligen wird.

"Es ist deshalb geradezu unsere Pflicht, uns damit zu befassen"

OTE expandiere genauso wie die Telekom Austria im südosteuropäischen Raum. "Es ist deshalb geradezu unsere Pflicht, uns damit zu befassen", sagte Nemsic: "Mit der OTE könnten wir die Präsenz dort so ausbauen, dass wir weit und breit mit Abstand die Nummer 1 wären." Für den Zusammenschluss sprächen seiner Meinung nach auch ähnliche Kulturen. Beide Unternehmen sind noch teils im staatlichen Besitz. Außerdem seien die Firmen "gleich groß", agierten in den gleichen Märkten und hätten "ähnliche Governance-Methoden". Der Preis, so Nemsic, werde "nicht die einzige Entscheidungsgrundlage sein". "Die Interessen der Käufer und Verkäufer müssen zusammenpassen."

Sparen

Als Vorteil eines Einstiegs der Telekom bei OTE sieht Nemsic außerdem eine künftige gemeinsame Einkaufsplattform. "Wenn das Einkaufsvolumen doppelt so groß ist, können wir wirklich Geld einsparen oder kreieren. Eine Verdoppelung der Volumina gemeinsam mit der OTE brächte dementsprechende Vorteile", wird er zitiert. Die TA sei allerdings "nicht Favorit". "Global Player wie die Deutsche Telekom oder die spanische Telefonica werden wahrscheinlich ein Angebot legen", sagte der Telekom Austria-Chef.

Kontakte

Aus dem Büro von Finanzminister George Alogoskoufis hieß es, die Privatisierungsberater der griechischen Regierung seien bereits "mit mehreren europäischen Telekom-Organisationen in Kontakt" gewesen. Ob auch die Telekom Austria darunter gewesen sei, wolle man nicht bestätigten. Auch zur Frage einer Verlegung des Headquarters für das Auslandsgeschäft nach Österreich und zu einem möglichen Tausch der übrigen staatlichen OTE-Aktien in Telekom Austria-Aktien im Rahmen eines "Share-Deals" hielten sich die Griechen bedeckt. Da der Privatisierungsprozess im Laufen sei, könne man sich zu weiteren Details nicht äußern, so die Begründung.

Nemsic sagte: "Nach heutigem Wissensstand will die griechische Regierung rund 20 Prozent verkaufen. Von einem Merger ist nicht die Rede." Es sei aber nicht gesagt, dass nicht noch weitere Privatisierungsschritte der Griechen folgen könnten, meinte er. Derzeit hält Griechenland an der OTE noch 38,7 Prozent.

Fix

Der Verkauf von weiteren staatlichen Telekom-Anteilen ist fixer Bestandteil des Programms der griechischen Regierung zur Sanierung ihres Staatshaushaltes. Im Budget 2007 habe Griechenland aus seinem Privatisierungsprogramm Einnahmen von 1,7 Mrd. Euro veranschlagt, hieß es. Der gegenwärtige Marktwert von einem Fünftel der OTE liegt bei 2,3 Mrd. Euro. 2005 lag das Staatsdefizit noch bei 5,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, deutlich über der EU-Vorgabe von maximal 3 Prozent. Nach einem EU-Defizitverfahren hat Griechenland die Neuverschuldung 2006 nun auf 2,6 Prozent gesenkt. 2007, so der Plan, sollen es nur noch 2,4 Prozent sein.

Am Mittwoch hat die Telekom Austria wie erwartet über ihre Tochter Mobilkom ein Angebot für die zweite Mobilfunk-Lizenz in der südserbischen Provinz Kosovo gelegt. Der Mindestpreis für die 15-jährige Lizenz beträgt 20 Mio. Euro, wie die slowenische Nachrichtenagentur STA berichtete. Im Kosovo hat es die Mobilkom Austria mit drei Mitbewerbern zu tun - im Rennen ist auch die Telekom Slovenije mit ihrer Kosovo-Tochter Ipko.net.

Aktie gefallen

Die Telekom Austria-Aktie ist am Donnerstag um knapp ein Prozent auf 20,44 Euro gefallen. Zu Jahresbeginn hatte die Aktie mit 21,51 Euro ihren höchsten Stand seit Erstnotiz im Jahr 2000 erreicht. Die OTE-Aktien stiegen am Donnerstag in Athen um 1,1 Prozent auf 23,96 Euro an. OTE ist damit an der Börse aktuell mit über 11,5 Mrd. Euro bewertet, der Marktwert der Telekom Austria liegt bei rund 10,5 Mrd. Euro.(APA)

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