
31.05.2007 10:36 | Redaktion
Die Wahrheit über Burma
"Burma all inclusive": Eine Reisedoku zeigt "16 Tage Wahrheit". Grazer Geograph blickt mit versteckter Kamera hinter die touristischen Kulissen - 1 Foto
Graz - Burma - das "Land der 1.000 Pagoden" begeistert Reisende mit seiner unglaublichen Pracht. Das seit den 1960er-Jahren von einem Militärregime regierte Land stöhnt aber auch unter schweren Menschenrechtsverstößen: Verfolgung ethnischer Minderheiten, Folter, Vergewaltigung, Zwangsarbeit. Der Grazer Filmproduzent Roland Wehap blickt in seiner bemerkenswert informativen Doku "Burma All inclusive" hinter die touristischen Kulissen des Landes am Golf von Bengalen.
Burma (auch Myanmar genannt) ist bekannt für seine noch unberührte Landschaften von atemberaubender Schönheit, idyllisches Landleben und die golden funkelnde Pagoden. Seit 1962 herrscht in der früheren britischen Kolonie jedoch ein Militärregime. Das Land befindet sich seither - von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet - in einer humanitären und wirtschaftlichen Krise. Vor allem davon erzählt der semidokumentarisch gehaltene Film des studierten Grazer Geographen.
"Burma bietet all das, von dem Reiseveranstalter und ihre Kunden träumen: Spiritualität und Exotik gepaart mit Ursprünglichkeit und asiatischer Lebensfreude", so Produzent Wehap, der Donnerstagabend seinen Film in Grazer Rechbauerkino präsentierte. Nur all zu oft bleibe aber unbeachtet, dass der Großteil der Touristendollars genau jenen zu Gute kommt, die dieses Land in Geiselhaft halten: den Generälen der Militärdiktatur. Der Film macht auf das Land neugierig, schärft aber auch die Sinne für einen kritischen, verantwortungsvollen Tourismus.
Kaum jemand in Burma wage es, kritisch über das Regime zu sprechen: "Zu groß ist die Angst vor Verfolgung, Folter und Haft, so Wehap. Er hat auf zwei ausgedehnten Burma-Reisen dennoch das Vertrauen von Taxifahrern und Mönchen, Fischern, Rikschafahrern bis hin zu Ex-Rebellen gefunden, die ihm von ihrem Alltag erzählten und die Umstände, in denen sie leben, zeigten. Gefilmt wurde oft mit versteckter Kamera. So wird das Land aus vielfältigen Blickwinkeln beleuchtet und der Zuseher bekommt eine Dokumentation, in der tatsächlich jeder Aspekt des Landes inkludiert ist, zu sehen.
Die Interviewpartner wurden bis auf wenige Ausnahmen anonymisiert oder durch Kunstfiguren ersetzt. Christoph Grissemann und Dirk Stermann und auch Schauspieler des Grazer Theatermerz leihen ihnen ihre Stimmen. Realisiert wurde der Film ohne öffentliche Förderung. Die beteiligten Künstler wurden symbolisch mit einer Flasche Kernöl entlohnt. Mit einer Spende von 19 Euro können die Zuseher weitere Flaschen erstehen. Die Einnahmen kommen Hilfsaktionen in Burma zu Gute. (APA)