Dan Kavanaghs "Duffy"

18. Jänner 2007, 19:26
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Maulfaule Helden im Zweitjob des erfolgreichen englischen Autors Julian Barnes

Duffy ist wahrscheinlich der erste bi-sexuelle "Ex-Bulle" in der Welt der Kriminalliteratur. Jedenfalls ist er wohl der erste, der es von Anfang an zugibt. Hätte er es doch für sich behalten! Aber so war es für einen der Mafia-Bosse von Soho leicht, dem Polizisten einen gedungenen Stricher ins Bett zu schmuggeln und ihn dann bloßzustellen. Duffy muss den Dienst quittieren und wird einer der trostlosen Schnüffler in einem trostlosen Milieu, in dem es um den Handel mit Pornoheften und Rauschgift, um Prostitution und Immobilien, um Peepshows und Massage-Salons geht.

Der schweigsame, sein Schicksal mit bemerkenswerter Gleichmut ertragende Duffy kann mit der Mafia nicht konkurrieren, zumal diese - natürlich - mit der Polizei unter einer Decke steckt. Aber am Ende, nach zahllosen Demütigungen der übelsten Art, hat Duffy doch noch Glück. Aus den Flammen, die das Lagerhaus für Schmutz und Schund in Schutt und Asche legen, kann er das Dossier über den korrupten Polizisten retten, der ihn einst zur Aufgabe seines Beamtenjobs gezwungen hat.

Duffy ist die exzentrische Erfindung des englischen Schriftstellers Dan Kavanagh. "Kavanagh" wiederum ist jedoch lediglich ein Pseudonym des erfolgreichen englischen Autors Julian Barnes, der unter seinem richtigen Namen seit einiger Zeit eine seriöse Größe der englischen Literatur der Gegenwart ist - unter anderem wurde sein postmodernistischer Roman "Flauberts Papagei" von 1984 für den renommierten Booker-Prize nominiert, und auch seine anderen Bücher, wie etwa "Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln" (1989) oder "England, England" (1998) waren überaus erfolgreich.

Doch bereits "Duffy", diesem frühen, unter Pseudonym geschriebenen Roman, merkt man an, mit welcher Liebe zum authentischen Detail er verfasst wurde. Die Genauigkeit, mit der hier die schrägen und schäbigen Praktiken der Menschenverachtung geschildert werden, bewundert man ebenso wie die Ironie, mit der das schreckliche Geschehen neutralisiert wird. Mag der maulfaule Duffy auch noch so schwer unter den perfiden Attacken des sinistren Big Eddy leiden, wir nehmen es mit einem herzlichen Lachen zur Kenntnis: Wahrscheinlich ist "Duffy" einer der komischsten Romane in einem eher tristen Genre. (Michael Krüger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.1.2007)

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