Da geht's Lang

12. April 2007, 12:22
posten

Nach eineinhalb Jahren Auszeit kommt in den kommenden Wochen eine neue Helmut Lang-Kollektion auf den Markt, entworfen vom amerikanischen Duo Nicole und Michael Colovos

Veränderungen gehören zum Naturell der Mode. Genauso wie die Übertreibung und das Understatement. Nur manchmal will jemand davon nichts wissen - und erscheint dann wie der Messias der Mode.

Der österreichische Designer Helmut Lang, der in Wien begann, in Paris groß wurde und in New York schließlich alle überragte, wurde als solcher gehandelt - eben weil er nicht die Veränderung zum Stilprinzip erhob, sondern die Wiederholung. Der Anzug, das T-Shirt, die Jeans, der Schnürschuh: Von Saison zu Saison veränderte Lang weniger ihre grundsätzliche Form als die Stoffe, aus denen sie hergestellt werden. Er nahm dort ein Detail weg und verbesserte andernorts eine Kleinigkeit. Lang experimentierte an der Langlebigkeit der Kleider - ein Vokabel, das in der Branche besonders ungern gehört wird. Doch die war dem Meister der kleinen Varianten egal. Wohl auch deswegen zog er sich nach Differenzen mit der Prada-Gruppe (zu der sein Unternehmen gehörte) von seinem eigenen Label zurück. Das war vor zwei Jahren.

Beschränkung auf das Wesentliche

Wenn hierzulande in den kommenden Wochen leichte Sommermäntel, Baumwollkleidchen oder weiche Sakkos in einige ausgewählte Geschäfte kommen, in denen das bekannte schlichte Helmut Lang-Label prangt, dann haben diese Kleidungsstücke mit dem realen Träger dieses Namens nichts zu tun - auch wenn sie in dessen Geist entstanden sind. Der belgische Modemacher Raf Simons hat bei Jil Sander (einer anderen Ex-Prada-Marke) vorgemacht, was man sich darunter vorstellen kann. Die Designs sind eigenständig, doch die Mode atmet die Geschichte des Namens, der auf dem Etikett steht. Sowohl im Falle von Sander als auch von Lang ist das der Geist der Reduktion, der Beschränkung auf das Wesentliche. "Minimalisten" hat man beide in den Neunzigern genannt.

In der Mode des amerikanischen Designerpärchens Michael und Nicole Colovos, die für die neue Lang-Linie verantwortlich sind, blitzt daneben noch Langs Faszination für Details auf und jene für strenge Taillierungen. Schön zu sehen in den kurzen weiblichen Blazern, zweifachen Zippern oder Taschen, die hinter Plissierungen versteckt liegen. Insgesamt gehen die Colovos aber einen weniger strengen, sportlicheren Weg. Die Patchwork-Kleider sind aus weichem, geripptem Baumwollstoff oder gleich aus einem ganz dünnen Jersey-Material. Formale und eher legere Elemente werden kombiniert, allerdings nicht auf den Kopf gestellt, wie dies Lang so meisterhaft machte.

Schwarz und Weiß dominieren

Dieser war ein Philosoph der Mode, davon sind die Colovos dann doch weit entfernt, auch wenn Schwarz und Weiß ihre dominanten Farben sind. Hin und wieder schiebt sich bei ihnen auch ein leuchtendes Blau in die Kollektion. In einem großen Porträt im "New Yorker" meinte Lang vor einigen Jahren einmal, dass er nie und nimmer von einem Design-Team ersetzt werden könne. Das ist mit dieser Kollektion bewiesen. Den Colovos muss man allerdings zugute halten, dass sie das auch nicht vorhatten.

Ihnen ist eine vorsichtige, aber doch eigenständige Annäherung an einen großen Designer gelungen, eine, die sich lieber zurücknimmt, als dass sie es besser wüsste. Gedacht ist sie wohl für jene, die ihrem Idol die Treue halten möchten. Eine Schwierigkeit gibt es aber: Für eben jene hat Helmut Lang bereits vor seinem Ausscheiden aus der Mode Kleidungsstücke geschaffen, denen die Zeit wenig anhaben kann. (Stephan Hilpold/Der Standard/rondo/19/01/2007)

Die Lang-Kollektion ist beinahe vollständig im ehemaligen Lang-Geschäft, jetzt Partner M.H., Seilergasse 6, weiters bei Amicis, Parkring 12, 1010 Wien erhältlich.
  • Mit dem realen Träger des Namens "Helmut Lang" hat diese Mode nichts zu tun - auch wenn sie in ihrem Geist entstanden ist.
    foto: lang

    Mit dem realen Träger des Namens "Helmut Lang" hat diese Mode nichts zu tun - auch wenn sie in ihrem Geist entstanden ist.

Share if you care.