Heiliger Jakobus auf Herbergssuche

25. Jänner 2007, 21:27
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Ein Blick hinter die Kulissen im Vorfeld der in diesem Jänner stattfindenden Altmeister-Auktionen in New York

Rembrandt ein bisweilen überschätzter Wanderpokal, William Turner das Zünglein an der Waage


New York - Voller Stolz rückte Sotheby's im Dezember 2006 "sein" Highlight der im Jänner 2007 in New York stattfindenden Old-Master-Sales ins Licht: Das 1661 datierte Bildnis des Heiligen Jakobus d. Älteren von Rembrandt aus der zwischen 1650 und 1660 vom Künstler ausgeführten Serie von Dreiviertelporträts religiöser Figuren.

Marktbeobachtern ist dieser Heilige kein Unbekannter, hatte er doch bereits bei der TEFAF in Maastricht als teuerstes Kunstwerk der 2006er-Auflage eine Runde aufgedreht. Nicht unter 45 Millionen Dollar wollte der New Yorker Händler Salander O'Reilly für das zuvor seit 65 Jahren in Privatbesitz befindliche Gemälde haben.

Ein 400-jähriges Künstlerjubiläum ist eben kein Verkaufsgarant, und so avancierte das Porträt zu einem Wanderpokal. Am 25. Jänner gelangt er nun bei Sotheby's zur Auktion. Die Erwartungen wurden aber deutlich heruntergeschraubt: Der aktuelle Schätzwert liegt zwischen 18 und 25 Millionen Dollar. Die Bescheidenheit mag sich auch am Marktplatz orientieren, schon weil amerikanische Käufer bei Alten Meistern stets eine Minderheit stellen - zum Vergleich: Beim letzten Evening-Sale im Dezember reichte Sotheby's über London nur 17 Prozent der Ware in die USA weiter, während 81 Prozent in Europa verblieben.

Während die Nachfrage an Werken der Sparten Moderne und Zeitgenössische Kunst sprunghaft anstieg (um mehr als 30 bzw. 40 Prozent seit 2001), ist die für Alte Meister eine kontinuierliche geblieben. Anders gesagt: zuletzt auf einem Status wie vor fünf Jahren. Aber solche Beständigkeit hat etwa in Sachen Wertverfall auch Vorteile.

Am Beispiel von Rembrandt erklärt: Von 1997 bis 2003 blieb sein Wertindex stabil, nur 1999 war er mangels Angebot rückläufig. In der zweiten Jahreshälfte 2003 begann er wieder zu steigen und feierte 2006 seinen bisherigen Höhepunkt. Dabei zählen Rembrandt-Gemälde zu wahren Raritäten: Artprice hat seit 1984 nur 14 Angebote von Auktionshäusern gelistet. Das jüngste Ergebnis lieferte Sotheby's im Sommer 2003 mit 8,95 Millionen Euro für ein Selbstporträt von 1634. Der höchste Zuschlag stammt aus dem Jahr 2000, als das Porträt einer alten Frau bei Christie's in London für umgerechnet 29,61 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Das Angebot an Rembrandt-Werken wird weltweit von Druckgrafik dominiert (99 Prozent), die gleichzeitig aber nur ein Viertel der Umsätze liefert.

Sotheby's "announced" die kommenden Altmeisterauktionen als Marktführer. Erst im Dezember hätte man dies mit zwölf neuen Auktionsrekorden und einem finalen Jahresumsatz von knapp 210 Millionen Dollar, um 22,7 Millionen mehr als 2005, bewiesen. Jetzt publizierte Christie's seine Bilanz, darunter auch das Altmeister-Total von 256 Millionen Dollar. Nur auf den ersten Blick läge Christie's mit den in dieser Sparte erzielten Umsätzen vor Sotheby's.

Dahinter verbirgt sich eine Frage der Zuordnung: Sotheby's zählt in der Zeit zwischen 1300 und 1800 datierte Kunst zu dieser Sparte. Christie's inkludierte aber auch Arbeiten William Turners, der sich 2006 mit 35,85 Millionen (Giudecca) bzw. 10,98 Millionen Dollar (The Blue Rigi) allein im Hochpreissegment mit mehr als 46 Millionen Dollar und damit exakt um die Differenz zum Mitbewerb zu Buche schlug. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.1.2007)

  • Nächste Ehrenrunde für Jakobus: Er kommt jetzt bei Sotheby's in New York unter den Hammer.
    foto: sotheby's

    Nächste Ehrenrunde für Jakobus: Er kommt jetzt bei Sotheby's in New York unter den Hammer.

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