Wohnbau in Zyklen

27. Juni 2007, 13:31
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UBM-Vorstandschef Karl Bier erklärt im STANDARD-Gespräch, weshalb der Osteuropa-Pionier jetzt massiv Wohnungen errichtet

Vor zwei Jahrzehnten war die UBM einer der ersten Bauträger, die in Osteuropa Büro-immobilien errichtet hatten. Gerhard Rodler sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Karl Bier.

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STANDARD: Die UBM hat in letzter Zeit vermehrt mit Projekten in Westeuropa auf sich aufmerksam gemacht. Ist in Osteuropa langsam, aber sicher nichts mehr zu verdienen?

Karl Bier: Im Gegenteil. Wir haben zurzeit neue Ländergesellschaften in Gründung. In Rumänien starten wir jetzt mit einem Logistikprojekt. Dort haben wir rund 100.000 Quadratmeter Grund gekauft, auf dem wir mit der Errichtung von 40.000 Quadratmeter Hallen- und Büroflächen im Projektvolumen von 20 Millionen Euro starten wollen. Wir haben einen gleichberechtigten rumänischen Partner vor Ort.

STANDARD: Das heißt, Sie gehen neuerdings den Weg, Partnerschaften vor Ort einzugehen?

Bier: Ja, das haben wir allerdings schon immer gemacht. Unsere Projekte im Ausland werden überwiegend gemeinsam mit lokalen Partnern realisiert.

STANDARD: Das sind dann Partner, die das lokale Know-how einbringen?

Bier: Die Partnerschaften sind sehr unterschiedlich. Wir haben sowohl Kooperationen mit institutionellen Partnern, die das Kapital einbringen, als auch Joint Ventures mit Privaten, die entweder ein Grundstück oder die lokalen Kontakte einbringen. Im Fall dar Warimpex war es ein ganz spezielles Know-how, in diesem Falle ist es das Hotel-Know-how. Im Grunde geht es darum, durch Partnerschaften Ressourcen zu schonen. Das betrifft sowohl die Manpower als auch das Kapital. Aufgrund unseres starken Wachstums suchen wir aktiv Mitarbeiter, die bereit sind, ins Ausland zu gehen - entweder als Techniker oder als Kaufleute.

STANDARD: Sie hatten von mehreren neuen Ländergesellschaften gesprochen. Wo starten Sie sonst noch?

Bier: Ende des Vorjahres haben wir eine weitere Gesellschaft in Bulgarien gegründet und noch knapp vor Weihnachten in Plovdiv 35.000 Quadratmeter Industrieland gekauft. Dort werden Büros und Lager errichtet. In Sofia sind wir derzeit noch auf Grundstückssuche.

STANDARD: Sie errichten offensichtlich unerschütterlich weitere Büroflächen, obwohl sich insgesamt doch eher eine Marktsättigung im CEE-Raum abzeichnet.

Bier: Das trifft vielleicht auf Ungarn zu, ansonsten sehe ich in allen anderen Märkten des CEE-Raumes Zyklen, wie man sie auch in Westeuropa kennt. Mit dem einzigen Unterschied, dass es in absoluten Zahlen einen deutlich geringeren Büroanteil gibt. So hat beispielsweise Warschau immer noch weniger als die Hälfte an neu errichteten, modernen Büroflächen im Vergleich zu Wien.

STANDARD: In welchen Ländern sind Sie bereits tätig?

Bier: Wir haben vor sechs Jahren in der Tschechischen Republik begonnen, wo wir bisher rund 700 Wohnungen verkauft haben. Seit 2005 betreiben wir den Wohnbau auch in Polen. Die Nachfrage nach Wohnungen ist im CEE-Raum enorm. Das zeigt sich schon daran, dass die Preise innerhalb von zwölf Monaten um 50 Prozent gestiegen sind.

STANDARD: Das würde ich nicht so laut sagen. Sonst bekommen Sie bald Konkurrenz.

Bier: Konkurrenz ist immer da, praktisch aus der ganzen Welt. Aber der polnische Wohnungsmarkt ist riesig, sodass man die Konkurrenz nicht so schnell spüren wird. Ich schätze, dass kurzfristig rund eine Millionen Wohnungen benötigt werden. Das Problem liegt eher in der Manpower, weil der Wohnungsverkauf in diesen Ländern extrem beratungsaufwändig ist.

STANDARD: Sehen Sie auch in anderen CEE-Ländern einen so hohen Bedarf an Wohnungen?

Bier: Ja, das ist überall ein Thema. Aufgrund des Investitionsstaus wird ein enormer Bedarf an Neubauwohnungen entstehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.1.2007)

  • Karl Bier: "Die Nachfrage nach Wohnungen ist im CEE-Raum enorm. Das zeigt sich schon daran, dass die Preise innerhalb von zwölf Monaten um 50 Prozent gestiegen sind."
    foto: ubm

    Karl Bier: "Die Nachfrage nach Wohnungen ist im CEE-Raum enorm. Das zeigt sich schon daran, dass die Preise innerhalb von zwölf Monaten um 50 Prozent gestiegen sind."

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