Kyoto bleibt Ziel in weiter Ferne

8. März 2007, 11:54
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Die österreichische Klimabilanz wendet sich nach wie vor nicht zum Besseren, die Emmissionen im Inland sind gestiegen

Wien - Wie aus dem jüngsten Umweltbundesamt-Bericht zum Ausstoß von Treibhausgasen hervorgeht, lag Österreich 2005 bei 93,2 Mio. Tonnen. Laut der heimischen Kyoto-Verpflichtung dürfen im Durchrechnungszeitraum 2008 bis 2012 jedoch nur 67 Millionen Tonnen jährlich ausgestoßen werden. Rein im Inland ist damit ein Zuwachs im Vergleich zu 2004 zu verzeichnen, mit Auslandsinvestitionen liegt man knapp darunter.

"Wir haben nicht den Rückenwind, den wir brauchen", räumte Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) bei der Präsentation der Zahlen am Mittwoch ein. Die Klimastrategie soll nun erneut überarbeitet werden, um vor allem die Emissionen im Inland einzudämmen. Bisher wurden von Seiten des Bundes über "grüne Maßnahmen" im Ausland sieben Mio. Tonnen vereinbart, die zugekauft werden. Zieht man diese ab, bleiben immer noch 90,5 Mio. Tonnen übrig, womit man aber zumindest unter dem Wert von 2004 liegt, wo 91,1 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen wurden.

Verkehr bleibt Sorgenkind

Die Differenz zum Kyoto-Ziel sollen laut Pröll hauptsächlich durch Maßnahmen in Österreich kompensiert werden. Das "zentrale Sorgenkind überhaupt" sei hier der Verkehr, wo "dramatische Zahlen" erreicht worden seien, meinte der Minister. Hier sorgt er sich vor allem um den Tanktourismus, der die Bilanz in diesem Sektor gravierend verschlechtert. Dies passiert auf rein rechnerischer Basis dann, wenn die heimischen Spritpreise niedriger sind als jene in den Nachbarstaaten, im konkreten Fall Deutschland, das schon seit längerem weit höhere Treibstoff-Besteuerungen eingeführt hat. Ein Teil der Emissionen im Verkehrsbereich wird statistisch über die vertankte Menge im Inland erhoben, wodurch sich die Bilanz auch dann verschlechtert, wenn das CO2 von den deutschen Tanktouristen effektiv jenseits der Staatsgrenze in die Atmosphäre geblasen wird.

Eine Pkw-Maut hält Pröll nach wie vor nicht für notwendig, weil dies auch am Tanktourismus nichts ändern würde. Allerdings werde er sich weiter auf EU-Ebene dafür stark machen, die zu Grunde liegende Berechnung zu ändern, um nicht die heimische Bilanz durch ausländische "Tanker" zu belasten. Er verwies auch darauf, dass der Tanktourismus de facto ja fiskalische Einnahmen bedeute, die der Umweltminister nun verstärkt in Richtung Umweltinvestitionen ziehen will. Er werde dafür mehr Geld fordern "als es in der Vergangenheit der Fall war", kündigte Pröll an.

Zuwachs im Bereich Raumwärme

Vergleichsweise gravierend ist auch der Zuwachs im Bereich "Raumwärme", wo 2005 ein Plus von rund einer Million Tonnen erreicht worden sei. Nicht zuletzt darauf dürfte das von Pröll am Mittwoch angekündigte "nationale Energieeffizienzprogramm" abzielen.

Wie viel von der vorgeschriebenen CO2-Reduktion tatsächlich im Inland erreicht werden kann, wollte Pröll bei der Pressekonferenz noch nicht abschätzen und verwies auf die neue Klimastrategie, in die diese Zahlen einfließen sollen. Dass unterm Strich jedoch vom Staat Verschmutzungsrechte von anderen Ländern zugekauft werden müssen, wie dies von Umweltorganisationen und Experten befürchtet wird, wies er zurück: "Ich gehe davon aus, dass es nicht so sein wird." Vielmehr solle es sich bei Investitionen im Ausland um "grüne Investitionen" wie JI/CDM handeln. Derzeit seien für die angepeilten sieben Mio. Tonnen aus diesem Bereich rund 36 Mio. Euro vorgesehen. (APA)

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    Die heimische Klimabilanz ist noch meilenweit vom Kyoto-Ziel entfernt.

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