"Die Wetterküche des Klimas"

16. Jänner 2007, 16:52
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Zoologe Günther Köck im STANDARD-Interview über heiße Sommer und Schwermetall- belastungen bei Fischen in der Arktis

Der Zoologe Günther Köck entdeckte einen klaren Zusammenhang zwischen langen, heißen Sommern und Schwermetallbelastungen bei Fischen in arktischen Seen. Hubertus Breuer sprach mit ihm.


Standard: Eine lange Tradition der österreichischen Polarforschung scheint es nicht zu geben?
Köck: Die Pole sind weit weg, deshalb leuchtet es nicht immer ein, warum man dort forschen soll. Als ich mit dem Institut für Zoologie an der Uni Innsbruck 1997 das bis heute laufende Arktisprojekt „High-Arctic“ aufbauen wollte, bekamen wir überraschend Restgelder des Wissenschaftsministeriums, 100.000 Schilling. Das nun riesige Kooperationsprojekt ließ sich damals verwirklichen, weil wir in der Freizeit und größtenteils unbezahlt gearbeitet haben.

Standard: Und heute?
Köck: Geld ist nach wie vor knapp, aber inzwischen hat sich doch immerhin ein Verständnis dafür entwickelt, dass die Polarregionen die Wetterküche des Weltklimas sind. Was dort passiert, sucht uns alle früher oder später heim. Zudem stellen wir fest, dass bestimmte Entwicklungen in den Alpen überraschende Parallelen im hohen Norden haben. So haben wir in hiesigen Hochgebirgsseen und in den arktischen Seen einen klaren Zusammenhang zwischen langen, warmen Sommern und erhöhter Schwermetallkonzentration in Fischen festgestellt.

Standard: Warum gerade Schwermetalle?
Köck: Schwermetalle werden von den großen atmosphärischen Windsystemen aus dem Süden in die Arktis getragen. Und von einigen Schwermetallen wie Quecksilber ist nachgewiesen, dass sie sich in der Nahrungskette anreichern. Und das erzeugt massive Probleme für die Inuit – es kommt zu geistigen Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Standard: Wäre es nicht einfacher, etwas anderes zu essen?
Köck: Sie sitzen zwischen zwei Stühlen. Westliche Nahrung ist nicht unbedingt gesund für sie und führt auch bei ihnen zu Gesundheitsproblemen, die wir von uns kennen: Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aber ihre traditionelle Nahrung, an die sie angepasst sind – Meeresfische, Robben und Wale – ist mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet.

Standard: Inuit haben nicht nur gute Erfahrungen mit Forschern gemacht. Manche informierten die Inuit nicht einmal, was sie erforschen wollten.
Köck: Wir arbeiten eng mit Inuit zusammen. Sie erfahren nicht nur genau, woran wir forschen, sie erhalten auch die Ergebnisse.

Standard: Wie macht sich der Klimawandel im hohen Norden bemerkbar?
Köck: Unsere Forschungsstation steht in Resolute Bay, rund 1700 Kilometer vom Nordpol entfernt. Dort gab es seit Jahrhunderten eine zauberhafte Eishöhle. Die ist vor zwei Jahren eingestürzt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.1. 2007)

  • Günter Köck ist Projektmanager der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Zoologe an der Universität Innsbruck.
    foto: standard

    Günter Köck ist Projektmanager der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Zoologe an der Universität Innsbruck.

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