Der Radler

14. Juli 2000, 19:05

Von der Notlösung zum flüssigen Hoffnungsträger


Leo Szemeliker

Gemischt werden Limonade und die Hopfenkaltschalen, so will es die Legende, seit Juni 1922: Dem Wirten auf der Kugler Alm bei München soffen die Radfahrer damals zu viel Bier und zu wenig Zitronenlimo weg. Als Ausweg aus dem logistischen Problem bot er die beiden Getränke gemixt an. Der Name "Radler" hielt sich bis heute in den Ostalpen.

Die heimischen Brauereien bringen seit Mitte der Neunzigerjahre fertig abgefüllte Radler in die Regale. Man war und ist auf der Suche nach neuen Zielgruppen - jüngere Frauen werden in diesem Zusammenhang immer wieder genannt. Man verbucht bei Radlern Zuwachsraten von sechs Prozent, während der Gesamt- Biermarkt stagniert. Auch wenn die Mengen noch marginal sind: Von 8,9 Millionen Hektoliter Ausstoß pro Jahr sind zwei Prozent Radler.

Marktführer im Handel ist die Brau Union mit den Produkten Puntigamer Radler und Almradler, ein Gemeinschaftsprodukt mit dem Almdudler-Abfüller A&S Klein. Es folgen Kaiser, Stiegl, Murauer und Föhrenburger/Engelburger. Marktanteilswinner ist vor allem die Salzburger Stiegl-Brauerei, die mit dem mit Holundersaft versetzten Gaudi- Radler ein auch von der Konkurrenz neidlos als "Innovation" anerkanntes Produkt einführte. Stiegl meldet Zuwachsraten bei Radlern mit Zitronen-, Himbeer- und Hollergeschmack von 37 Prozent.

In Österreich gibt es übrigens, so weiß Brau-Union- Produktmanager Richard Lorenzoni, regional verschiedene Vorlieben: Der Osten mischt eher mit Kräuterlimonade, der Westen mit Zitrone und Orange, in Salzburg und der Steiermark gibt es den "Sauschneider" mit Himbeerlimo. Das deutsche Bier mit Cola ("Diesel") hat sich weniger durchgesetzt. Neueste Variante ist Red-Bull mit Bier ("Gummi-Radler"). An eine industrielle Abfüllung denkt der Salzburger Energydrink-Konzern aber nicht. Auf der Dose steht ja: "Mit Alkohol nicht mischen."

Manche Produkte haben sich über Jahre untrennbar mit dem Sommergefühl verquickt. der Standard beleuchtet wöchentlich wirtschaftliche Hintergründe.
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