Hollywood will es wissen: YouTube, ein Freund oder Feind?

9. Juli 2007, 11:28
4 Postings

Die Filmindustrie sieht sich durch die Online-Plattform geschädigt und will Entscheidungen

Der Konflikt zwischen der US-Filmindustrie und der Online-Videoplattform YouTube spitzt sich zu. Laut einem Bericht der New York Times geht es nun um die Frage "Freund oder Feind?"

Filme zum Download

Bis vor Kurzem fanden sich bei YouTube ganze Filme zum Download. So etwa auch "8 Mile" mit Rapper Eminem von NBC Universal; dieser war in neun zwölfminütige Teile aufgespalten worden, um so an YouTubes Nutzungsbedingungen vorbeizukommen.

Jäger des verlorenen Filmes

Beim Filmstudio stieß diese Vorgehensweise auf wenig Begeisterung und so forderte man YouTube auf die Videos zu entfernen. Nicht zum ersten Mal, wie die New York Times meldet. Mittlerweile durchforsten drei NBC Universal-MitarbeiterInnen tagtäglich das YouTube-Portfolio auf der Suche nach geschütztem Material. "Bislang können wir nicht viel mehr unternehmen", so Rick Cotton, NBC Universals rechtlicher Berater, der davon ausgeht, dass mehr als die Hälfte aller Videos bei YouTube, die NBC Serien oder FIlme zum Inhalt haben, unauthorisiert sind. "Sobald ein Clip verschwindet, kommt er auch wieder zurück".

Erfolg bringt Zwist

Der Erfolg von YouTube, mit der Unterstützung von Google, hat die Plattform zu einem Bigplayer der Medienindustrie werden lassen und sorgt nun dafür, dass sich die Hollywood-Studios nicht mehr nur dafür interessieren, sondern eine klare Entscheidung wollen: Ist der Dienst eine Bedrohung oder kann man YouTube für die eigenen Zwecke nutzen? Einerseits sehen die Studios in YouTube einen Feind, der geschütztes Material kostenlos weiterverteilt, auf der anderen Seite kann YouTube als eine mächtige Marketingplattform genutzt werden.

Musikindustrie als schlechtes Beispiel

Wie es aus Hollywood zu vernehmen ist, will man dabei nicht dem schlechten Beispiel der Musikindustrie folgen. Man strebe ein Mit- kein Gegeneinander an, so die Filmstudios. Neben NBC Universal suchen auch Warner Brothers Entertainment und 20th Century Fox nach Gesprächen, die eine Lizenzvereinbarung mit YouTube zum Ziel haben. In der Zwischenzeit wird aber auch nicht verabsäumt, die Betreiber der Plattform dazuzubringen, Filtermechanismen zu installieren, die die illegale Verbreitung geschützter Werke unterbinden sollen.

Klagen stehen im Raum

"Ich erwarte, dass die Studios klagen werden, wenn die Verhandlungen scheitern", so Jessica Litman, Professorin an der University of Michigan Law School gegenüber der New York Times. Bei Google ist derzeit Einiges zu diesem Thema in Bewegung; die Investoren wollen ihre 1,65 Milliarden Dollar, die für YouTube gezahlt wurden, gut und sicher angelegt wissen. Von Seiten YouTubes gibt es derzeit keine offiziellen Ankündigungen zu dieser Thematik. Man betont lediglich, dass man erfolgreich mit den Studios zusammenarbeite und so schnell wie möglich Abkommen schließen wolle. Dabei ginge es vorderrangig um Contentpartnerschaften, die für beide Seiten gewinnbringend sein sollen.

Eine Frage des Inhalts

Viele Inhalte auf YouTube haben natürlich nichts mit Hollywood zu tun, aber Berührungspunkte lassen sich dennoch millionenfach finden. Niemand kann mit Gewissheit sagen, wie viel geschütztes Material ohne Wissen der Studios auf der Online-Plattform veröffentlich wird. Die Schätzungen der Experten reichen von 30 bis 70 Prozent. Die Filmstudios geben auch zu, dass sie froh sind einige ihrer Inhalte auf YouTube zu sehen. "Die Marketing-Sicht und die Kopierschutz-Diskussion sind aus meiner Sicht zwei Paar Schuhe", so Marc Shmuger, Vorsitzender der Universal Pictures. "Es gibt einen großen Bedarf an Inhalten und wird sind gut beraten diesen Hunger zu erkennen und konstruktive Wege zu finden, ihn zu stillen." Aus Sicht von Shmuger läge die Zukunft des Marketings der Filmbranche in Angeboten wie YouTube. "Wenn man stärker in die kulturellen Debatten integriert sein will, muss man den KonsumentInnen die Möglichkeiten bieten, sich aktiver zu beteiligen. Das ist eine andere Weltordnung als wir das bisher gewohnt waren."

Schwer zu erkennen

Für die YouTube-NutzerInnen ist es hingegen sehr schwer zu erkennen, welche Inhalte rechtmäßig oder ohne Wissen und Zustimmung der RechteinhaberInnen hochgeladen wurden. Da es ja kaum im Sinne des Marketings wäre, wenn es empfohlene Clips oder "gehypten" KünstlerInnen schon von Vornherein anzusehen wäre, dass es sich um Werbung handelt. Die Grenze zwischen gerade noch legal und schon illegal ist eine schmale. Auch zwischen Musik und Videos auf YouTube gibt es Grenzen und Unterschiede. Der erwähnte Film "8 Miles" dürfte nicht auf der Plattform zu finden sein, die Lieder aus dem Film aber sehr wohl, da es hierzu eine entsprechende Abmachung gibt. "wir wollen das Angebot nicht umbringen", so Larry Kenswil von Universal Music. “Wir sehen hier eine neue Möglichkeit Profit für uns zu generieren."

Schutzmechanismen

YouTube kündigte bereits im September an, dass man neue Mechanismen zum Ausfiltern von illegalen Inhalten einsetzen werde. Diese sind aber noch nicht zu sehen und befinden sich vermutlich immer noch in der Entwicklung. Rick Cotton, der schon zuvor zitierte NBC Universal-Anwalt meint dazu: "Die Uhr ist bald agelaufen. Die Unternehmen sind es nicht gewohnt und auch nicht bereit daneben zu sitzen und abzuwarten."(red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das Mann's Grauman Chinese Theater in Los Angeles ein "Wahrzeichen" der US-Filmindustrie.

Share if you care.