Knaus Helikopter darf weiterfliegen

20. März 2007, 12:52
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Fieberhafte Suche nach Investor für Zwangsausgleich

Salzburg - Das kurz vor Weihnachten mit sechs Millionen Euro Schulden in den Konkurs geschlitterte Salzburger Hubschrauber-Unternehmen Knaus Helikopter darf seinen Betrieb vorerst weiterführen. Das entschied am Montagnachmittag das Konkursgericht bei einer Tagsatzung, wie die Gläubigerverbände AKV und KSV im Anschluss informierten.

Eine 20-prozentige Quote zum Zwangsausgleiches kann aus dem reinen Fortbetrieb des Unternehmens aber nicht erwirtschaftet werden, weshalb eine Teilfinanzierung durch einen Investor notwendig ist. Laut Firmenleitung würden derzeit intensive Gespräche mit zwei potenziellen Investoren geführt. In den kommenden zwei Wochen sollen Ergebnisse vorliegen, weshalb das Gericht die Fortführung auf unbestimmte Zeit bewilligte.

Im Februar 2004 war ein Rettungshubschrauber von Knaus in St. Johann im Pongau kurz nach dem Start abgestürzt. Eine deutsche Skiläuferin, die nach einem Skiunfall ins Krankenhaus transportiert werden sollte, kam ums Leben. Damals war das Fluggerät um 200.000 Euro zu gering versichert. Zwei Monate später kam es in Tschagguns in Vorarlberg zum nächsten Unglück: Ein Arbeits-Hubschrauber stürzte im Zuge einer Schutzwaldsanierung ab, der Tiroler Pilot starb in den Trümmern. Für den Schaden von 1,4 Mio. Euro musste ebenfalls Knaus aufkommen. Durch den Wegfall der beiden Helikopter sei es zu Umsatzrückgängen gekommen, die nicht mehr aufgeholt werden können, so das Unternehmen.

Unglück in Tirol

Ebenfalls in den Schlagzeilen war das Unternehmen, als am 5. September 2005 im Skigebiet Sölden im Tiroler Ötztal ein Hubschrauber von Knaus einen etwa 700 Kilo schweren Betonkübel verlor. Dieser riss eine Gondel der "Schwarzen-Schneid-Bahn" in die Tiefe. Aus einer zweiten Kabine wurden durch die Schwingungen des Seils sechs Skifahrer hinausgeschleudert. Für neun Deutsche, darunter sechs Kinder im Alter von zwölf bis 14 Jahren, endete das Unglück tödlich. Der Pilot wurde im Strafverfahren im Juni nicht rechtskräftig wegen fahrlässiger Gemeingefährdung schuldig gesprochen und zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt.

Neben den beiden Abstürzen nannte der Masseverwalter auch die gestiegenen Personalkosten (von 700.000 Euro im Jahr 2003 auf 2,1 Mio. Euro 2006) und eine Fehlinvestition in Ebensee als Gründe für die Insolvenz. Den sechs Mio. Euro Schulden sollen knapp vier Mio. Euro an Aktiva gegenüberstehen, was aber noch nicht als gesichert gilt.

Knaus betreibt derzeit an den Standorten St. Johann im Pongau und Karres in Tirol insgesamt neun Hubschrauber, die gemietet sind. Zusätzlich werden noch in Obergurgl und Obertauern Stützpunkte für Rettungsflüge betrieben. (APA)

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