Kärntner Hypo lässt sich mit Börsengang bis 2010 Zeit

8. Februar 2007, 14:05
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Kärntner Hypo lässt sich mit Börsengang bis 2010 Zeit

Wien – Die Kärntner Hypo Group Alpe Adria hat den Zeitplan für ihren oft angekündigten Börsengang verändert; statt bis 2008 hat sie nun bis 2010 dafür Zeit. Die Hypo gehört zu 48 Prozent dem Land, 45 Prozent hält neuerdings die Bank Burgenland (als Tochter des steirischen Versicherungskonzerns GraWe), je 4,75 Prozent gehören der Mitarbeiterstiftung und einer Investorengruppe, die vom deutschen Investmentbanker Tilo Berlin geführt wird. Ursprünglich – und zwar vor dem Auffliegen der Swap-Verluste von fast 340 Mio. Euro im Jahr 2004 – wollten die per Syndikatsvertrag zusammengeschmiedeten Mehrheitseigner "2007 oder 2008" an die Börse gehen. Nun kann sich die Bank bis 2010 Zeit lassen, wie der neue Bankchef Siegfried Grigg in einem Interview mit der Kleinen Zeitung bekannt gegeben hat.

Die Luft dafür verschafft hat sich die Bank, gegen deren Ex-Vorstandschef und heutigen Aufsichtsratspräsidenten Wolfgang Kulterer und den Ex-Treasury-Chef sowie zwei weitere (Ex-)Vorstandsmitglieder Vorerhebungen wegen des Verdachts der Untreue bzw. Bilanzfälschung laufen, durch eine Kapitalerhöhung in zwei Tranchen à 125 Mio. Euro. Dass das Aufschieben des Börsengangs mit dem Gerichtsverfahren zusammenhängt, bestreitet GraWe-Chef Othmar Ederer vehement im Gespräch mit dem STANDARD, "damit hat das gar nichts zu tun". Prinzipiell strebe die Hypo "den Börsengang immer noch fürs Jahr 2008 an", sagt er, "aber wir haben den Syndikatsvertrag mit dem Land verändert und den möglichen Zeitraum bis 2010 erstreckt. So gewinnen wir ausreichend Frei- und Handlungsspielraum". Kurzum, dank des frischen Geldes "sind wir jetzt nicht dazu gezwungen, nächstes Jahr an die Börse zu gehen", ergänzt Bankchef Grigg.

Tatsächlich haben sich die Kärntner im Dezember zunächst 125 Mio. Euro geholt, und zwar nicht, wie angekündigt, bei internationalen Investoren, sondern über den Deutschen Berlin, der "rund 15 Investoren mit starkem österreichischem Kern sowie hochkarätige deutsche Familienunternehmen" an Bord geholt hat, wie er dem Standard sagt. Mit von der Partie sind, wie berichtet, etwa Veit Sorger oder die Familie Turnauer. Bis Ende Februar werden sich dieselben Geldgeber ("Der Investorenkreis erweitert sich nur geringfügig", so Berlin) mit weiteren 125 Mio. Euro einkaufen; ihr Anteil erhöht sich damit auf rund 9,1 Prozent. Die Anteile von Land, Bank Burgenland und Mitarbeitern verwässert das ein wenig.

Parallel zur Auspolsterung des Eigenkapitals haben sich die Kärntner 2006 und heuer durch diverse Anleihen kräftig Liquidität für ihre Refinanzierung verschafft – in Summe rund 3,7 Mrd. Euro. 2006 (die Bilanz für 2004 musste wegen der aufgetauchten Swap-Verluste und deren fragwürdiger bilanzmäßiger Verarbeitung ja neu geschrieben werden und weist nun einen Verlust von 99 Mio. Euro aus; 2005 brachte einen Gewinn von 217 Mio. Euro) "waren die Finanzierungskosten höher als geplant", berichtet Hypo-Aufsichtsratsvize Ederer, insgesamt sei 2006 aber "in Anbetracht dessen, was sich abgespielt hat, passabel verlaufen", das EGT wird laut Ederer "um die 200 Mio. Euro betragen.

Detail am Rande: Kulterer, gegen den wegen der möglicherweise unvollständigen Verarbeitung der Swapverluste 2004 wegen Bilanzmanipulation ermittelt wird (es gilt die Unschuldsvermutung) hat für 2004 einen Bonus erhalten, wie Ederer bestätigt. Diesen Bonus, so beteuert Ederer, habe Kulterer im Rahmen der Abfindung für seine vorzeitige Vorstandsvertragsauflösung (per Ende 2007) aber "rückerstattet". Beträge werden nicht verraten. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.1.2007)

  • Hat Luft für die Bank gewonnen: Aufsichtsratsvize und GraWe-Chef, Othmar Ederer.
    foto: standard/christian fischer

    Hat Luft für die Bank gewonnen: Aufsichtsratsvize und GraWe-Chef, Othmar Ederer.

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