Kopf des Tages: ÖH-Chefin Barbara Blaha trat bitter enttäuscht aus SPÖ aus

25. April 2007, 13:53
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Ein Signal an den Genossen ganz oben

Die Konsequenz der 23-jährigen Vorsitzenden der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), Barbara Blaha, dürften manche Genossen auch älteren und höherrangigen SP-Funktionären wünschen. Weil sich ihre Partei vom freien Hochschulzugang verabschiedet habe, müsse sie sich eben von der SPÖ verabschieden, begründete Blaha ihren Schritt nicht unelegant.

Vielleicht ist es nicht wirklich so dramatisch, dass eine "ganze Generation von politisch engagierten Leuten zerstört" wurde, wie Blaha die Lage an den Universitäten nach dem jämmerlichen Nachgeben der SPÖ bei den Studiengebühren beschreibt. Bitter enttäuscht wurden sie bestimmt, und manch einer meint, dass sich die Roten in den kommenden Jahren an den Unis nicht mehr blicken lassen brauchen. Die angehende Germanistin Blaha dürfte es verkraften können.

Ein Blick auf die Biografie der 1983 im Wiener Arbeiterbezirk Simmering geborenen Blaha genügt, um zu begreifen, dass sie aus eigener Erfahrung ganz genau weiß, wovon sie spricht, wenn sie den Mächtigen - in diesem Fall dem Parteichef und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer - Arroganz und Selbstgefälligkeit vorwirft. Als zweites von sieben Kindern lernte Blaha früher als die meisten ihrer Altersgenossen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. Die Familienverhältnisse waren trist, die Kinder teilten sich ein Zimmer, vor drei Jahren starb die Mutter 40-jährig an Krebs, zum Vater haben die Kinder keinen Kontakt mehr. Blaha nahm, als sie ihr Studium begann, ihren jüngeren Bruder Julian zu sich in die 50-Quadratmeter-Gemeindebauwohnung am Schöpfwerk. Zum Leben für beide mussten 200 Euro Stipendium, die Kinderbeihilfe und die Einkünfte aus Nachhilfestunden reichen, die Blaha neben dem Studium erteilte. Aus solchem Blickwinkel betrachtet, wirkt das bereitwillige Abgehen der SPÖ von ihrer Forderung nach Abschaffung der Studiengebühren tatsächlich wie ein mieser Verrat. Gerade die Studenten seien für einen Kanzler Gusenbauer gerannt und hätten sich diese Behandlung nicht verdient, erinnerte Blaha bitter bei ihrem vorläufigen Ausstieg aus der Politik.

Eingestiegen war sie schon mit 13 Jahren in der "Aktion kritischer Schüler". Ihre Schülerzeitung "Der Gottschalk" wurde mehrfach ausgezeichnet, und vom Engagement im Gymnasium führte der Weg direkt zur Studentenpolitik und zum VSStÖ. Im Juni 2005 wurde Blaha als Spitzenkandidatin in den ÖH-Vorstand gewählt, ein Jahr später rochierte sie an die Spitze der grün-roten ÖH-Koalition.

Mit ihrem Austritt aus der SPÖ hat Blaha zweifellos ein Signal gesetzt, das dort richtig interpretiert werden sollte. So viele gute Junge hat die SPÖ nicht, also sollte das doch nicht das Ende der politischen Karriere Blahas gewesen sein. (Samo Kobenter, DER STANDARD, Print, 15.1.2007)

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    foto: derstandard.at/schüller
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