Polen attraktiv wie nie

22. Februar 2007, 14:42
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Das Land an der Weichsel zieht Investoren wie ein Magnet an

Warschau - "Kommt zurück nach Breslau! Bei uns gibt es Arbeit" werben große Plakate auf den Straßen Londons und Dublins. Die Aktion des Breslauer Oberbürgermeisters Rafal Dutkiewicz, der gut ausgebildete junge Computerspezialisten, Manager und Ingenieure für seine Stadt sucht, sorgt in ganz Europa für Aufsehen.

Breslau boomt, ebenso wie Krakau, Lodz und Warschau. Doch seit Polens junge Intelligenz massenhaft das Land verlässt, um in Großbritannien, Irland, Deutschland oder der Schweiz Karriere zu machen, fehlen in den Metropolen Niederschlesiens, Masowiens und Kleinpolens Arbeitskräfte. Ausländische Investoren, insbesondere im Hightech- und Finanzdienstleistungssektor, fragen immer öfter nach, ob sie vor Ort auch bestimmt genügend gut ausgebildetes Personal finden können.

Rund zehn Milliarden Dollar investierten ausländische Unternehmen 2006 in Polen, fast drei Milliarden mehr als 2005. "Wir wollen dieses Rekordergebnis in diesem Jahr noch übertreffen", sagt Andrzej Kanthar, der Direktor der Polnischen Agentur für Information und Auslandsinvestitionen (PAIiIZ). Nur ein einziges Mal hatte Polen ein noch besseres Ergebnis: im Jahr 2000 überstieg die Summe der ausländischen Investitionen mit 10,6 Mrd. Dollar erstmals die Zehn-Milliarden-Marke. In den folgenden Jahren ließ das Interesse an Polen nach und stieg erst seit 2003 langsam wieder an. "Die Wachstumsprognose von fünf Prozent für das Jahr 2007 ist sehr gut", reibt sich Kanthar die Hände. "Da sollten wir es schaffen, diesen Rekord zu wiederholen oder sogar zu übertreffen."

Die wichtigsten Investoren kamen 2006 aus Japan (neun Firmen mit einem Investitionsvolumen von 441 Millionen Euro), Spanien (153,4 Mio.), Südkorea (103 Mio), Großbritannien und Deutschland. Sie schufen 2006 zusammen mehr als 15.500 neue Arbeitsplätze. Laut einer weltweiten Studie von Ernst & Young über die Investitionsattraktivität belegt Polen inzwischen den fünften Platz - nach Nordamerika, China, Deutschland und Indien. Polen sei ein Business Service-Paradies, meinen die Investoren, Konzerne wie Citi Group, Fiat, General Electric, Hewlett-Packard, IBM und Philipp Morris lagern ihre gesamte Finanzbuchhaltung nach Polen aus, den IT-Bereich, Forschungsabteilungen und Callcenter. Bis Ende 2010 werden rund 550.000 Menschen im Dienstleistungssektor Arbeit finden.

Attraktiv für Ausländer sind vor allem die 14 Sonderwirtschaftszonen (insgesamt 8000 Hektar Fläche) mit ihren Steuerbegünstigungen, erleichterten Behördengängen und meist fertiger Infrastruktur. Im Vorjahr haben sich hier Philipps angesiedelt, Dell, Indesit und Toshiba. Zum Lockangebot des polnischen Wirtschaftsministers Piotr Wozniak gehören auch spezielle Kredite und Garantien. Am beliebtesten sind laut Danziger Institut für Marktwirtschaft Schlesien, Masowien (mit Warschau), Niederschlesien (mit Breslau) und die Grenzregionen zu Kaliningrad, Weißrussland und Ukraine. (Gabriele Lesser, Warschau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.2007)

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