[dag] Italiens Toiletten

14. März 2007, 16:24
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WC-technisch andere Ansprüche, als wir von einem öffentlichen Austro-Häusl gewohnt sind

An die Cloaca Maxima, die erste Abwasserleitung, waren alle Staatsgebäude und viele Privathäuser des antiken Rom angeschlossen. Außerdem errichteten die Römer schon etwa 1500 vor Christus ordentliche Latrinen. Zur nachträglichen Körperpflege dienten Schwämmchen, die in einen Eimer mit Salzwasser getaucht wurden. Die alten Römer waren also WC-technisch auf dem höchsten Stand der Hygiene.

Dreieinhalb Jahrtausende später, konkret zu Beginn des Jahres 2007, muss nach einem urlaubsbedingten Lokalaugenschein der stillsten Örtchen Mittelitaliens festgehalten werden: In der wohlhabenden Provinz Umbrien erfüllen etwa 90 Prozent aller WCs, die Gästen zugemutet werden, nicht die Ansprüche, die wir von einem öffentlichen Austro-Häusl gewohnt sind. Sie lassen sich in den seltensten Fällen versperren, die Muscheln sind verstopft oder gut verklebt, die Spülungen desolat, die Klodeckel verdreckt (oder nicht vorhanden), die feucht-öligen Böden nur mit Gummistiefeln begehbar. Kein Wunder, dass die Italiener da in Scharen die Pampas heimsuchen (selbstverständlich ohne Gackerl-Sackerl), um der neuzeitlichen Cloaca Maxima zu entrinnen. (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.1.2007)

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