Greißler-Reanimation

19. Jänner 2007, 17:00
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Das neue Leben eines Kaufladens als Wellness-Hotel Haller, einem Nichtraucherbetrieb auf Vier-Sterne-Niveau

Als Trafikantin hätte sich Frau Haller wahrscheinlich anders entschieden. Aber mit einem kleinem Kaufladen, sprich Adeg-Markt, und gut bestückten Feinkostregalen kommt man erst gar nicht auf die Idee, hier rauchen zu wollen. Wie man allerdings auf die Idee kommt, aus einem Greißler ein Wellness- Hotel zu machen, das auf Vier-Sterne-Niveau und von Anfang an als Nichtraucherbetrieb startet, ist wieder eine andere Geschichte.

Eine Geschichte, die das Greißler-Dasein keineswegs leugnet, vor allem architektonisch nicht, denn das Hotel wurde dem Laden und einem Textilgeschäft, das Regina Haller im Salzburger Maria Alm nach wie vor führt, einfach aufgesetzt. Als kompletter Neubau und so gar nicht krämerisch, denn am Anfang stand ein Architekturwettbewerb, den "Innerhofer oder Innerhofer" für sich entscheiden konnten, und seit gut einem Monat wählt man bei Hallers einfach zwischen Pinzgauer Delikatessen, Trachten oder Schwitzstube.

Auf dem Flachdach des Hauses findet sich auf 400 m² so etwas wie ein Kurzwaren-Sortiment des Wellness-Geschäfts. Das natürlich mit den ganz großen Spa-Bereichen von Häuser die eben nicht mitten im Ortszentrum stehen, nur schwer mithalten kann. Allerdings ist das Angebot bestehend aus Saunen, Massageräumen und Relax-Bereichen, so geschickt platziert, dass man vom Alpen-Dachgarten oder von der Skybar offen bleibt für Panoramablicke ins Steinerne Meer. Noch heuer wird man in einem Pool auf dem Dach der Hallerschen Pension in der Nachbarschaft gegen den alpinen Horizont schwimmen können.

Als alpines Wellnesshotel bezeichnet sich das Haus schon heute, die Zertifizierung durch das entsprechende Gütesigel wird ebenfalls für 2007 erwartet. Die Voraussetzungen dafür haben die Hallers von Beginn an geschaffen, und Küchenchef Andreas Huber trägt entscheidend dazu bei, da er nunmehr im Kellergewölbe nicht nur wie gewohnt Haubenküche serviert, sondern zumindest eine der drei Menüfolgen auch äußerst gesund sein soll.

Bergsteiger in Aktion

Sohn Stefan Haller verbringt längst nicht mehr den ganzen Tag im Adeg- Markt, sondern widmet sich den Gästen mit einem Schwerpunkt des Hauses: der Nordic-Fitness. Als geprüfter Winterwanderführer macht er Schneeschuhwanderungen zum fixen Bestandteil im Haller. Langläufer haben es nur wenige Gehminuten bis zum Einstieg in das 40 Kilometer lange Loipennetz am Fuße des Hochkönigs. Besonders schneesicher ist jedenfalls die sieben Kilometer lange Panoramaloipe auf 1600 Metern Seehöhe zwischen Dientner Sattel und Mühlbach.

Dass die drei Skiberge am Hochkönig zurzeit beinahe durchgängig befahrbar sind sei nur am Rande erwähnt. Wäre dem nämlich nicht so, würde man sich schon ein beschneites Fleckerl im Skiverbund Amadé finden, dass ja dem kleinen Gebiet die Bergrücken stärkt.

Auch wenn die Direktion im Haller Frau Marchner übernommen hat, bleibt Regina Haller mit 66 Jahren ihrem Hotel eng verbunden. Ebenso wie der bereits 1993 errichteten Gästepension, die die zeitweilige Saure-Gurken-Zeit im Lebensmittelgeschäft überbrücken sollte. Die wird nämlich ehebaldigst durch einen Glas-trakt mit dem Haupthaus verschmelzen und ein gesundheitsbewusstes Krafttrainingszentrum beherbergen.

Dass man den Greißler nicht zuletzt deshalb aufsucht, um seine Wehwechen zu besprechen, wollen die Hallers nicht vergessen. In den Behandlungsräumen auf dem Flachdach versteht sich das ohnehin von selbst, aber wenn man so gar nicht weiß, was man in und um Maria Alm machen soll, hilft Frau Haller gerne mit persönlichen Tipps weiter. Und wenn man dann noch unbedingt die Authentizität der Schnäpse aus dem Feinkostladen überprüfen will, lässt man sie sich bei einem Ausflug in die Brennerei der Hallers einfach beweisen. (Sascha Aumüller/ Der Standard/Printausgabe/13./14.1.2007)

  • Fernsehen oder Fernsicht? Das bleibt ebenso offen, wie die Zimmer gegenüber dem Panorama.
    foto: haller gmbh & co kg

    Fernsehen oder Fernsicht? Das bleibt ebenso offen, wie die Zimmer gegenüber dem Panorama.

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