Ein "global prayer" spricht viele Sprachen

14. Jänner 2007, 18:09
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Grazer Kirche St. Andrä als Vorzeigepfarre für Integration und Internationalität

Graz – Die katholische Kirche in Österreich freut sich dieser Tage über den Rückgang von Austritten. Konkret sind 2006 "nur mehr" 36.645 Menschen aus der Kirche ausgetreten, während es 2005 noch 44.604 waren. Im bevölkerungsreichsten Vikariat Wien-Stadt der Erzdiözese sanken die Austritte gar um 19,5 Prozent.

Auch in der Diözese Graz-Seckau freute man sich über einen Austrittsrückgang von 18,79 Prozent. Zudem ist die Zahl der Wiedereintritte die höchste seit 30 Jahren, was man in Graz auch der Erleichterung der formalen Rückkehr zuschreibt. Doch auch Migranten sorgen in ganz Österreich für die quantitative Stabilisierung des Kirchenvolkes. Zuwanderer aus Afrika, Asien und Osteuropa sind großenteils Katholiken.

"Atem der Weltkirche"

Eine Pfarre im Grazer Bezirk Gries hat für Letztere weit offene Tore. In der Kirche von St. Andrä, welche Dominikaner 1536 weihten, weht ein besonderer Wind: der "Atem der Weltkirche", wie ihn Hermann Glettler, der die Pfarre 1999 übernahm, nennt.

Der Priester ließ die Kirche innen von Künstlern wie Gustav Troger, Otto Zitko und Markus Wilfling mitgestalten, und während der Fastenzeit 2007 lässt er das junge "enfant terrible" der Kunst, Christian Eisenberger, in der Kirche wohnen und arbeiten.

Auch sonst ist man für Neues offen: Jeden Sonntag wird nach der traditionellen Messe eine afrikanische von Kaplan Matthew Igboamalu aus Nigeria auf Englisch gefeiert. Zudem gibt es (in der zur Pfarre gehörenden Welschen Kirche) französische Messen für aus Ruanda stammende Migranten und spanische Gottesdienste für Leute aus der Dominikanischen Republik. Auch türkische Gebete alevitischer Familien fehlen nicht.

Begegnung

"Große Feste, Ostern oder das Andrä-Fest feiern wir alle gemeinsam", freut sich Glettler. Im 2006 neben der Kirche eröffneten Andrä Foyer entstand eine weitere Stätte der Begegnung für Erwachsene und Kinder aller Nationen.

"Ich kam ohne Konzept, das alles ist organisch gewachsen", erzählt der Pfarrer. Dass durch Zuwanderer neues Leben in die Pfarre kam, bestätigt Glettler, will aber auch nichts schönreden: "Nicht alle Pfarrmitglieder haben die Öffnung der Gottesdienste mitgetragen. Einige besuchen jetzt andere Kirchen, weil sie afrikanische Trommelmusik bei Gottesdiensten nicht vertragen." An seinem Weg zweifelt er deswegen nicht: "Die Mühe um ein lebendiges, international geprägtes Miteinander ist die entsprechende Antwort auf den Ruf Gottes." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe, 13./14.01.2006)

  • Pfarrer Glettler: „Gelebte Gastfreundschaft ist eine schöne Herausforderung. Kirche sollte man daran erkennen.“
    foto: st. andrä

    Pfarrer Glettler: „Gelebte Gastfreundschaft ist eine schöne Herausforderung. Kirche sollte man daran erkennen.“

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