Großfusion im Schweizer Lebensmittelhandel

11. Februar 2007, 18:07
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Das führende Unternehmen Migros übernimmt Nummer drei am Markt, den Diskonter Denner

Zürich/Wien – Erdbeben im Schweizer Handel: Der größte Lebensmitteleinzelhändler des Landes, Migros, übernimmt 70 Prozent des Diskonters Denner, der Nummer drei am Markt. Wie beide Unternehmen mitteilten, kauft der Schweizer Marktführer, der einst auch am österreichischen Konsum beteiligt war, 70 Prozent von Denner. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Marktanteil 18,9 Prozent

Gemeinsam kommen Migros und Denner auf einen Marktanteil im Schweizer Handel von 18,9 Prozent. Zum Vergleich: In Österreich hält Rewe Austria mit den Marken Billa, Merkur, Penny und Emma einer Erhebung von AC Nielsen zufolge 29,5 Prozent, die Nummer zwei, Spar, kommt auf 27,6 Prozent, der Diskonter Hofer auf 18,8 Prozent.

Durch den Kauf von Denner wolle Migros seine Position im überdurchschnittlich wachsenden Diskontmarkt stärken, hieß es. Außerdem steigt Migros damit auch in das Massengeschäft mit Zigaretten und Alkohol ein.

Die Familie von Denner-Chef Philippe Gaydoul, der noch mindestens drei Jahre die Geschäfte von Denner leiten wird, will mit dem Verkauf ihrerseits die Wettbewerbsfähigkeit des Diskonters langfristig sichern. Das Unternehmen soll eigenständig erhalten bleiben. Der Wettbewerb in der Schweiz sei mit dem Markteintritt ausländischer Detailhandelsgiganten wie etwa Aldi (in Österreich Hofer) viel härter geworden. Mit dem bevorstehenden Markt-eintritt von Lidl werde sich die Situation weiter verschärfen.

"Konsum"-Schmerzen

Denner verfüge als ausschließlich in der Schweiz tätiger Discounter nicht über genügend große Einkaufsvolumen, um die Preise der Konkurrenz aus dem Ausland unterbieten zu können. Die wachsenden Herausforderungen würden einen Alleingang von Denner auf längere Sicht nachhaltig erschweren, sagte Gaydoul. Angesichts dieser Lage habe Denner mit der Migros den idealen strategischen Partner gefunden. Gaydoul: "Wir ergänzen uns in jeder Beziehung perfekt, auch beim Sortiment." Durch den Zusammenschluss mit der Migros bekomme Denner günstigere Einkaufskonditionen und könne die Preise tief halten.

Für die 3500 Denner-Mitarbeiter führe der Besitzerwechsel zu keinen Veränderungen. Migros war in den 90er-Jahren auch in Österreich in die Schlagzeilen gekommen – beim Konsum hatten die Schweizer ein Debakel erlebt. Zwei Jahre lang war der Schweizer Handelsriese in Verbindung mit dem Konsum gestanden, bis zum Zusammenbruch der österreichischen Einzelhandelskette im Jahr 1995. Migros verlor dabei mehr als 2,6 Milliarden Schilling, umgerechnet fast 200 Millionen Euro.

Das brachte Migros nicht nur zeitweilig einen Imageverlust; in der Schweizer Zentrale rollten damals auch ein paar Köpfe. (sda, stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13./14.1.2007)

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    foto: migros
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