Hoffnung bei Fibromyalgie

10. Juli 2007, 15:19
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Pilotstudie: Gasteiner Heilstollen könnte bei Weichteil­rheuma helfen - Fibromyalgie als schwer zu beherrschbares Krankheitssyndrom

Wien/Salzburg - Den Betroffenen tut buchstäblich alles weh. Oft leiden sie zusätzlich noch an Erschöpfungszuständen. Entzündliches Rheuma ist es nicht, insgesamt ist die Krankheit schwer zu fassen: das Fibromyalgie-Syndrom. Psychotherapie, Verhaltenstraining, physikalische Medizin, Medikamente zur Schmerzbekämpfung und nun eventuell auch eine Behandlung im Bad Gasteiner Heilstollen können helfen. Dies erklärten Fachleute in Wien.

Schmerzen im ganzen Körper

"Das Fibromyalgie-Syndrom besteht aus Muskel-, Bänder-, Sehnen- und Weichteilschmerzen. Die Schmerzen sind sehr weit beziehungsweise über den ganzen Körper verteilt. Betroffen ist eine große Zahl von Frauen um das 40. Lebensjahr. Es sind nicht nur die Schmerzen, die einem das Leben sauer machen. Oft kommt es zu Schlafstörungen. Man weiß nicht mehr, wo der Anfang und wo das Ende ist", sagte Winfried Graninger, Rheumatologe an der Medizinischen Universitätsklinik in Graz.

Schwierige Diagnose mit Folgen

Weil einerseits die Diagnose oft schwierig ist, andererseits auch keine einfach anwendbare und beim größten Teil der Patienten wirksame Therapie vorhanden ist, besteht bei vielen Betroffenen die Gefahr, endgültig in die Depression und den sozialen Rückzug abzugleiten. Graninger: "Sehr viele Patienten werden neurotisiert. (...) Oder sie werden Opfer der außermedizinischen Abzockspezialisten."

Hilfe

Eine aufmerksame, die richtige Diagnose stellende und begleitende Betreuung durch den Hausarzt sowie eine individuell gestaltete Therapie (Psychotherapie, eventuell Antidepressiva zur Erhöhung der Schmerzschwelle, physikalische Maßnahmen, Balneotherapie etc.) kann helfen. Graninger: "Man braucht sozusagen eine gute Ärztin mit Zuwendung und klarem Kopf, eine 'Lebensschule'. Man braucht oft aber auch ein 'Internet-Abwehrgerät' und eine echte Rehabilitation." Gerade in diesem Bereich würden sich viele Scharlatane herum treiben.

Behandlung im Heilstollen

Gute Erfahrungen hat man in Bad Gastein mit einer Heilstollen-Behandlung gemacht. Im Rahmen einer dreiwöchigen Kur mit Basistherapie aus den sonstigen möglichen Methoden werden die Patienten neun Mal für je eine Stunde in den Heilstollen gebracht. Bei Temperaturen zwischen 37 und 41,5 Grad, 70 bis 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und der Aufnahme des radioaktiven Gases Radon mit der Atmung kann es offenbar zu einer Dämpfung der Symptome kommen.

Behandlungsdaten geben Hoffnung

Die ärztliche Leiterin des Heilstollens, Gudrun Lind-Albrecht, hat eine Pilotstudie durchgeführt, bei der Daten von 16 Patienten am Beginn, am Ende der Kur und vier Monate danach abgefragt wurden. So verringerte sich der Schmerzscore (zehnteilige Skala) von durchschnittlich 6,8 am Beginn des Aufenthalts auf 2,5 am Ende und erreichte nach vier Monaten wieder 3,7. Die Häufigkeit des Schmerzmittelgebrauchs verringerte sich von 3,4 Tagen pro Woche auf 2,1 Tage vier Monate nach dem Ende der Kur. Der Erschöpfungsindex (zehnteilige Skala) reduzierte sich von 8,1 am Beginn auf 4,7 am Ende der Beobachtungszeit. Jetzt will man mit einer neuen Studie, bei der je 50 Patienten eine standardisierte Basistherapie erhalten und dann die Hälfte eine Kälte-, die andere eine Heilstollen-Therapie fundiertere Daten über die Wirksamkeit erheben. (APA)

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    Gasteiner Heilstollen

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