Das iPhone: Beindruckend, aber...

27. Juni 2007, 12:05
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Analysten sehen schwierigen Weg für Apple - Zweifel ob es einen großen Markt für so ein kostspieliges Gerät gibt

Angesichts der Präsentation des iPhone überschlugen sich viele KommentatorInnen regelrecht in ihren Beurteilungen: Apple habe ein Gerät gezaubert, das den Smartphone-Markt regelrecht aufrolle, so weit sei es der Konkurrenz technologisch überlegen, so eine häufig geäußerte Einschätzung

Kritisch

Angesichts der Präsentationen auf der Apple-Seite kann diesem wohl in vielem zugestimmt werden, vor allem was die Softwareausstattung bzw. das User Interface betrifft. Mit zunehmenden Abstand zur Keynote von Steve Jobs nehmen aber auch die kritischen Kommentare zu. Neben der fehlenden UMTS-Unterstützung werden dabei auch die Hardware-Features - Stichwort relativ kurze Akku-Laufzeit oder relativ geringe Kameraauflösung - bemängelt.

Relevanz

Aus einem ganz anderen Blickpunkt hat die Zukunft des iPhone aber Stephen Lawson von IDG betrachtet: Im Zentrum steht dabei die Frage, ob es für das iPhone, wie es jetzt angepriesen wird, überhaupt einen relevanten Markt gibt.

Abwarten

Genau bei dieser Frage äußern zahlreiche Analysten ihre Zweifel. Zwar sei Apple von der Ausstattung her der Konkurrenz zum Teil deutlich voraus, trotzdem ist noch nicht gesagt, dass es der erhoffte Riesenerfolg wird. Das größte Hindernis ist dabei fraglos der Preis, 499 US-Dollar für die 4 GByte-Varianten zuzüglich einer zweijährigen Bindung an den Telekomanbieter Cingular, sind deutlich mehr als die KundInnen - zumindest bisher - zu zahlen gewillt sind. Bei einer Studie von InStat haben gerade einmal 21 von 1.800 KonsumentInnen angegeben schon jemals mehr als 400 US-Dollar für ein Mobiltelefon ausgegeben zu haben.

Consumer

Allgemein ist der Markt für High-End-Smartphones bisher ein äußerst kleiner, noch dazu einer in den Apple als teurere Alternative einsteigt. Zum Großteil wird dieses Marktsegment von FirmenkundInnen bestimmt - gerade bei diesen ist aber eher nicht zu erwarten, dass sie flott auf ein Gerät wie das iPhone wechseln, das sich von der Ausstattung her mehr im Consumer-Bereich ansiedelt.

Ziele

Als Absatzziel hat sich Steve Jobs im Rahmen seiner Keynote die Erringung von 1 Prozent Marktanteil im Mobiltelefonmarkt des Jahres 2008 gesetzt. Am Erreichen dieses Ziel hat zumindest der Analyst A.M. Sacconaghi von Sanford C. Bernstein & Co. LLC so seine Zweifel. Dafür bräuchte es einer massiven globalen Verbreitung, Apple sei aber nicht in allen Ländern so stark wie in den USA.

ITMS

Auch bleibt fraglich, ob die Mobilfunkanbieter wirklich alle so begeistert zum iPhone greifen wollen, wie es Apple gerne hätte. Immerhin bietet das iPhone zwei Möglichkeiten, die bei den Telekom-Unternehmen nur wenige Begeisterung hervorrufen dürftem: Das ist einerseits die WLAN-Unterstützung, die die Nutzung des Telefonzugangs reduziert und die Anbindung an den iTunes Music Store - immerhin wollen die meisten Anbieter hier mit eigenen Angeboten in diesem Bereich Geld machen.

Trotz all dieser Zweifel am schnellen Erfolg des iPhone gehen doch alle davon aus, dass die Apple-Hardware den Smartphone-Markt gehörig umkrempeln wird. Schließlich führe es das Mobiltelefon wesentlich näher an den Computerbereich heran, ein Trend, dem wohl auch die anderen Anbieter schon bald folgen werden. (red)

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