Erzbischof Dyba von Fulda angezeigt

14. Juli 2000, 08:44

Ihm wird die Diffamierung von Homosexuellen vorgeworfen

Köln/Fulda - Die Kölner Wählergemeinschaft für Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle hat gegen den Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Wie die Spitzenvertreterin der so genannten RegenbogenListe, Maria Rohlinger, am Donnerstag mitteilte, wurde die Anzeige am Dienstag beim Polizeipräsidium Köln eingereicht und ist inzwischen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden.

Rohlinger wirft Dyba Diffamierung von Homosexuellen vor. Die Anzeige bezieht sich auf einen Artikel im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", in dem der Erzbischof die Pläne der rot-grünen Bundesregierung zur Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe massiv attackierte.

Donnerstag Abend hielten vor dem Sitz des Erzbischofs in Fulda etwa 60 Mitglieder von Homosexuellenorganisationen und Behindertenverbänden sowie JungsozialistInnen Mahnwache. Vor JournalistInnen, FotografInnen und Fernsehteams zeigten sie Protestplakate mit Aufschriften wie "Der elementare Webfehler der katholischen Kirche ist Erzbischof Dyba". Ferner waren Forderungen nach einer Entschuldigung für die "unchristlichen Äußerungen" und Sätze wie "Gott sieht nicht (nur) durch Dybas Augen" oder "Auch Lesben sind Mütter - auch Schwule sind Väter" zu lesen.

Die JungsozialistInnen bezeichneten Dybas Äußerungen als beschämend und menschenverachtend. Es liege eine strafrelevante Beleidigung vor, wenn der Erzbischof im Zusammenhang mit dem geplanten Gesetz von "importierten Lustknaben" spreche. Dafür müsse er sich entschuldigen. Seine Äußerungen rückten Deutschland und besonders Fulda in ein schlechtes Bild. Unter den DemonstrantInnen waren mehrere Behinderte in Rollstühlen, die eine "Diskriminierung von Kranken, Behinderten, allein erziehenden und kinderlosen Menschen in Deutschland" beklagten. (APA/AP)

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