Facharbeiter-Mangel bremst Expansion

1. März 2007, 19:43
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Den Maschinenbauern fehlen mehr als 1000 Fachkräfte und hofft auf mehr Ost-Mitarbeiter

Wien - Österreichs Maschinen- und Metallwarenindustrie lässt die Muskeln spielen. Der Auftragseingang der 1800 Unternehmen zog in den ersten drei Quartalen 2006 um 19 Prozent an. Die Exporte und die Produktion stiegen um 14 Prozent. Der Trend zur Verlagerung von Fertigungen ins billigere Ausland ist vorläufig unterbrochen. Dennoch läuft die Branche weiterhin nur unrund. Denn den überwiegend familiengeführten Firmen fehlen in Österreich bis zu 2000 Facharbeiter. Und zuletzt waren 400 Lehrstellen unbesetzt.

"Es gibt Probleme mit der Einhaltung von Lieferfristen. Wir können den Markt nicht länger bedienen", sagt Wolfgang Welser, Chef der Welser Profile AG und Obmann der Bundessparte Industrie. Sein Konzern hat den Umsatz 2006 um 20 Prozent auf 420 Mio. Euro gesteigert und beschäftigt in Österreich 950 Mitarbeiter. Welser sucht derzeit 50 Leute, vor allem Metallfacharbeiter. Doch die Region rund um Scheibbs und Amstetten sei ausgedünnt. "Die Qualifikation der Leiharbeiter ist dramatisch gesunken", sagt Welser. Er investiert in Österreich bis 2008 über 30 Mio. Euro. 50 Mio. Euro seien für den Ausbau in Deutschland reserviert.

Aufschwung an Aufträgen

Jochen Pildner-Steinburg, Chef des Anlagenbauers GAW und Präsident der steirischen Industriellenvereinigung (IV), bestätigt den Schwung an neuen Aufträgen. Die Gewinne ließen sich aufgrund schlechter Preise aber oft nur schwer verbessern. Ende 2007 sei wieder ein Umsatzknick zu erwarten. Auch die Abwanderung steirischer Kapazitäten werde sich fortsetzen, das zeige eine aktuelle IV-Studie. Steinburg fordert daher die neue Regierung, auf, massiv in Forschung und Entwicklung zu investieren.

Er sieht auch seinen Anlagenbauer vom Mangel an qualifizierten Personal betroffen, "Das hindert uns am Expandieren. Wir können uns da nur mit Kooperationen helfen."

Welser warnt davor, dass der Facharbeiter-Mangel auch das BIP-Wachstum einbremsen könne. Er appelliert daher an die neue Regierung, die Regeln für Arbeitsbewilligungen für Arbeitskräfte aus dem Osten zu lockern. Bei Karl Haas, Bundessekretär in der Metaller-Gewerkschaft, stößt er damit jedoch auf harten Widerstand. "Glauben Sie, dass die Leute dort besser ausgebildet sind? Die Betriebe wollen eben billigere Arbeitskräfte."

Er führt den Facharbeiter-Mangel neben Imageproblemen vor allem auf Versäumnisse in der Lehrlings-Politik zurück. "Die Industrie hat zu wenig in Ausbildung investiert, und das rächt sich jetzt." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2007)

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    foto: standard/fischer
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