Ganz ohne Fachbeirat: Kunst im Flak-Leitturm Arenbergpark

11. Jänner 2007, 19:11
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Etwa hundert Künstler zeigen eine Möglichkeit auf, mit der historisch belasteten Bausubstanz umzugehen

Ganz ohne Jury kam es zu einem ebenso medien- wie generationsübergreifenden Projekt.


Wien - Allen Untersuchungen zur Nutzungsmöglichkeit der Gefechtstürme zwischen Augarten und Esterhazypark haftet ein Mangel an: Ehe Studien noch ein "Wie" zur allen konformen Kärung bringen können, zeigen sich die Architekturen besetzt, finden sich Nutzer.

Seit Wochen schon halten annähernd 100 bildende Künstler einen der Gefechtstürme im Arnbergpark für eine angemessene Bühne. Und halten - ganz ohne Motto, Konzept oder sonstigen Überbau - "Ausstellung". Auf 3.565 Quadratmeter Fläche zeigt sich ein bemerkenswert beliebiger Ausschnitt dessen, was in dieser Stadt ganz ohne Sanktus von Institutionen, Kuratoren oder Fachbeiräteneinfach passiert.

Und zwar, ganz ohne sachkundige Anleitung, ebenso fach-, wie medien- und generationenübergreifend. Angefangen hat alles mit einer Installation von Marianne Madern, Budhinnen, Christinnen..., mittlerweile hat sich das Ganze zu einem Verein ausgewachsen, und zieht Publikum an, obwohl weder Hofstallungen rundherum angesiedelt sind, noch kuratierte Sitzgelegenheiten Anleitung zur Entspannung im Quartier bieten. Das Projekt Flakturm lebt bislang auch ohne finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.

Wie alle Vereinsziele liest sich auch jenes des Vereins "Flakturm" recht hehr: "Der Verein wurde gegründet mit der Aussicht, den Turm für zukünftige Projekte zu nutzen, um das historische Gebäude und das inhärente, soziale Gefüge zugänglicher zu machen.Der Flakturm soll in seiner ursprünglichen Architektur erhalten bleiben als ein Zeugnis, er soll nicht behübscht oder verniedlicht, nicht ausgehöhlt und verharmlost werden. Er soll ein Raum der Auseinandersetzung für Künstler und Kulturschaffende sein, sich an diesem historisch schwerst belasteten Ort positionieren zu können. Ein Ort der Konzentration, der produktiven Auseinandersetzung, der Offenheit und der Freiheit. Aus den gewonnenen Erfahrungen der bereits stattgefundenen Arbeit eröffnen sich neue Wege in der Belebung des Bezirks, der Ausstellungspraxis und somit der kulturellen Landschaft Österreichs."

In der Tat zeigt die Initiative letztlich einen pragmatischen Umgang mit der belasteten Bausubstanz. Und weit darüber hinaus zeigt sich, dass Kultur-Zentren schlicht behauptet werden müssen.

Nicht zuletzt stützt die künstlerische Besetzung des Gefechtsturmes das CAT-Projekt des Museum für angewandte Kunst im Flakturm gegenüber, zeigt, dass eine künstlerische Nutzung der unzerstörbaren Architektur die mit Abstand beste Möglichkeit zur Umwidmung und Entmachtung der betonierten Symbole darstellt. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2007)

Bis Ende Jänner
  • Installation von Anna Mitterer im Gefechtsturm im Arenberpark.
    foto: roland icking

    Installation von Anna Mitterer im Gefechtsturm im Arenberpark.

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