Flexibilisierung: "Die Tür ist endlich offen"

1. März 2007, 19:43
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Die Industriellenvereinigung hat ihr Nummer-eins-Thema" durchgebracht, will aber weiter Tempo machen

Wien – Die Industriellenvereinigung (IV) hat bei den Regierungsverhandlungen ihr "Nummer-eins-Thema" durch-gebracht: "Die Anhebung der gesetzlich möglichen Arbeitszeit von acht auf täglich zehn Stunden ist der erster Schritt in die richtige Richtung," formuliert IV-Mann Christoph Neumayer entsprechend enthusiastisch im Gespräch mit dem Standard. Ohne das permanente Drängen der IV, "die seit dem vergangenen Herbst als erste eine groß angelegte Arbeitsflexibilisierung zum Thema gemacht hatte, wäre das nie passiert". Der einzige Punkt bei dem die Vorstellungen der Industriellenvereinigung jetzt nicht umgesetzt wurden: Die Industrie wollte einen Durchrechnungszeitraum von zwei Jahren, um "Produktionsspitzen besser abdecken zu können." Zugestanden bekommen hat sie einen Zeitraum von 24 Wochen. Doch auch hier will man, so Neumayer, in Zukunft nicht locker lassen.

Zehn-Stunden-Jobs

Arbeitsmediziner halten Zehn-Stunden-Jobs freilich "für kontraproduktiv." Beim Consultingunternehmen IBG health@work etwa heißt es auf Standard-Anfrage, könne sich dadurch vor allem die Fehler- und Unfallhäufigkeit am Arbeitsplatz vermehren. Zudem lasse sich "Produktivität einfach nicht erzwingen", meinen die Mediziner. Neumayer hält dem entgegen, dass dies primär eine Frage der Arbeitsgestaltung sei und durchaus neue Arbeitsabläufe und -modelle denkbar seien. Neben der Aufstockung der täglichen Normarbeitszeit ist auch die Aufstockung der täglich möglichen Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden und die Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 60 Stunden fixiert.

Flexibilisierung

Die Flexibilisierung des gesetzlichen Arbeitszeitrechts erfolgt dabei unter Berücksichtigung der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Außerdem schreibt das Regierungsübereinkommen mehr Kostengerechtigkeit zwischen Teilzeitarbeit und Vollzeitarbeit vor, um die Zerlegung von Vollzeitarbeitsplätzen in nicht existenzsichernde Teilzeitplätze einzudämmen. Zudem soll es künftig eine fairere Abgeltung der im betrieblichen Interesse eingebrachten Flexibilität von Teilzeitbeschäftigten geben. Vereinfacht werden sollen vor allem flexible Arbeitsmodelle, die im Interesse von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer liegen. So sollen in Zukunft schriftliche Einzelvereinbarungen in Betrieben (bei arbeitsmedizinischer Unbedenklichkeit) möglich sein. Außerdem soll das Arbeitszeitgesetz auch für nicht zusammenhängende Arbeitstage, etwa bei einer Vier-Tage-Woche durch Betriebs- oder Einzelvereinbarung in Zukunft zulässig sein. Zuschläge kann es künftig für Teilzeitkräfte geben, wenn die in Teilzeit beschäftigte Personen Mehrarbeit leisten. (Monika Bachofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.1.2007)

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    foto: standard/fischer
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