Estévez kauft La Guita

23. Jänner 2007, 11:35
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Mit der Akquisition von Hijos de Rainera Pérez Marín und M. Gil Luque ist die Grupo Estévez auf dem besten Weg einer der Big Player im Sherry Business zu werden

2006 wird als das Jahr der großen Akquisitionen in die Geschichtsbücher von Jerez eingehen. Den vorläufigen Schlusspunkt bildet der Kauf von Hijos de Rainera Pérez Marín und M. Gil Luque durch Estévez.

Die erfolgreichste Manzanilla Marke

Hauptgrund für den Kauf ist mit Sicherheit die Marke La Guita – wahrscheinlich die erfolgreichste Marke in der jüngeren Sherrygeschichte, auch wenn sich über die Qualität des Produktes durchaus streiten lässt. 2006 konnte die Marke immerhin rund 2,7 Millionen Liter verkaufen und damit ihre Position als Nummer Eins am Manzanillasektor (rund 30 % Marktanteil in Spanien) festigen.

Erklärtes Ziel von Estévez war und ist es, durch weitere Bodegazukäufe zu wachsen, was durch diesen Kauf wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde (die Zurückhaltung in den letzten Jahren ist eher auf die unrealistischen Preisforderungen der zum Verkauf anstehenden Bodegas zurückzuführen, als auf die Unlust auf Zukäufe). Die Gruppe wird 2007 (lt. Eigenaussage) rund 18 Millionen Liter Sherry verkaufen, damit 70 Millionen Euro umsetzen und in 35 Länder exportieren. Estévez erwarb diesmal nicht nur die Criaderas und Soleras (wie im Falle von Valdespino), sondern auch die Bodegas, Abfüllanlagen etc. und wird damit in Zukunft nicht nur über die erfolgreichste Manzanillamarke verfügen, sondern auch genügend Grundweine für die eigenen Manzanillaabfüllungen besitzen, die bis dato unter anderem von Sánchez Ayala zugekauft wurden.

Gaspar Florido & Co

Des weiteren ging kurz vor Jahreswechsel der Traditionsbetrieb Gaspar Florido an Pedro Romero, der mittelfristig wohl ganz in Pedro Romero aufgehen wird, da einerseits die Marken von Gaspar Florido eher nur lokale Bedeutung haben und andererseits Pedro Romero für seinen Expansionskurs zusätzliche Grundweine für seine Manzanilla Aurora benötigt.

Für wesentlich mehr Aufsehen sorgte allerdings der Verkauf von Argüeso an eine ortsansässige Baufirma, befürchtete man doch anfangs, dass diese die Bodega nur wegen der diversen Grundstücke in bester Stadtlage und auf der Strasse Richtung Chipiona gekauft hatte (um Wohnungen zu bauen) und letztlich die Traditionsmarke von der Bildfläche verschwinden würde. Mit der Engagierung von José A. Sanchez (früher Sandeman) als neuen Produktionsdirektor sind diese Befürchtungen, fürs Erste zumindest, zerstreut.

Das Ende von Jerez?

Nichtsdestotrotz deuten all diese Käufe darauf hin, dass sich letztlich die aktuelle Studie über die Zukunft von Jerez und Co – mit dem Verbleib von maximal 2 – 3 Big Playern und einigen kleinen Bodegas, die den Bedarf der verbliebenen Liebhaber der Weine abdecken werden - über kurz oder lang bewahrheiten wird, mit all den negativen Konsequenzen für den Konsumenten, wie Verlust der Vielfalt, Vereinheitlichung nach unten etc.

Mein Tipp daher: Trinken Sie guten Sherry, solange es ihn noch gibt! (Klaus Hackl)

  • Die erfolgreichste Manzanilla-Marke.
    foto: hijos de rainera pérez marín

    Die erfolgreichste Manzanilla-Marke.

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