Wer braucht noch Plattenfirmen?

14. Jänner 2007, 20:30
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In England könnte eine neue Ära eingeläutet werden - Erstmals steht eine Band ohne Plattenvertrag vor dem Einzug in die Charts

In England steht möglicherweise ein neues Zeitalter der Musikbranche an. Erstmals in der Geschichte der UK Top 40 steht eine Band ohne Plattenvertrag vor dem Einzug in die Charts - und wirft damit die Frage auf "Wer braucht noch Plattenfirmen?"

Neue Regeln - neue Bands

Laut einem Bericht der BBC steht die Band Koopa aus Essex kurz vor dem Sprung in die Top-40-Wertung und würde damit eine neue Ära einläuten. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass die Regeln für die Top-40-Wertung geändert wurden. Andernfalls wäre diese Entwicklung wohl nie möglich gewesen. Seit Jänner dieses Jahres können auch Bands in die Top 40 mit ihren Liedern in die Charts einsteigen, selbst wenn diese nicht auf CD gepresst sind oder kein Vertrag mit einer Plattenfirma vorliegt.

Fans und Live

Am Sonntag wird Koopa mit ihrer nur als Download verfügbaren Single "Blag, Steal & Borrow" in die Charts einsteigen, so die BBC. Dieser Erfolg ist durch den Aufbau einer breiten Fanbasis und einer großangelegten Live-Tour gelegt worden, so der Artikel. "Es ist phantastisch, dass eine Band wie unsere die Möglichkeit bekommt in die Top 30 zukommen, gemeinsam mit Razorlight oder U2", so der Bandmanager Gary Raymond gegenüber der BBC.

Es ist nicht einfach

Der Einstieg in die Charts ist jedoch bei Weitem kein einfacherer geworden, da die Verkäufe, ob auf CD oder Online natürlich überprüft werden und unter bestimmten Auflagen zu erfolgen haben. "Mit den neuen Regeln gibt es Hoffnung für einzigartige Talente", zeigt sich Sänger und Bassist Joe Murphy überzeugt. "Man muss sich nicht mehr dem Diktat der Plattenfirmen unterwerfen. Man kann einen Song veröffentlichen und wenn du eine große Fangemeinde hast und die Leute das Lied kaufen, bist du in den Charts - das ist großartig."

Eine Wende

Aus Sicht des Koopa-Sängers werden in der nächsten Zeit zahlreiche weitere Bands ohne Plattenverträge in den Charts Einzug halten. "ich wäre nicht überrascht wenn weitere folgen würden, es wäre dennoch schön die erste Band zu sein, die das geschafft hat." Die Band existiert mittlerweile seit mehr als sieben Jahren in unterschiedlichen Besetzungen. In den letzten drei Jahren gab es mehr als 500 Live-Auftritte.

Plattenfirmen meldeten ihr Interesse an

Seit den ersten Meldungen über den Erfolg der Band haben bereits einige Plattenfirmen ihr Interesse an der Band bekundet. "Es könnte der Beginn einer guten Karriere werden. Wenn jemand kommt und uns ein Angebot macht, dann werden wir darüber reden", so Murphy. Der Punkt sei nicht, ob man eine Internetband sei oder nicht. Es gehe vielmehr darum, ob man eine gute Live-Band ist und das Zeug hat, um erfolgreich zu sein. "Es stellt sich allerdings die Frage, ob wir es wirklich brauchen. Wenn wir es aus eigener Kraft am Ende der Woche in die Top 40 geschafft haben, wofür benötigen wir dann ein großes Label? Wahrscheinlich brauchen wir sie jetzt gar nicht mehr. Der Charteinstieg öffnet ausreichend Möglichkeiten."

Harte Arbeit

Der Erfolg sei ein Ergebnis harter Arbeit und ohne Unterstützung einer Plattenfirma erwachsen. Es sei kein einfacher Weg gewesen und erst recht keine einfache Aufgabe die Leute zum Kauf der Lieder zu bewegen. "Aber wir haben uns gut platziert, etwa in MySpace und haben im Internet gut für uns Werbung gemacht", so Murphy. Die Live-Auftritte seien mindestens ebenso wichtig wie MySpace und Co., meint man bei Koopa. Zudem würden viele, vor allem junge, Fans die Lieder auch über ihr Handy kaufen, was ebenfalls zu beachten gewesen sei und gut umgesetzt wurde.(red)

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Koopa

BBC

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