In die Hofburg drang nur ein Pfiff

Redaktion, 02. Februar 2007 15:01
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    Foto: apa/schlager

    Das Kabinett Gusenbauer

Von Demonstrationen ungestört und in entspannter Atmosphäre verlief die Angelobung der neuen Regierung

Drinnen war es ruhig und warm, die Scheinwerfer der Kameras strahlten und trieben manchem Minister der vor Bundespräsident Heinz Fischer angetretenen Regierung Gusenbauer I den Schweiß auf die Stirn. Dann, eher zart als penetrant, ungefähr wie von einem im Nachbarzimmer auf der Herdplatte vergessenen Teekessel, der Pfiff. Lang, monoton und eindeutig von draußen, eindeutig keinem der in der Hofburg anwesenden Zaungäste zuordenbar, der einsame Pfiff vom anderen Ufer. Von dort, wo die Polizei zum Heldenplatz hin eine Absperrung gegen rund 2.000 Demonstranten errichtet hatte, die so viel Raum schuf, dass die neue Regierung außer Wurfweite in die Hofburg gelangen konnte. Offenbar hatte auch die Exekutive ihre Schlüsse aus der "unterirdischen" Angelobung vor sieben Jahren gezogen und das Sperrgebiet am Ballhausplatz so großzügig angelegt, dass es nicht zur Kampfzone erweitert werden konnte.

Der Formalakt bei Bundespräsident Heinz Fischer verlief also wie geplant und ungestört. Die roten und schwarzen Minister und Ministerinnen bemühten sich sichtlich, Harmonie zu verbreiten und die Verbissenheit, mit der sie sich vor und auch noch nach der Wahl bekämpft hatten, vergessen zu machen. Ganz wollte die Übung noch nicht gelingen, der gute Wille war aber unübersehbar.

Neben dem strahlenden neuen Kanzler wirkte auch Bundespräsident Fischer deutlich erleichtert. Seine ersten Worte an Gusenbauer wird der pragmatische Taktiker, dessen zunächst mancherorts belächelte Terminvorgabe die Koalitionsverhandlungen doch einigermaßen beschleunigt haben dürfte, sorgfältig gewählt haben. Es liege in der Natur der politischen Sache, dass sie dem Lob ebenso wie der Kritik ausgesetzt seien, meinte Fischer. Ersteres sollte man mit Demut entgegennehmen, mit Zweiterem "sachlich und ernsthaft" umgehen. Es war wohl allen im Saal klar, was damit gemeint war.

Die Unterzeichnung der Bestellungsurkunden beschloss den Routineakt, und manchem und mancher war eine gewisse Nervosität anzumerken, anderen wieder die Routine der Wiederholung – beispielsweise Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, der seine insgesamt sechste Angelobung hinter sich brachte und damit das längstdienende Regierungsmitglied ist. Möglicherweise zuckte auch der neue Verteidigungsminister Norbert Darabos bei seiner Unterschrift unter den strengen Blicken zweier in Galauniform erschienen Offiziere ein wenig zurück. Jedenfalls löste sich in den strengen Regeln der Zeremonie die Anspannung der letzten Wochen auf, und als sich die Regierungsmitglieder zur ersten Sitzung des Ministerrates zurück in das Bundeskanzleramt begaben, war der Pfiff schon längst verstummt. Der Mann, der auf Seite der ÖVP wesentlichen Anteil an der Zusammensetzung der neuen Regierung hatte, hielt sich am Tag ihrer Angelobung diskret im Hintergrund. Alt-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel übergab seinem Nachfolger das Amt hinter verschlossenen Türen und blieb dem Akt in der Hofburg fern. (Samo Kobenter/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.1.2007)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1680
santaklaus22
13.01.2007 18:17
@ derstandard redaktion

lob für die videointegration!!!

bitte in zukunft mehr davon!!

Krampfposter
 
12.01.2007 17:07
da pfiff jemand

aus dem letzten loch
:-))

Herr Dr. Bitter
12.01.2007 15:19

StudentInnen und DemonstrantInnen - redet's nur blöd, aber wundert's euch dann nicht.

Wer ihn kennt, weiß, dass die Rache des Alfred schrecklich sein wird.

Ihr werdet's euch noch wünschen, dass ihr ignoriert werdet wie vom Schüssel.

Krampfposter
 
12.01.2007 16:31
"die Rache des Alfred"

er HAT ein unheimliches grinsen, in der tat...so als hätte er ein messer hinterm rücken versteckt...und die schlimmste strafe ist wenn er singt ODER wenn er anfängt witze zu erzählen
Also, studenten, sieht euch vor!!!
:-))

cannery row
12.01.2007 15:16
aha..

ein artikel, wie er interessanter nicht sein könnte. voller neuer infos, spannend aufbereitet. quasi die nackten tatsachen.

Kasperls Strolchi
12.01.2007 14:29
DROGEN

waren sie die ständigen begleiter der koalitionsverhandlungen???

Rathaus-Indianer
12.01.2007 12:53
Nur ein Pfiff?

Ich glaube, der Bruder Willi hat einen sausen lassen ...

Krampfposter
 
12.01.2007 16:32
den hat man nicht nur gehört

sondern auch gerochen! übel!

andré
12.01.2007 12:16
schüssel wird unrecht getan

die wahrheit ist, ursprünglich wollte gusenbauer ja nur den bundeskanzler annehmen, aber schüssel hat ihn mit viel geschick und überredungskunst dazu gebracht, auch das eine oder andere ministerium zu übernehmen, um die stabilität der regierung zu gewährleisten...

Handarbeitslehrerin Elisabeth Gehrer
12.01.2007 11:28
hätte das nie gedacht

aber es gibt einen noch unsympathischeren bundeskanzler als schüssel: nämlich goosy.

die ÖVP hat wirklich gut getrumpft und goosy komplett erpresst.

goosy stand vor der wahl: sandkastentraum verwirklichen und partei verkaufen - oder neuwahlen.

er hat sich für seinen sandkastentraum entschieden. das wird die SPÖ teuer zu stehen kommen. ist goosy aber egal. er hat ja seinen sandkastentraum verwirklicht..

die politik ist also nix anderes als ein sandkastenspiel. hat goosy selbst bewiesen.

Luky Pozzo
12.01.2007 11:57

5 mal "goosy", 4 mal "sandkasten" - das gibt von Wolfgang und Reinhold einen glatten Einser.

Krampfposter
 
12.01.2007 16:33
das war doch wolfgang oder reinhold selber

seit die nix mehr zu tun ham is denen langweilig...

Analos !
12.01.2007 11:05
wien - hauptstadt vom balkan

wenn man wien zur hauptstadt eines der balkanlaender machen wuerde, dann haette restoesterreich das rote problem geloest.

Dormouse
12.01.2007 12:45

Ich bin Tiroler und tausch mit Ihnen falls lieber mehr Schwarze im Land haben wollen...

Analos !
12.01.2007 19:06
hui :)

wer ist in tirol bk?

Luky Pozzo
12.01.2007 12:04
Balkan? Ist schön!

Huih, da spricht ein neuer Hofer.
Ich kenn das alles, ich bin selbst Exil-Tiroler und muss sagen: Mit Ihnen möchte ich nicht tauschen, Analos. Selbst nicht um den Weitblick Innsbrucks.

Herold Krassflitzer
12.01.2007 10:43
Aus gut informierten Kreisen erfahren wir, dass die ÖVP bereits einen Wahlsong für 2010 einstudiert:


"Einer geht noch, einer geht noch 'rein!!! ..."

Buffy die Vampirjägerin
12.01.2007 10:34
Unter Pfiffen und Buhrufen

hat Freud bei Lou Lorenz angeklopft:
http://www.youtube.com/watch?v=cIym1RM6z3A

Zeit Geist
12.01.2007 10:18
neuer titel bei der övp!

für herrn lopatka:
övp-generalstaatssekretär

wie schön muss das parteileben sein!
(gefunden auf der övp-homepage)

mario weider
12.01.2007 10:14
Wenn Solidarität bei meinen Anliegen aufhört...

...dann kann ich ja gleich neoliberal werden. Ich seh keinen Grund irgendwo anders Geld rauszuwerfen. Ich zahl die Studiengebühren, aber dann lass uns andere Bereiche auch kürzen.

genau: Generationenvertrag, wieso eigentlich? Ich bekomm ohnehin nix mehr.

Wieso arbeiten eigentlich Arbeitslose nicht gemeinnützig?

Die SPÖ interessiert sich nicht für die Anliegen der Studenten, das wär ok, aber noch auf sie zu spucken mit Lohndumpingvorschlägen - das wird sich rächen - zumindest von meiner Seite

Caroline P.
 
12.01.2007 17:53
Ich kann dich verstehen...

Schließlich könnte man auch fragen, was die so überaus günstig besteuerten Stiftungsbesitzer an die Gemeinschaft zurückgeben, deren Infrastrukturleistungen sie schließlich auch nutzen usw...

Tschabuschnig
12.01.2007 10:07
Die Probleme der Gstudierten

sind im Vergleich zu den echten Fragen des Landes ein Fliegenflatus. Ich hoffe, Sie werden sich durch die "Elite der Zukunft" nicht aus Ihrem Konzept der Bildungsoffensive bringen lassen und geben zuerst einmal jenen eine Chance, für die das Wort Arbeit kein Fremdwort bedeutet, nämlich für die Lehrlinge und arbeitenden Menschen, für den einfachen Mann von der Straße, für den setzenSie sich ein und pfeifen Sie auf die paar verwöhnte Donnerstagsdemonstrierer, denen das Demonstrieren schon zur zweiten Natur geworden ist.
Glück auf und

Kärnten braucht Ihre Lösungskapazität, Herr Kanuzler!

Miraculix85
12.01.2007 09:59
Studiengebühren sind ok!!

Jetzt denkt mal nach wenn die Studien frei wären,..... dannn gäbe es unzählige die einfach sich anmelden aber in wirklichkeit gar keinen bock haben zu studieren, damit nehmen sie aber denen die studieren wollen die plätze... !?!!!!!!
ok ob sozialarbeit das richtige ist seine studiengebühren zurüch zu bekommen lässt sich in frage stellen, jedoch ist es zumindest eine alternative für die jenigen die studieren wollen und es sich aber nicht leisten können.....
man sollte nicht immer alles von der negativen seite sehen, sondern vielleicht auch mal abwegen, was positiv und was negativ ist und dann urteilen!!!!!!

Wasis
12.01.2007 15:00

Sie kennen sich so gut aus, daher frage ich:

Nachdem ich für meinen Sohn die Studiengebühr bezahle, darf ICH diese dann durch Sozialarbeit abarbeiten?
Kann man die im letzten Jahr bereits bezahlte Studiengebühr auch durch den Sozi-Dienst zurückbekommen?

Davidoff et cetera
12.01.2007 10:34

wo sollten die sich anmelden, wenn sie gar nicht studieren wollen?
zu vorlesungen? haha. die kommen dann nicht, dann gibt es genug sitzplätze.
zu übungen? die kommen dann nicht, und ich hab noch niemanden erlebt, der/die - wenn plätze frei sind - leute rausschmeißt, eher im gegenteil, selbst wenn alle sitzplätze voll sind darf man idR noch am boden sitzen.
zu prüfungen? da meldet sich doch niemand an, der/die nichts gelernt hat...

wer nimmt da bitte irgendwo wem plätze weg?

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