Nachhaltig im Partywagon

11. Jänner 2007, 16:45
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Welche Rolle sanfte Mobilität und Umwelt­zeichen für den Tourismus der Zukunft spielen und wo sich Urlauber schlau machen können - Katharina Bogner im Interview

STANDARD: Was wird in den nächsten zehn Jahren einen Tourismus mit Zukunft ausmachen?

Katharina Bogner: Wichtig ist, dass die Kunden sehr transparent mitgeteilt bekommen, was die Anbieter machen, das heißt: Wie komme ich als Gast bequem und gut beraten an das für mich passende Angebot. Zu viele verschiedene Umweltzeichen sind eher verwirrend.

STANDARD: Was bedeutet eigentlich sanfte Mobilität und wer bestimmt, was richtig ist?

Bogner: Das Umweltzeichen vergibt in Österreich das Lebensministerium, es gibt aber auch gesamteuropäische Zeichen, wie das europäische Umweltzeichen. Unter www.ecolabel-tourism.com kann sich der Kunde über zertifizierte Unterkünfte informieren. Umweltfreundlich reist, wer auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt. Sehr wichtig ist dabei, dass man trotzdem flexibel bleibt. Der Service, z. B. beim Gepäcktransport, muss also sehr gut sein.

STANDARD: Sobald ich also ins Flugzeug einsteige, reise ich nicht mehr umweltfreundlich?

Bogner: Ja, im strengen Sinn schon.

STANDARD: Wo können sich Urlauber, die umweltbewusst reisen wollen, sonst noch informieren?

Bogner: Es gibt ein neues Projekt, "Reisen mit Zukunft", das auch beim Kongress vorgestellt wurde. Dabei wird zusammengefasst, was Reisebüros in puncto umweltverträgliches Reisen anbieten. Da gibt es z. B. "mobilito", die Mobilitätszentrale in Bischofshofen, die über umweltfreundliches Reisen in ganz Europa informiert.

STANDARD: Wie viele Urlauber interessieren sich überhaupt für umweltbewusstes Reisen? Geht "sanftes Reisen" nicht an den Interessen der breiten Masse vorbei?

Bogner: Nein. Wir erleben ja einen demografischen Wandel und gerade für ältere Menschen ist das schon eine interessante Art des Reisens wenn z. B. der Wellnessurlaub schon in der Bahn beginnt. Aber auch für ganz junge Gäste kann man Zugreisen stärker inszenieren - der Skiurlaub beginnt dann schon im Partywagon. Ich denke, dass mittelfristig ein Viertel der Gäste auf sanfte Mobilität setzt.

STANDARD: Wie sieht es auf Veranstalterseite aus?

Bogner: Warum viele Veranstalter auf das Thema aufspringen, ist die Qualitätsgarantie und das positive Image. Mit mehr Öffentlichkeitsarbeit könnte man da noch viel mehr draus machen. Veranstaltungen wie der Kongress sollen die Verlinkung zur Praxis verbessern. (Interview: Tanja Paar/Der Standard/RONDO/12.01.2007)

Im Rahmen der Ferien-Messe Wien organisierte respect zusammen mit dem österreichischen Lebensministerium den Kongress "Wege zu einem Tourismus mit Zukunft - Umweltzeichen und sanfte Mobilität im Tourismus".

respect, Institut für Integrativen Tourismus und Entwicklung

Mobilitätszentrale mobilito: Bahngasse 12, 5500 Bischofshofen

Umweltzeichen, Richtlinien für Gastronomie und Tourismusbetriebe
  • Katharina Bogner, M. A. nachhaltiger Tourismus, ist Betriebswirtin und bei respect für Projektmanagement, Organisation und Beratung zuständig.
    foto: respect.at

    Katharina Bogner, M. A. nachhaltiger Tourismus, ist Betriebswirtin und bei respect für Projektmanagement, Organisation und Beratung zuständig.

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