Tu felix Hirschbraten

12. Jänner 2007, 13:21
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Dank angesehener Firmen und heimischer Grünröcke, die damit der Natur frönen, wird winters wieder Rehragout, Fasan oder Wildschweinkeule "Hubertus-schmaus" serviert

Das Gute zuerst: Zweierlei vom Wildhasen mit Schupfnudeln und warmem Quittenkompott. Dank angesehener Firmen wie Remington, Ferlacher oder Blaser und circa 120.000 heimischer Grünröcke, die damit der Natur frönen, wird winters wieder Rehragout, Fasan mit Granatäpfeln oder Wildschweinkeule "Hubertus-schmaus" serviert. Und im nackten Wald können all die verglasten Kisten, die in Fichten genagelten Verschläge und moosgrünen Subaru Forester besichtigt werden, aus denen Fuchs und Hase ultimativ Gute Nacht gesagt wird.

Neben dem klassischen Lodenträger gibt es bei uns längst auch den atmungsaktiven Bohu ("Bohème Hunter"), der abends "nach dem Office" mit seinem Land Rover Discovery noch auf einen Sprung ins Revier düst, um zur Montepulciano-Verkostung bei Freunden ein totes Tierchen mitzubringen. Menschen wie du und ich also, deren Sorgen sich um selbst angerührtes AFS ("Alleinfutter Schalenwild nach Schäfer") drehen, um Abschusstaxen (1700 Euro für einen Sechsjährigen mit bis vier Kilogramm Geweihgewicht) oder um neu entwickelte Rucksack-Aufhängehaken, die dafür sorgen, dass nichts scheppert, wenn man beim Ansitz das Flascherl Jägermeister rauskramt. Vorwiegend männliche Österreicher mit originellen politischen Ansichten, originellen Schnurrbärten und originellen katholischen Bräuchen und - gemobbt.

Coq au Vin oder gefülltes Schweinskarree sollen hier zu Lande tunlichst "glücklich" gewesen sein, bevor sie ihre kulinarische Karriere antreten. Den Tieren des Waldes jedoch, die gute Voraussetzungen dafür mitbrächten, wird kurioserweise genau dieses zum Vorwurf gemacht. Oder vielmehr das Faktum, dass die Jägersleut' zu träge sind, dem Bambi mit einem Bolzenschussapparat nachzuhirschen, und stattdessen ein 5,6-Magnum-Kupferjagdgeschoß entsenden. Das eher Unschöne ist, dass die Waidmänner einander sa-lopp "Halali!" oder "Horrido!" zurufen anstatt eines expressiven "Hin is!" (Una Wiener/Der Standard/Rondo/12/01/2007)

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