Erster Zaubersalon öffnete in Wien vor 150 Jahren

16. Jänner 2007, 23:29
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In den USA gibt es kein Zauberbuch, in dem der Finanz-Beamte Johann Nepomuk Hofzinser nicht ehrfurchtsvoll erwähnt wird

Wien – Wer "Accio Standard!" sagen kann, der braucht keinen Hund mehr, der einem in der Früh die Zeitung aus dem Postkasten holt. Doch mit Zaubersprüchen, die Harry Potter & Co das Leben erleichtern, kommt man in unserer Welt nicht weit. Unsereins bleibt also nichts anderes übrig, als Magie nicht als Alltags-, sondern als Unterhaltungselement zu konsumieren.

Johann Nepomuk Hofzinser

Die Wiener Gesellschaft hatte vor 150 Jahren die Gelegenheit, der Kunst der freundlichen Täuschung zu frönen, und zwar im Zaubersalon Hofzinser in der Wollzeile. Unweit vom heutigen Tafelspitz-Gourmet Plachutta lud der Zauberkünstler Johann Nepomuk Hofzinser in den Wintermonaten drei- bis viermal in der Woche zur "Stunde der Täuschung". Mit seinen Kartentricks und seiner Fingerfertigkeit verblüffte er die Zuschauer aus nächster Nähe und war somit der "Vorläufer aller Close-up- und Tischzauberkünstler der Jetztzeit", sagt Magic Christian, einer der bekanntesten Zauberer Österreichs. Am Mittwochabend lud er mit Bürgermeister Michael Häupl ins Rathaus, um Hofzinsers Werk zu gedenken.

Beamter im Finanzministerium

In den USA gibt es kein Zauberbuch, in dem Hofzinsers Name nicht ehrfurchtsvoll erwähnt wurde. 1809 als Sohn eines Seiden- und Kurzwarenhändlers geboren, begann er in seiner Jugend zu zaubern und war 1828 als Zeitungskritiker, Feuilletonist und Zauberkünstler tätig. Bevor er sich aber ganz der Magie verschrieb, verdiente er sein Brot als mittlerer Beamter im Finanzministerium. In dieser Zeit eröffnete er mit seiner Frau Wilhelmine den Zaubersalon auf der Wollzeile 789 (heute Nummer 38). Nach seiner Pensionierung 1865 bereiste Hofzinser den deutschsprachigen Raum und trat unter dem Namen Dr. Hofzinser in Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie in Kurorten auf. 1875 verstarb er schließlich in Wien. Dem breiten Publikum ist Hofzinser kaum bekannt, nur die Hofzinsergasse im 16. Bezirk erinnert noch an ihn.

Hokuspokus

Die Zauberkunst wird in Österreich unterbewertet, bedauert Magic Christian. "Dabei ist sie die einzige Unterhaltungsform, die zum Denken anregt und nicht leicht reproduzierbar ist". "Die Leute lieben das", doch das österreichische Fernsehen befinde sich diesbezüglich im Dornröschenschlaf. Während es in Japan, Italien, Frankreich, England und den USA "x Zaubersendungen gibt", scheinen die heimischen TV-Macher zu zaudern.

"Was ich liebe, ist, mit dem Publikum zu arbeiten", schwärmt der Magier: "Der Blick ist das Kunststück." Das Spiel eines Zauberkünstlers ist ein psychologisches. Der Zuschauer wird manipuliert und in den Bann gezogen. Der Ausdruck "Hokuspokus" (womöglich aus dem Italienischen: occhi = Auge, bocca = Mund) ist kein Zufall: Sperrt die Augen auf und schaut, was der Mund euch sagt.

Nachwuchs

Der erfolgreiche Magier David Copperfield, Harry Potter und auch Filme wie "The Illusionist" und "The Prestige" tragen dazu bei, dass die Zauberei nicht vergessen werde, sagt Christian und weist darauf hin, dass sich die Zauberkunst entwickelt habe, sprich: Besen und große Hüte wie Harry Potter habe man nicht nötig. Die Frage nach einem Zauberlehrling muss Magic Christian jedoch verneinen: "Aber wir haben einen Magischen Club", wo sich die Jungen beweisen. (Marijana Miljkoviæ, DER STANDARD Printausgabe 11.1.2007)

  • Magic Christians Buch über die Kartenkünste des Biedermeier Zauberkünstlers Johann Nepomuk Hofzinser ist in der Edition Volker Huber/Offenbach erschienen
    foto: buchcover magic christian/edition huber

    Magic Christians Buch über die Kartenkünste des Biedermeier Zauberkünstlers Johann Nepomuk Hofzinser ist in der Edition Volker Huber/Offenbach erschienen

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