Abschied von einem Medienpionier - Peter Galliner 1920 - 2006

24. Jänner 2007, 12:38
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IPI-Direktor kämpfte weltweit unermüdlich für Pressefreiheit und gegen Diktatur - Von Paul Lendvai

In aller Stille wurde vor einigen Tagen auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weissensee Peter Galliner, der herausragende internationale Medienpionier, begraben.

1920 geboren, flüchtete der Sohn eines der führenden Mitglieder der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin, des Rechtsanwaltes Moritz Galliner, als Jugendlicher nach Großbritannien. In London brachte er es vom Bibliothekar zum Auslandsmanager der Financial Times.

Er war maßgeblich am Aufstieg der Wirtschaftszeitung zum Weltblatt beteiligt und wurde von Axel Springer 1961 als Generaldirektor des Ullstein-Verlags abgeworben. Später übernahm Galliner die Leitung einer Verlagsgruppe in London, bevor er im Jahre 1975 zum Direktor des Internationalen Presseinstitutes (IPI) bestellt wurde. 17 Jahre kämpfte Peter Galliner weltweit unermüdlich für Pressefreiheit und gegen Diktatur. Unter seiner Führung ist IPI, die Organisation der Zeitungsherausgeber, zu einem Bahnbrecher der Medienfreiheit, auch in Ost- und Südosteuropa, geworden. Peter Galliner war jahrelang "erste Adresse" für Reformer und Bürgerrechtler vor und nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme. Unter seiner Leitung hat IPI Konferenzen und Seminare organisiert, die Ausbildung unabhängiger Journalisten von Budapest bis Moskau gefördert. Galliner stellte auch die Weichen für die Übersiedlung der Organisation nach Wien.

Der Mann der Versöhnung kehrte Anfang der 90er-Jahre in seine Heimatstadt zurück und gab dort mit 85 als letzte Publikation ein Buch über die Geschichte der Jüdischen Reformgemeinde heraus. (DER STANDARD; Printausgabe, 11.1.2007)

  • Peter Galliner bei einer IPI-Konferenz 1991.
    archivfoto: ipi

    Peter Galliner bei einer IPI-Konferenz 1991.

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