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Porträt des Wissenschaftsministers als junger Mann. Johannes Hahn promovierte mit einer philosophischen Arbeit. Ihre paradoxe Botschaft: "Städte wieder zu Städten machen."
Wien - Neutral bis positiv, so lassen sich die bisherigen Stimmen zur Bestellung des neuen Wissenschaftsministers Johannes "Gio" Hahn zusammenfassen. Die Zurückhaltung bei den Stellungnahmen der Forscher und Universitätsvertreter lässt sich leicht erklären: Der Chef der Wiener ÖVP und frisch gebackene Neo-Minister gilt in Sachen Wissenschaft als eher unbeschriebenes Blatt. Zu selten hatte sich Hahn bislang über Wissenschafts- und Universitätsagenden geäußert.
Entschieden positiv über Hahn äußerte sich allenthalben Peter Kampits, Dekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaften der Universität Wien, im STANDARD-Interview und charakterisierte Hahn als "liberalen, offenen Menschen". Dadurch habe der Neo-Minister die Chance, die gesamte Wissenschaft zu vertreten - und wenn es nach Kampits geht, natürlich insbesondere auch die Geisteswissenschaften.
Hahns Doktorvater
Kampits muss es wissen, schließlich war er Erstbetreuer von Hahns 1987 eingereichter Dissertation Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt. Die Arbeit war krönender Endpunkt seiner Studien an der Universität Wien, die Hahn 1976 an der juridischen Fakultät begonnen hatte.
Nach sechs Jahren und dem absolvierten ersten Studienabschnitt wechselte er zu Philosophie und schloss dort nach knapp fünf Jahren ab - trotz einer Krebserkrankung, die er in dieser Zeit zu überstehen hatte.
Schon rein thematisch lässt die Dissertation einiges von Hahns späterer politischer Karriere als (Stadt-)Politiker erahnen, wie auch Kampits meint, handelt sie doch zur Hälfte vom Phänomen Stadt. Die andere Hälfte seiner Arbeit war, wie so oft bei philosophischen Texten, der Philosophie selbst gewidmet.
Widersprüchliches
Und dabei kam Hahn zu einigen doch recht widersprüchlichen Einschätzungen: So konstatierte er auf Seite 18, dass es eine eindeutige Konjunktur der Philosophie gebe. Wenige Seiten zuvor hatte er freilich auch gemeint, dass seine Disziplin in einer Krise stecke.
Als Symptom dafür warf er der Philosophie vor, dass sie es bisher sträflich vernachlässigt habe, die Stadt zu ihrem Thema zu machen und übt harte Kritik an den Fachvertretern: "Wo die Säumigen zu treffen sind, ist evident: An den philosophischen Instituten und sonstigen Einrichtungen, die die gewerbsmäßigen Philosophen beherbergen und ernähren."
Diese Lücke füllte nun Hahn mit seinem stadtphilosophischen Versuch, an den sich sein Betreuer zwar nicht mehr im Detail erinnern kann. Seines Erachtens sei er aber "sehr innovativ" gewesen.
"Der Begriff ,Stadtphilosophie' ruft bei den meisten Menschen nur irritiertes Staunen hervor. Aber schon Aristoteles hat im Staunen den Grund des Philosophierens gesehen." Mit dieser eher paradoxen Formulierung hebt die innovative Arbeit an, um nach 254 Seiten Text mit einer ähnlich paradoxen Botschaft wieder zu enden: "Städte wieder zu Städten zu machen könnte das Kurzprogramm einer Stadtphilosophie lauten." Grundsätzlich verbindet Hahn mit seinem Thema große Ambitionen: "Eine Stadtphilosophie von heute kann (...) zur Staatsphilosophie von morgen werden" - um sie im nächsten Satz allerdings gleich wieder zurückzunehmen: "So hoch ist mein Anspruch in der vorliegenden Arbeit jedoch bei weitem nicht."
Eines seiner Anliegen war es jedenfalls, die Stadt als Ganzes für die Philosophie zu entdecken, was nicht so einfach ist, denn: "Die Stadt ist widersprüchlich, nicht leicht zu fassen. Es ist die Komplexität, dieses Wirrnis an Einflüssen, die so impressiv sind, dass die Stadtmenschen bei den Landbewohnern so oft einen exzessiven Eindruck machen."
Immerhin könne ihre Idee nicht verloren gehen, "denn die Stadt ist ein Magnet, der ihre Faszination ausmacht". Und außerdem: "Die Stadt sind wir selbst; eine alte Binsenweisheit."
Mit "Gut" beurteilt
Rein formal betrachtet lässt die mit "Gut" benotete Dissertation - die Rigorosen bestand Hahn mehrheitlich mit "Sehr gut" - ein wenig zu wünschen übrig. Anführungszeichen gibt es etwa nur bei längeren Zitaten. Eines aus dem Einführungsbuch Was heißt philosophieren geht dafür gleich über rekordverdächtige vier Seiten.
Bei den Namen sind auch ein paar Hoppalas passiert: Bertrand Russell, dem wohl wichtigsten angelsächsischen Philosophen des 20. Jahrhunderts, fehlt bei jeder seiner zahlreichen Erwähnungen das zweite l. Aus dem inzwischen verstorbenen Biochemiker und Wissenschaftskritiker Erwin Chargaff wiederum wird nicht nur ein Emil, sondern fälschlich auch gleich noch ein "Nobelpreisträger und Entdecker des DNS-Fadens".
Und Othmar Spann wiederum, der Vordenker des Ständestaats, mutierte zu Oswald. (Oder meinte Hahn vielmehr den deutschen Kulturpessimisten Oswald Spengler, den Autor von Der Untergang des Abendlandes?) Für diesen Oswald Spann jedenfalls brachte der damalige Cand. phil. durchaus Wohlwollen auf: "Das - meines Erachtens - falsche Ergebnis seines Philosophierens ändert nichts an seiner großartigen denkerischen Leistung."
Abgesehen von dieser für einen Liberalen doch etwas kühnen Position, präsentierte sich Hahn damals politisch als Verfechter der direkten Demokratie, der Bürgerengagements und als Kritiker des Staates. Das neue Regierungsmitglied berief sich dabei auf den US-Präsidenten Thomas Jefferson: "Je weniger Regierung, desto besser". Und der Stadtphilosoph sparte auch nicht mit prophetischer Kritik an seinem heutigen beruflichen Betätigungsfeld: "Die Politik nimmt zusehends circensische Züge an. Das Zeitalter politischer Fundamentalisten ist passé, es lebe der mediengerechte Politmoderator!" Willkommen! (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2007)
---> Zitate aus Johannes Hahns Dissertation
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Kampits ist ein .......beutel, der ........................... und der Garant für hochgradige Verblödung. Das ist weniger als Antiphilosophie, Antiliteratur Antiwissenschaft oder Antihumanismus, Kampits ist ein schwarzes Loch. Eine Schande für die Philosophie, eine Schande für die Philosophie in Wien, eine Schande für die Universität, eine Schande für seine Hintermänner. — Und zu Hahn: Philosophie ist nichts für Sie, bleiben Sie lieber bei der Stadt.
prügelt nicht auf den falschen ein!
es mag ja vieles gegen hahn sprechen, aber in erster linie wäre das ERBÄRMLICHE niveau am wiener philosophischen institut zu kritisieren. kampits & co hatten ja durch die bank noch nazi-lehrer. und ihre schüler blockieren seit jahrzehnten eine geisteswissenschaftliche forschungstätigkeit, die ihren namen auch verdiente.
chargaff hat einen wesentlichen beitrag geleistet: er hat zum beispiel erkannt, dass a und t, g und c (die vier kernbasen) jeweils in gleichen mengen auftreten. diese entdeckung ist entscheidend gewesen: chargaff ist so zu sagen am nobelpreis vorbeigeschrammt (bzw. er hätte ihn wohl verdient - neben watson und crick, die ihn erhalten haben). entdecker des dns-fadens ist er nicht gewesen.
die gefahr in bestimmten kreisen (politik und medien) besteht eher darin: dass es ahnungslosigkeit gibt, was die naturwissenschaften anlangt. es gehört zum guten ton, keine ahnung zu haben. die konsequenzen sind dramatisch.
merkel und lafontaine haben zum beispiel physik studiert. hat es ihnen geschadet?
benjamin franklin hat nebenbei den blitzableiter erfunden. bei leonardo da vinci hat es einen idealzustand gegeben: erfindungen und künste.
"Anstelle der vielen gängigen Begriffsbestimmungen von Wissenschaft, die gerade in jüngster Zeit Verwirrung stifteten (z.B. HEIDEGGER und HABERMAS), sei auf eine lexikalische Wissenschafts-Definition verwiesen (...) (S. 57)"
Find ich großartig wenn man sich mit Habermas und Heidegger anlegt und dabei eine lexikalische Definition den Vorrang gibt, vor allem wenn man Student der Philosophie war.
heute könnte er es so leicht haben, wie aus den Google-Anzeigen hier ersichtlich ("philosoph. Werke um 40 bis 90 % reduziert" bzw. "lassen Sie sich Ihre Diss. durch einen Ghostwriter schreiben"). Dennoch bleibt rätselhaft, warum sich Menschen, die so offensichtlich "von keines Gedankens Blässe angekränkelt" waren, ausgerechnet einem Fach zuwenden, welches das Denken zur Grundlage hat. Ja, eh, damals war es halt die einfachste Disziplin, weil abgesehen von ein paar Schöngeistern von niemandem ernst genommen. Aber: Wer nach höheren Ämtern strebt, muss zur Kenntnis nehmen, dass irgendwann alles auffliegt. - Dies an die Adresse all jener, die hier Geflügelschutz betreiben und dafür Taschwer anpatzen wollen. Geht nicht, Leute!
Herr Taschwer hat in einer Dissertation die 282
Seiten ein paar Fehler gefunden, jenes ist wirklich
eine Meisterleistung. Sorry, wer hier wem mit Dreck
bewirft ist klar und dieser jemand ist Herr Taschwer!
Frage haben sie die Dissertation von Herren Hahn
gelesen oder haben sie sich ihrer Meinung aufgrund
jener Zitate gebildet! Sorry, wer von 282 Seiten
nur 1 liest der kann sich keine Meinung darüber
bilden!
Bitte schreiben sie keine Unterstellungen!
Das ist eine gewagte Behauptung. Das Überfliegen einer ganzen Arbeit kann vielleicht hinhaun, aber Zititate, die allzuleicht aus dem Kontext gerissen werden können, als Grundlage für Bewertung nehmen? Na da hof ich mal, das ich nie so einen "Bewerter" bekomme.
Zu Ihrer Beruhigung, ich bin kein Prüfer an der Uni. Außerdem: Ich schrieb von manchen Arbeiten, ich schrieb von der Entscheidung, ob sich das Weiterlesen lohnt. Wenn in einem Zitat ein zentraler Mißverstand auftaucht, dann reicht allerdings auch so ein Schockerlebnis für ein erstes Gesamturteil. Ein guter Betreuer muß jedoch trotzdem weiterlesen, um aus den wenigen hellen Momenten, die es vielleicht geben mag, konkrete Hinweise sinnvoll zu entwickeln. Dazu kommt, daß ich eine Reihe von Dissertationen kenne, die u. a. Kampits betreut hat — wenn man das gesehen hat, versteht man, weshalb Geisteswissenschaften im allgemeinen und Philosophie im Besonderen so einen schlechten Ruf hat. Diss. mit einem einzigen phil. Zitat und das falsch etc..
hier geht es doch nicht um philosophie sondern nur um das dr. vor dem namen. der mann ist seit 1980 aktives mitglied der övp und hat eine klassisch politiker karriere hinter sich. dafür braucht mann/frau hier im schönen österreich einen dr. vor dem namen- egal auf welchem gebiet (bis auf die lisl- diese frau schafft alles) - und wurscht wie - eben.
wir leben doch alle hier. drum finde ich diese wichtigtuerei hier in diesem forum absolut österreichsch. echt toll. so tun als ob man, wie bei "das fest des huhns" (sorry hansi) das erste mal als tourist nach österreich kommen tät.
johannes h. ist gelernter politiker und bei der övp, das ist alles
Offenbar sehen viele das anders, weil schlechte geisteswissenschaftliche Ausbildung über die miese Ausbildung von politisch interessierten Menschen hinaus ein Problem für sich ist, was wesentlich mehr Interesse verdient, als das wissenschaftlich unbeschriebene Blatt Hahn. — Daß dafür wieder Kampits (ÖVP-nahe) am Mitweben des kompromisslerischen Leichentuches der Zweiten Republik mit Schuld ist, das ist dann die dritte Ebene des Schwachsinns am philosophischen Institut.
Bei aller fehlenden sympathie für den zukünftigen wissenschaftsminister finde ich es doch recht billig und auch ein wenig unfair, eine akademische arbeit aus dem jahre schnee in beckmesserischer weise zu durchforsten, um genüsslich ein paar etwas schlicht geratene aussagen zu zitieren. Wie würde denn Klaus Taschwer bei einer so "kritischen" überprüfung abschneiden, frage ich mich ...
die Entdeckung des "DNS-Fadens" einem gewissen Emil Chargaff zuzuschreiben, würde er von der Postinggemeinde mit Recht in seine Elementarteile zerlegt werden.
Eine Dissertation, die so schlampig recherchiert ist, dass sogar ein AHS-Absolvent mühelos Fehler und Widersprüche findet, ist das Papier nicht wert, auf der sie draufsteht.
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