Halle C zeigt Cadillac und Champagner

11. Jänner 2007, 13:24
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Die Wiener Messe versucht sich erstmals an Luxusautos. Im Mittelpunkt steht die private Sammlung des kuwaitisch-ungarischen Autonarren Bader al-Roudhan

Wien – Der Star des Tages lässt auf sich warten. Die Ledersofas stehen verwaist auf dem Podium in der Messehalle C , inmitten von Bentleys, Maybachs und Ferraris. Also scheucht Moderator Giro de Luca den Pianisten noch einmal an den Flügel und lässt den Mann ausrufen, ohne den die erste Wiener „Luxus Motor Show“ nicht beginnen kann: Bader al-Roudhan. Dem kuwaitisch-ungarischen Autosammler gehören die meisten Exponate. Einige Hersteller haben Einzelstücke exklusiv nach al-Roudhans Wünschen angefertigt, andere Autos haben historischen Wert – wie der Ferrari, mit dem Michael Schumacher 2000 seine erste Formel 1 gewann.

Dazwischen drängeln sich die Händler: Cadillac stellt seine gepanzerten Großstadtjeeps aus, mit denen US-Muttis ihre Kinder von der Schule abholen; Modellautos türmen sich in den Hallenecken, und die Firma " Real Gold" vergoldet Felgen und Frontspoiler.

Giro de Luca hat die Prominenz inzwischen auf der Bühne versammelt. Die Anzugträger in der Sitzgruppe heißen wie die Konstrukteursfirmen, die sie vertreten: Koenigsegg, Morgan und Pagani. Bader al-Roudhan lümmelt sich mit Baseballkappe und Guns ‘n‘ Roses-T-Shirt auf dem Sofa, erträgt de Lucas Witzchen ("Mein Ungarisch ist leider nicht ganz perfekt"), nennt die Motorschau " mein Leben" und dankt der Presse, ohne die die die Messe "nicht möglich" gewesen sei. Einige Journalisten klatschen gerührt Beifall.

Jeder darf etwas sagen, auch Marketingchef Heribert Kasper, den de Luca als " rechte Hand des Teufels" vorstellt und der Bader al-Roudhan eine Designeruhr von Formel-1-Chef Ecclestone schenkt. Die laut Vorab-Presseaussendung " stimmungsvolle Eröffnung" hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Gesellschaft strömt zur Champagnerbar.

Mit der " Luxus Motor Show" will die Wiener Messe die Lücke zwischen den regulären Automessen stopfen. Die finden nämlich nur alle zwei Jahre statt, und eine Nobel-Ausstellung mit al-Roudhans Autos im Mittelpunkt bot sich auch räumlich an: Der Besitzer von fast 90 teils millionenschweren Autos hat auch schon in Budapest ausgestellt.

Der Arbeitskreis der Automobilimporteure verdarb der Messe allerdings das Fest: Luxusautos habe nur " ein kleiner Teil unserer Mitglieder" im Sortiment, ließ die Organisation verlauten. Bevor sich einzelne Importeure also wegen Glamourmangels an der Messetür abweisen lassen, sagte ihr Verband die Teilnahme lieber kollektiv ab. Man wolle sich nicht der Diskussion stellen, „ab wann man von einem Luxusauto sprechen" könne.

"Sie müssen die Dinge umgekehrt sehen" , antwortet Marian Kazazian vom Autohaus A. Ebner auf die Luxusfrage. „Ob Sie eine goldene Uhr haben oder eine aus Plastik, die Zeit sagen Ihnen erstmal beide. Eine Luxusuhr ist ein Schmuckstück, das nebenbei die Zeit anzeigt. Genau so ist das mit Autos.“ Kazazians Firma ist mit dem oberen Segment von Chrysler und Jeep auf der Messe vertreten und hat ihr teuerstes Modell hier geparkt: Einen knallroten Dodge mit 507 PS und fast 20 Litern Verbrauch. Preis: 130.000 Euro.

Derart kaufkräftige Kundschaft erwarten die Händler aber kaum. Viele werden bis zum 14. Jänner vor allem zum Staunen kommen: Bader al-Roudhan habe der Messeleitung großzügig ein Kombiticket mit der Ferienmesse zugestanden. Sagt De Luca. (Daniel Kastner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2007)

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    foto: standard/andy urban
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