Wiener Börse macht Verschnaufpause

29. März 2007, 13:42
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Nach der Rekordjagd im Vorjahr befindet sich der ATX in einer Korrekturphase. Kein Grund zur Sorge, sagt Aktien-Experte Eduard Berger

Wien – Das neue Jahr hat für die Wiener Börse turbulent begonnen. Am zweiten Jänner setzte der Leitindex ATX noch seine Rekordjagd fort um Tags drauf zu einer Korrektur anzusetzen. Gestern, Mittwoch, hat der ATX um 2,23 Prozent oder 98,09 Punkte verloren. Ins Minus gezogen wurde der Leitindex vor allem von den im Index schwer gewichteten Bank-Aktien. Die Raiffeisen International gaben um 5,41 Prozent nach. Die Erste Bank büßten um 3,69 Prozent ein. Durch den gesunkenen Ölpreis sind auch Öl- und Energiewerte unter Druck geraten. Die OMV verloren etwa 2,25 Prozent.

"Einen Grund zur Sorge gibt diese Korrektur nicht", sagt Eduard Berger, Vorstand der CA-IB zum STANDARD. Die ersten Tage im Jänner sollten nicht als Signal für einen längeren Zeitraum herangezogen werden. Viele Investoren würden nach der jüngsten Rekordjagd ihre Gewinne mitnehmen. Einem Marktteilnehmer zufolge belaste derzeit auch der angekündigte Stopp weiterer Privatisierungen durch die neue Regierung den Markt. Berger: "Politik hat an der Börse kurze Beine, wie ein Sprichwort sagt." Die Frage der Privatisierungen sei zwar ungeklärt, aber an der Börse kein großes Thema. Bei der Post wurde erst im Vorjahr privatisiert und nachdem die ÖIAG bei der Kapitalerhöhung der AUA mitgezogen ist, sei klar und im Markt eingepreist, dass hier vorerst keine weitere Privatisierung Erfolge. "Was wir im Moment sehen, ist eine gewisse Lustlosigkeit. Der Markt macht nach der Aufholjagd jetzt eine Verschnaufpause", fasst Berger zusammen.

Der rückläufige Ölpreis bringt auch die Energiewerte an den Ost-Börsen unter Druck, was sich ebenfalls auf die Performance in Wien auswirkt.

Anreize schaffen

Die Vorstände der Wiener Börse, Michael Buhl und Heinrich Schaller, haben die Bildung der neuen Bundesregierung mit den Großparteien SPÖ und ÖVP begrüßt. Jetzt könnten wieder politische Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden, wie sie für die Weiterentwicklung des österreichischen Kapitalmarktes notwendig seien. Konkret sprechen sich die beiden Börsenvorstände für eine verstärkte Förderung der Aktiensparkultur in Österreich aus. Es gebe nach wie vor "große Defizite" bei der heimischen Aktiensparquote. Lediglich 17 Prozent des Geldvermögens seien in Wertpapieren investiert, der europäische Durchschnitt liegt mit 32 Prozent fast doppelt so hoch.

Mit steuerlichen Maßnahmen könnten auch verstärkt Unternehmen an die Wiener Börse gebracht werden. Dazu gehöre die Abschaffung der einprozentigen Gesellschaftssteuer. Ein Vorbild könnte die in Ungarn staatliche Begünstigung von Börsengängen sein. Eine Förderung der Kosten eines Börsengangs würde positive Signale für die Eigenkapitalfinanzierung setzen, so die Börse-Vorstände. (bpf, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2007) )

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