Hoffnung: Kunstschnee aus Südafrika für die Alpen

18. Jänner 2007, 16:28
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Schneekanone kühlt in Afrika Goldminen - Der Schnee, der aus der Hitze kommt, ist auch für die Alpen geeignet

Linz/Bad Hofgastein - Die kleine Böhmerwald-Gemeinde Schwarzenberg im oberen Mühlviertel ist trotz der ungewöhnlich warmen Außentemperaturen tief verschneit. Zumindest in der Cyber-Welt. Auf der Gemeinde-Homepage wird zu einem "Winterurlaub im tief verschneiten Böhmerwald" geladen. Ein realer Blick auf die Pisten am Hochficht lässt eher Frühlingsgefühle aufkommen. Dauerregen und Föhn haben die ohnehin nur zart beschneiten Pisten endgültig zum Sicherheitsrisiko werden lassen, seit Mittwoch früh heißt es im Mühlviertler Skigebiet "rien ne va plus". Die Anlage wurde aus "betriebswirtschaftlichen Gründen" abgestellt, hadert Richard Brillinger, Geschäftsführer der Hochficht Bergbahnen GmbH, mit dem Grün auf dem Hausberg. Bis der ersehnte Schneefall kommt, müssen die Schneekanonen ausgepackt werden.

Auch bei 30 Grad Celsius Schnee produzieren

Eine spezielle Beschneiungsanlage hat den herkömmlichen Modellen eines voraus: Sie kann auch bei Plusgraden von bis zu 30 Grad Celsius Schnee produzieren - der Standard berichtete. Der "Snowmaker", ein Produkt der israelischen Firma IDE Technologies, die im Salzburger Bad Hofgastein von der Firma SEC, die unter anderem auch Seilbahnsoftware entwickelt, vertreten wird, wird auf Österreichs Skipisten noch nicht eingesetzt. Erst im Mai 2006 wurden österreichische Schneeexperten, Skihallen- und Skigebietsbetreiber nach Südafrika geladen, um auf dem Kunstschnee die Fahrqualität zu testen. Sie befanden, dass die künstlichen Eiskristalle ohne chemische Zusätze mit der Qualität von Frühjahrsschnee für die Alpen geeignet seien.

Ursprünglich zur Meerwasserentsalzung gedacht

Ursprünglich war der Snowmaker zur Meerwasserentsalzung gedacht, die Technologie kann aber auch für Kühlungszwecke eingesetzt werden, beispielsweise in einer Goldmine in der Nähe von Johannesburg. Dort wird vier Kilometer unter der Erde die Hitze von 60 Grad auf ein erträgliches Niveau heruntergekühlt. Ganze Berge werde man damit zwar nicht beschneien können, sagte Felix Viehauser von SEC, aber einen Mindestbetrieb auf den Pisten werde man damit sicherstellen können. Der Schneeerzeuger arbeitet mit Vakuum und Wasser und mit mehr Energie (6,7 Kilowattstunden pro Kubikmeter Schnee) als herkömmliche Schneekanonen.

Rekordtemperatur in Tulln am Mittwoch

Konventionelle Geräte funktionieren am besten bei minus vier Grad. Über den Preis des Snowmakers hält sich Felix Viehauser bedeckt, doch er weist darauf hin, dass andere Kanonen nur ein Drittel der Schneemenge produzieren, die der Snowmaker schafft, nämlich bis zu 2000 m³ pro Tag. Der Verdampfungsprozess des Wassers im Vakuum bewirkt, dass dem verbliebenen Wasser die Wärme entzogen wird und sich Eiskristalle bilden. Der Schnee aus dem Snowmaker schmilzt im Freien dann wie natürlicher Schnee und hält sich auch bei plus zehn Grad gut, wenn es nicht regnet, sagte Viehauser. Leider: In Tulln wurde am Mittwoch der bisherige Jänner-Rekordwert von fast 15 Grad gemessen. Er übertrifft die 12,9 Grad am 10. 1. 1998. (mil, mro; DER STANDARD Printausgabe 11.1.2007)

  • Für die "ganzen Berge" braucht man konventionelle Schneekanonen. Am besten funktionieren die nach Darstellung der Vorarlberger Firma Sufag bei minus vier Grad.
    foto: standard/ sufag

    Für die "ganzen Berge" braucht man konventionelle Schneekanonen. Am besten funktionieren die nach Darstellung der Vorarlberger Firma Sufag bei minus vier Grad.

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