Nicht alle Vista-PCs werden HD-DVD und Blu-ray abspielen

23. März 2007, 17:46
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HDCP sei Dank - AnwenderInnen schauen durch die Finger, da viele Rechner noch nicht entsprechend ausgestattet sind

Man könnte es wohl die Rache des Kopierschutzes nennen oder auch einfach nur den Kopf schütteln und auf bessere Zeiten hoffen. Laut einem Bericht der The Times werden viele Rechner, die unter Microsofts Windows Vista laufen und einen LCD-Schirm haben, also ziemlich viele, nicht in den Genuss von HD-DVD- und Blu-ray-Filmen kommen. Der Grund hierfür liegt im Kopierschutzmechanismus High-bandwidth Digital Content Protection (HDCP).

Die Industrie, nicht die Kunden

HDCP ist ein Verschlüsselungssystem, das für die Schnittstellen DVI und HDMI zur geschützten Übertragung von Audio- und Video-Daten vorgesehen ist. Es soll verhindert werden, dass zwischen dem Abspielgerät - sei es nun ein Player oder ein Rechner, und dem Display eine Mitschnittmöglichkeit gegeben ist. Es war der dringende Wunsch der US-Filmindustrie, dass sich diese Technologie in Windows Vista findet - was nun auf Kosten der AnwenderInnen geht.

Es stimmt

The Times berichtet, dass Microsoft nun zugegeben hat, dass eine substanzielle Anzahl von Vista-Systemen nicht in der Lage sein werden die DVD-Nachfolge-Datenträger abzuspielen. So meinte Dave Marsh, ein führender Manager bei Microsoft, dass ein Rechner, der ein digitales Verbindungskabel zum Anschluss an Fernseher oder Monitor benötige, über HDCP verfügen müsse, um die Disks abspielen zu können. Kann dies nicht sichergestellt werden, so verhindert Vista das Abspielen der Filme.

Kein HDCP vorhanden

Laut Angaben der Times verfügen in Großbritanien derzeit etwa 15 Prozent aller verkauften PCs über digitale Verbindungskabel, Tendenz stark steigend. Aber so gut, wie keiner dieser Rechner verfügt über HDCP. Derzeit würden zwar bereits Rechner mit eingebautem HDCP verkauft, aber hier sei man noch im Anfangsstadium. Peter Gutman, ein Computerwissenschaftler der University of Auckland, der einen Bericht über die Hardwarekompatibilität von Windows Vista verfasst hat, meinte gegenüber der britischen Zeitung: "Als ich letztes Jahr auf einer Windows-Konferenz von diesen Plänen hörte, dachte ich, die Idee ist so schlecht, die wird sich nicht durchsetzen und verschwindet. Aber sie tat es nicht. Jeder Computer mit einem LCD-Monitor ist potenziell der Gefahr ausgesetzt, diesen Content nicht abspielen zu können."

Hoffen auf die Zukunft

Auch der Plan der Computerindustrie endlich in die Wohnzimmer der AnwenderInnen zu kommen und den Rechner zur multimedialen Unterhaltungszentrale zu machen, dürfte dadurch nicht wirklich leichter zu erfüllen sein. Sobald man den Rechner mit dem Fernseher verbindet, um seine HD-DVDs oder Blu-rays zu betrachten, hat man wieder dasgleiche Problem. Man muss also darauf warten, bis die Hardwareindustrie alle Systeme entsprechend adaptiert hat und die notwendigen Rechte in den System verankert sind. Heftige Kritik gibt es an HDCP vor allem auch deshalb, weil es sich nicht um einen Kopierschutz, sondern vielmehr nur um einen "Inhaltsschutz" handelt, was bedeutet, dass nicht lizenzierte Geräte gar keine Chance bekommen, die per HDCP verschlüsselten Inhalte anzuzeigen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Endgeräte überhaupt in der Lage sind, Aufzeichnungen der dargestellten Inhalte anzufertigen oder nicht.(red)

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