"Anti-Terror-Einsatz" gegen Uiguren: Staatsbegräbnis für getöteten Polizisten

30. Jänner 2007, 15:38
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Chinesische Regierung: "Von Al Kaida ausgebildete" Mitglieder der turkmenischen ETIM bedrohten Sicherheit "ganz Asiens"

Über 2000 Trauergäste erwiesen am Dienstag dem chinesischen Polizisten Huang Quiang die letzte Ehre. Der Sicherheitsbeamte war am Freitag bei einem Großeinsatz chinesischer Anti-Terror-Einheiten gegen ein Ausbildungscamp des uigurischen "East Turkmenistan Islamic Movement" (ETIM) getötet worden (derStandard.at berichtete).

Die chinesischen Behörden berichten, bei der Operation seien 18 ETIM-Mitglieder getötet und 17 verhaftet worden. Außerdem habe man zahlreiche improvisierte Handgranaten, Waffen und Sprengstoff sichergestellt. Über tausend Kämpfer, berichtet die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, seien in dem Lager in der Nähe der Ortschaft Kosrap (Bezirk Akto) auf dem nordostchinesischen Pamir-Plateau vom Al-Kaida-Trainern ausgebildet worden.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums gab Xinhua gegenüber an, die Operation sei notwendig gewesen, um die Sicherheit "nicht nur Chinas, sondern des gesamten asiatischen Raumes" sicher zu stellen.

Ohne Anklage in Guantanamo

Die ETIM wurde 2002 sowohl der UNO als auch von den USA als Terrororganisation eingestuft. Fünf Uiguren, die nach ihrer Festnahme in Afghanistan fast vier Jahre ohne Anklage im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden, kamen allerdings im Mai 2006 frei. Obwohl Peking auf ihrer Auslieferung bestand (derStandard.at berichtete), erhielten die Muslime schließlich Asyl in Albanien, nachdem mehr als 20 Länder abgelehnt hatten, sie aufzunehmen.

Menschenrechtsorganisationen werfen China vor, unter dem Vorwand, den US-geführten "Krieg gegen Terror" zu unterstützen, die Unabhängigkeitsbestrebungen der uigurischen Bevölkerung zu unterdrücken. Über acht der 20 Millionen muslimischen Chinesen leben in der ölreichen Autonomieregion Xinjiang, in den vergangenen Jahren sind aber zahlreiche Angehörige der Han-Bevölkerungsgruppe zugewandert.

"Unterstützung aus dem Ausland"

Bei einem Aufstand gegen die chinesische Zentralregierung kamen 1990 über 50 Menschen ums Leben. Der Pekinger Terrorismus-Forscher Li Wei befürchtet, dass die ETIM seither durch finanzielle und logistische Unterstützung aus dem Ausland stärker geworden sei. Westliche Experten geben allerdings zu bedenken, dass die Organisation durch den Tod ihres Anführers Hasan Mahsum, der im Oktober 2003 bei einem Gefecht mit pakistanischen Truppen ums Leben kam, entscheidend geschwächt worden sei.

US-Professor Dru Gladney aus Claremont in Kalifornien, der als einer der besten Kenner der Region und der uigurischen Bevölkerungsgruppe gilt, sagte zur Londoner Times, dass die meisten in Xinjiang aktiven Gruppen keine islamische Revolution, sondern die Unabhängigkeit ihrer Region anstrebten. Für eine Verbindung zwischen der uigurischen Unabhängigkeitsbewegung und Al-Kaida habe die chinesische Regierung bisher "keine klaren Beweise“ vorgelegt. (bed)

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    Der 21-jährige Polizist Huang Quiang, der bei einem Einsatz gegen uigurische Separatisten starb, wurde posthum zum Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas erklärt.

  • Das von den chinesischen Sondereinheiten gestürmte Ausbildungscamp liegt im unzugänglichen Pamir-Gebirge an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan.
    grafik: derstandard.at/landkarte: cia

    Das von den chinesischen Sondereinheiten gestürmte Ausbildungscamp liegt im unzugänglichen Pamir-Gebirge an der Grenze zu Afghanistan und Pakistan.

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    Im vergangenen Jahr führten chinesische Anti-Terror-Einheiten gemeinsame Übungen mit ihren Kollegen aus den Nachbarstaaten Pakistan (Bild) und Kasachstan durch.

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