Pinzgaubahn ist "verländert"

8. Februar 2007, 14:32
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Der Fortbestand und die entsprechende Infrastruktur sind gesichert: Das Land Salzburg wird die Bahn 2008 übernehmen

Salzburg - Bund, Land und die ÖBB haben am Mittwoch eine Grundsatzerklärung zum Weiterbestand der Pinzgaubahn in Salzburg geschlossen. Die ÖBB werden mit 1. Jänner 2008 die Pinzgaubahn an das Land Salzburg übertragen, teilte Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) in einer Aussendung mit.

"Der 2005 geschlossene Vertrag, mit dem die Modernisierung und Attraktivierung der Pinzgaubahn vereinbart wurde, wird von den ÖBB in der Höhe von rund 12,9 Millionen Euro abgelöst", sagte Gorbach. Mit diesen Mitteln und den Fördermitteln für Privatbahnen erfolgt zunächst der Wiederaufbau des Abschnitts zwischen Mittersill und Krimml, der durch das Hochwasser 2005 großteils zerstört wurde, sowie die Attraktivierung und Modernisierung der gesamten Strecke. "Dies bedeutet einen großen Fortschritt zur Findung von Lösungen bei den Regionalbahnen", sagte Verkehrsstaatsekretär Helmut Kukacka (ÖVP).

"Mit der heutigen Vereinbarung konnten wir den Fortbestand der Pinzgaubahn sichern und für die Bevölkerung die entsprechende Infrastruktur sicherstellen. Darüber hinaus wird auch der Tourismus von dem Wiederaufbau nachhaltig profitieren", meinte Salzburger Verkehrsstaatssekretär Eduard Mainoni (BZÖ).

ÖBB übergeben erste Nebenbahn an Land

Mit der Übertrag der Pinzgaubahn an das Land Salzburg haben die ÖBB am Mittwoch ihre erste Nebenbahn "verländert". "Der Weg der Weiterentwicklung der Pinzgaubahn kann auch für andere Regionalbahnen richtungsweisend sein", erklärte ÖBB-Holding-Vorstand Martin Huber in einer Stellungnahmen. Auch mit den anderen Bundesländern würden die Gespräche über weitere Nebenbahnen jetzt zügig fortgesetzt.

Im vergangenen Jahres hatten die ÖBB ein Regionalbahn-Konzept vorgelegt, wonach insgesamt sieben Schmalspurbahnen an die Länder abgetreten werden sollen. "Wir haben mit unserem Konzept den Grundstein für ein bessers Angebot gelegt und freuen uns daher über die soeben erfolgte Einigung", erklärte Huber am Mittwoch. Die heute geschlossene Grundsatzvereinbarung zeige deutlich, "welchen Beitrag die Länder zur Weiterentwicklung der Regionalbahnen leisten können und welche Möglichkeiten es gibt, Bahnstrecken wie die Pinzgaubahn in einer neuen Form weiter zu betreiben und sogar zu stärken".

Abgesehen von der Verländerung von Schmalspurbahnen sieht das ÖBB-Konept aus dem Sommer 2006 vor, dass 15 Nebenbahn durch Busse ersetzt werden. Auf 17 weiteren Schienenstrecken, die endgültig stillgelegt werden sollen, fährt schon heute kein Personenzug mehr. Zum Großteil betroffenen sind Strecken in Niederösterreich. Die künftigen Investitionen für die Erhaltung der Strecken eingerechnet wollen die ÖBB mit dem Konzept 25 bis 30 Mio. Euro pro Jahr einsparen.

Neue Züge ab Ende 2007

Die Vereinbarung zwischen dem Verkehrs- und dem Finanzministerium, den ÖBB und dem Land Salzburg könnte Vorbild für die zahlreichen weiteren anstehenden "Verländerungen" von ehemaligen ÖBB-Nebenstrecken sein. Insbesondere in Ober- und Niederösterreich wollen die ÖBB weitere Nebenbahnen abgeben, sagte der Salzburger Verkehrsreferent LHStv. Wilfried Haslauer (ÖVP) am Mittwochnachmittag bei einem Pressegespräch.

Das Land Salzburg wird die Nebenbahn mit 1. Jänner 2008 übernehmen und ein privates Verkehrsunternehmen mit dem Betrieb betrauen. Die Rede war zuletzt von der Salzburg AG, die bereits die Lokalbahn zwischen Salzburg und Trimmelkam betreibt.

Ende 2007 werden neue, moderne Zuggarnituren im Pinzgau eintreffen, sie sollen eine neue Qualität des Öffentlichen Verkehrs zwischen Zell am See und Krimml bringen. Der Bund wird für den Betrieb der Bahn auch in Zukunft die gleichen jährlichen Zuschüsse zur Verfügung stellen wie bisher den ÖBB. Der Fahrplan wird mit dem parallel verlaufenden Postbus abgestimmt. (APA)

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