Generell kantiger

11. Jänner 2007, 07:00
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Macht aus jeder Frau eine Aphrodite – Zitrone gegen Mädesüß im Apotheken-Journal

Aus der Rubrik "Sachen zum Lachen" - eine in den letzten Tagen stark strapazierte Kategorie: Das Apotheken-Journal "Tipps und Trends" empfiehlt in ihrer November-Ausgabe die Heilpflanze "Mädesüß" für Frauen, die den "Mut zum Liebreiz" aufbringen. Wahrlich ein Aufbruch zum Tabubruch, der gefehlt hat in diesen frauenbewegten Zeiten: Denn wenn die Frau im Berufsleben "ihren Mann" steht, wird's schwierig, in der Freizeit "die Krallen einzufahren und jenes anschmiegsame Kätzchen zu sein, das Männer so begehrenswert finden."

Der medizinische Aspekt dabei: Das "männlich dominierte Leben" führt dazu, dass der weibliche Körper mehr und mehr männliche Hormone produziert, die u.a. das Aussehen der Frau verändert. "Und dies nicht nur durch ihr Outfit, sie wird generell kantiger und büßt so einen Teil ihrer ursprünglichen Anmut und ihres Liebreizes ein."

Richtige Männer und ihr Sinn fürs Schöne

Im Klartext heißt das also: "Richtige Männer, mit einem Sinn fürs Schöne und für die Sinnlichkeit, lieben weiche Rundungen und sanfte Kurven. Ein Waschbrettbauch ist von der Natur bei Frauen nicht vorgesehen und daher auch wenig reizvoll. Werdet wieder Frauen! Die Mode ist ein Tyrann."

Um dieser Entwicklung Abhilfe zu verschaffen, kommt das "Pflanzentalent" des auch Spierstaude genannten "Mädesüß" ins Spiel: Die Heilpflanze soll in Frauen den Wunsch erwecken, "wieder lieblicher erscheinen zu wollen."

Oh Gott!

Ja, der Wunsch zählt. Sein Vater ist hier offenbar Karl Lutschitsch, dessen aktuelle Publikation als Grundlage für die Produktinformation diente. Den Gipfel der Unseriösität erreicht die Meldung schließlich mit dem Verweis, dass es sich bei den Thesen des "außergewöhnlichen Möglichkeitsdenkers" um die "Talent-Apotheke Gottes" handelt.

Wir als Gipfelstürmerinnen stellen uns nun die Frage: Darf denn wirklich alles publiziert werden? Das Apotheken-Journal ist ein Werbeblatt, gut, und noch dazu gratis, fein. Aber reicht das schon als Grund aus, jeden esoterischen und sexistischen Unsinn einfach hinzunehmen? Ganz sicher nicht.

Es ist uns also ein großes Anliegen, liebe Tipps-Trends-Redaktion, Ihnen hiermit die Zitrone zu überreichen. Vergessen Sie nicht, ernstgenommen zu werden birgt auch eine Chance! Bauen Sie sich damit eine Leiter und steigen Sie empor aus dem Sumpf der geistigen Umnachtung - die Zitrone verleiht ihnen das "Talent" dazu. (freu)

11.1.2007
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    montage: diestandard.at
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    Das "Mädesüß" kann ja nichts dafür: Sein Name hat nichts mit dem "süßen Mädel" zu tun, viel wahrscheinlicher bezieht er sich auf den früheren Gebrauch der Pflanze als Süßungsmittel für den "Met" - den Honigwein.
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