Eine Frage der Motivation

9. Jänner 2007, 19:36
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Nächste Woche werden die besten Projekte des FIT-IT-Programms prämiert

Nächste Woche werden die besten Projekte des FIT-IT-Programms prämiert - Projekte, die nach harter Überzeugungsarbeit entstehen, wie die Programmmanager erzählen.

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"Die größte Herausforderung ist, die Message unters Volk zu bringen," sagt Erich Prem. Man müsse umfassende Überzeugungsarbeit leisten, damit Unternehmen am Förderprogramm FIT-IT teilnehmen, sagt der Leiter der Technologiemanagement-Agentur Eutema, die das vom Infrastrukturministerium 2002 initiierte Programm bisher koordiniert hat. Informationsveranstaltungen und Beratungsgespräche stehen also bei Eutema auf der Tagesordnung.

Die Voraussetzungen für eine Teilnahme der Unternehmen seien wahrlich nicht die besten, obwohl laut den FIT-IT-Richtlinien die eingereichten Projekte von Universitäten und Unternehmen gemeinsam umgesetzt werden müssen. Heimische Klein- und Mittelbetriebe seien nämlich prinzipiell nur schwer davon zu überzeugen, in Innovationen zu investieren. Schon gar nicht in die geforderten "radikalen Innovationen", wirkliche Neuerungen, "Spitzenleistungen der IT-Forschung" wurden gefordert, "und nicht die siebzehnte Produktversion von einem Ding, das es schon seit vielen Jahren gibt", wie Ministeriumsvertreter Reinhard Goebl sagt.

Dass viele Hürden hier zu überwinden waren, sei weniger eine Geld- als vielmehr eine Mentalitätsfrage, sagt Goebl. Auch bei den ebenso gern gesehenen großen Unternehmen: "Projekte fördern heißt hier: Verhaltensänderung unterstützen, zu mehr Risiko motivieren." Ein recht österreichischer Wesenszug, so Goebl.

Die bisherigen Ergebnisse der knochenharten Überzeugungsarbeit: Siebzig eingereichte Projekte befanden die ausschließlich internationalen Evaluatoren als förderwürdig. 40 Millionen Euro wurden bisher zur Verfügung gestellt. Das größte Stück des Kuchens bekamen bisher Projekte aus dem Bereich Embedded Systems (Eingebettete Systeme), was aus zweierlei Gründen logisch ist: zum einen, weil die häufigsten Ausschreibungen diesem Thema galten, zum anderen, weil sich, wie Prem sagt, eine international angesehene Embedded-Systems-Szene, sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Anwendung, gebildet habe.

Beispiele: Die TU Wien, die Technische Universität Graz oder Firmen wie Decomsys GmbH, die sich unter anderem mit dem bisher recht oft auftretenden Nichtfunktionieren von eingebetteten Systemen in Autos beschäftigte - bekannt ist das Beispiel des Mercedes, dessen Fenster bei der Fahrt durch die Autowaschanlage automatisch aufgingen.

Im Umfeld der anderen vier Programmlinien - Semantische Systeme und Dienste, Systems on Chip, Visual Computing und Trust in IT-Systems - sieht Prem auch vereinzelt Spitzenforschung, "die wirtschaftliche Umsetzung ist aber nicht so klar wie im Bereich Embedded Systems, die Verwertung nicht so evident". Warum man dennoch Ausschreibungen hier gestartet hat? "Weil das Potenzial für radikale Innovationen da ist," kommt als Antwort.

Die Themen der Ausschreibungen werden von einem "Proponententeam" in Fachgutachten vorgeschlagen. Die letzten beiden Ausschreibungen - Visual Computing und Trust in IT Systems - wurden nach einer Interessenbekundung der Branche und einem Auswahlverfahren ausgewählt. "Es waren letztlich zwei Themen, weil wir uns nicht zwischen den Themen entscheiden konnten", sagt Prem, der das FIT-IT-Programmmanagement derzeit an die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) übergibt. "Wir sind in einer Übergangsphase". "Angst, dass der Stoff ausgeht", haben Prem und Goebl nicht wirklich. Sie betonen nur immer wieder, dass die Ideen für Innovationen existieren würden, man müsse die Branche nur laufend motivieren, an den Ausschreibungen teilzunehmen.

An die Grenzen des Machbaren würde man vielmehr beim Personal stoßen. Es gebe hier zu Lande im IT-Bereich noch immer viel zu wenige gute ausgebildete Fachkräfte, die fähig seien, wirklich neue Ideen umzusetzen und die geforderte Qualität, nicht nur im Rahmen der FIT-IT-Programmlinie, zu bringen. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 10. Jänner 2007)

  • Die Idee, was man mit einem Chip machen könnte, muss doch sehr richtungsweisend sein, um beim FIT-IT-Programm Erfolg zu haben.
    foto: der standard

    Die Idee, was man mit einem Chip machen könnte, muss doch sehr richtungsweisend sein, um beim FIT-IT-Programm Erfolg zu haben.

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