Implantat abgestoßen

13. März 2007, 16:31
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Die Wahrheit ist: Grasser wäre gern geblieben - Eine Kolumne

Sieben Jahre Politik sind genug, sagt Karl-Heinz, er geht jetzt in die Privatwirtschaft zurück. Wie immer bei Karl-Heinz muss man den Substanzgehalt seiner Aussagen genau überprüfen. Die Wahrheit ist, dass Grasser sehr wohl sehr gern in der Politik geblieben wäre, hätte man ihn Finanzminister bleiben und Vizekanzler werden lassen. Das wollte Schüssel auch bis zum letzten Moment, konkret bis zum Abend vor dem Beschluss der Ministerliste, mit aller Gewalt durchdrücken, aber vergeblich. Die ÖVP hat Schüssels Glitzer-Implantat abgestoßen. Die Sache mit der Privatwirtschaft ist auch so eine Sache. Grasser werde "unabhängiger Investmentbanker in London", hieß es zuletzt. Bedeutet das, die tollen Job-Angebote gibt es nicht? Und Grasser muss versuchen, sein Insider-Wissen zu verwerten? Aber das war immer das Problem mit dem Talent Karl-Heinz Grasser. Glamour, aber immer irgendwie fishy. Schüssel wollte mit der Rechtskoalition eine lang dauernde VP-Hegemonie erreichen.

Nach sieben Jahren ist er gescheitert. Dann wollte er seine ÖVP zu einer smarten Grasser-Partei umoperieren. Sofort gescheitert. Aber Gusenbauer gilt als Verlierer der Regierungsbildung. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 10.1.2007)

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