Gesucht: Brutstätten für Innovation

9. Jänner 2007, 19:00
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Wolfgang Rupp, Vorstandschef des Verbands der Technologiezentren Österreichs, im STANDARD-Interview über neue Aufgaben und Gefahren

Der Verband der Technologiezentren Österreichs betreibt die regionale Vernetzung von mehr als 100 Zentren. Michael Freund sprach mit Vorstandschef Wolfgang Rupp über neue Aufgaben nach der Gründungswelle und die Gefahren der Kurzsichtigkeit.

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STANDARD: Herr Rupp, Sie zählen "Erfahrungsaustausch und Wissensmanagement" zu den Besonderheiten des Verbandes der Technologiezentren Österreichs (VTÖ). Wie sieht das in der regionalen Praxis aus?

Rupp: Entscheidend ist es, ausgezeichnete Kontakte zu haben. Wenn Gründer mit einer Idee kommen, dann brauchen sie jemanden, den sie fragen können: Wer sind die Player, wen könnte man ansprechen, welcher Business Angel könnte Interesse haben? Es geht ja nicht jeder in jede Branche hinein, darum muss ein TZ-Manager laufend wissen, was die Leute in der Region alles machen.

STANDARD: Ist so ein Manager dieser Aufgabe in der Regel gewachsen? Rupp: Man muss zwischen Cluster-Managern und Zentrums-Managern unterscheiden. Der erste kennt sich in einer bestimmten Branche aus, weiß dort alles von F&E bis zu den KMU, ist also vertikal organisiert.

Der Zentrums-Manager hingegen kennt die Netzwerke in seiner Region, die quer durch die Branchen gehen, also etwa von Holz- und Metallverarbeitung bis zu den Banken. Er ist auch Prozess-Coach, Ideenlieferant und Aufreißer für Projekte. Das ist das Soll.

STANDARD: Und das Ist?

Rupp: Das ist nicht immer so. Oft liegt es daran, dass diese Manager ihren Job nicht machen dürfen, weil es die Gesellschafter der Technologiezentren (TZ) nicht zulassen.

STANDARD: Warum nicht?

Rupp: Weil die Verantwortlichen oft nur an einer hohen Auslastung der Zentren interessiert sind, also an den Immobilien, und weniger an der "Software", an dem anwendbaren Wissen, das in den Zentren produziert wird.

In den Boom-Zeiten der Neunziger, als viel Geld vorhanden war, wurden ja viele TZ mit Förderungen von Bund und Ländern gegründet. Jetzt fehlt das Geld, und mancherorts wird nachgedacht, ob man die Zentren nicht privatisieren sollte, um Geld hereinzubekommen. Das halte ich für einen schlechten Weg. TZ sollen als Player im regionalen Innovationssystem mitspielen. Wenn es diese regionale Innovationsstrategie nicht gibt, dann ist so ein Zentrum etwas verloren, nicht Fisch, nicht Fleisch.

STANDARD: Was tut der VTÖ in dieser Situation?

Rupp: Der VTÖ bemüht sich, einerseits seine Mitglieder zu unterstützen, ihre Funktion als regionale Innovatoren noch besser auszuführen. Andererseits versucht der Verband, bei den zuständigen Stellen für mehr Verständnis für die Notwendigkeit der Innovationsstrategie zu werben. Wir meinen, die Zentren müssen sich spezialisieren, zu regionalen Inkubatoren, Brutstätten für innovative Jungunternehmer werden. Dazu bieten wir Projekte und Seminare an und begleiten F&E-Teams bis zur Eigenfinanzierung.

STANDARD: Was ist da zu beachten?

Rupp: Vor allem die Qualität. Es ist zum Beispiel das Basel-2-Abkommen zu Jahresbeginn inkraftgetreten. Das bedeutet, kurz gesagt, dass die für Österreich typischen KMU ein schlechteres Rating haben und die Kredite teurer werden. Wir wollen sie dabei unterstützen, diesem Problem durch ein besseres qualitatives Rating gegenzusteuern.

STANDARD: Wie sehr sind Sie, als Vernetzungsagent, selber vernetzt?

Rupp: Das sind wir mit Verbänden in Deutschland und der Schweiz. Außerdem sind wir im European Business and Innovation Center Network EBN vertreten, ferner im Zusammenschluss der Wissenschaftsparks (IASP), und als Person sitze ich in der SPICE-Group von TZ-Experten, die vor allem in Mittel- und Osteuropa engagiert ist.

Apropos: Wir führen in Kürze mit FAS Research eine Analyse von sozialen Netzwerken durch. Die Zentren, die mitmachen, können sagen, wo sie hinwollen, und Harald Katzmair von FAS kann feststellen, wo offene Knotenpunkte sind, die noch besetzt werden müssen, damit die Zentren ihre Ziele erreichen.

STANDARD: Sie haben einmal an dieser Stelle von der Notwendigkeit des Lobbying für TZ-Marketing gesprochen. Was geschah seither?

Rupp: In den letzten Jahren ist es uns gelungen, bei Entscheidungsträgern die Positionen und Ziele des Verbandes zu deponieren. Die eigentliche Innovationsleistung ist nicht eine Erfindung, sondern deren Durchsetzung am Markt. Nur dann kann man Arbeitsplätze schaffen. Von Lizenzgebühren für Ideen, die anderswo umgesetzt werden, kann Österreich auf die Dauer nicht leben.

STANDARD: Sondern wovon?

Rupp: Wir haben Nischen, zum Beispiel im Baugewerbe oder in der Holz- und Metallverarbeitung, da können unsere KMU bzw. Intermediäre viel bewegen. Sie schaffen die meisten Arbeitsplätze. Es muss ja nicht immer BioNanoInfo sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 10. Jänner 2007)

Zur Person
Wolfgang Rupp (52), in Wien geboren, im Burgenland aufgewachsen, ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Technologiezentren Österreichs (VTO) und Geschäftsführer eines seiner Mitglieder, des Business and Innovation Center (BIC) Burgenland.

Er hat Physik an der TU Wien studiert, am Atominstitut der österreichischen Hochschulen gearbeitet und danach in der Privatindustrie - bei Philips Medical Systems in Hamburg und Eindhoven und bei Draeger (medizinische und Sicherheitstechnik). Ab 1995 war er für den Aufbau des BIC zuständig. (mf)

  • VTÖ-Vorstand Wolfgang Rupp fordert, dass Innovationsleistungen konsequent am Markt durchgesetzt werden. Ideen, die anderswo umgesetzt werden, könnten Österreich auf die Dauer nicht ernähren.
    foto: der standard/regine hendrich

    VTÖ-Vorstand Wolfgang Rupp fordert, dass Innovationsleistungen konsequent am Markt durchgesetzt werden. Ideen, die anderswo umgesetzt werden, könnten Österreich auf die Dauer nicht ernähren.

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