"Ärzte ohne Grenzen": Medien ignorieren Krisen

10. Jänner 2007, 16:52
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Hilfsorganisation stellte die Liste jener zehn Krisen vor, von denen im Jahr 2006 am wenigsten berichtet wurde - Mit Grafik

Millionen Menschen sterben in kriegerischen Krisen, an Hunger oder an Tuberkulose, in den Medien findet das aber kaum Beachtung. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" stellte die Liste jener zehn Krisen vor, von denen im Jahr 2006 am wenigsten berichtet wurde. Wien - Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat am Dienstag ihre jährliche Liste der "zehn vergessenen Krisen" veröffentlicht. Demnach zählen die humanitäre Situation in der Zentralafrikanischen Republik, der Krieg in Tschetschenien und die Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo zu jenen Katastrophen, denen in den Medien die geringste Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ebenso nennt die Organisation den Krieg in Somalia, die Gewalt auf Haiti, die Kämpfe in Zentralindien sowie die Krisen in Kolumbien und Sri Lanka (siehe Grafik).

Die Krankheit Tuberkulose und die Unterernährung in den armen Ländern, der jährlich Millionen Kinder zum Opfer fallen, gehören zu den Krisen, die keinem einzelnen Land zuzuordnen sind.

"Weltweit leiden Millionen Menschen unter den Folgen von Konflikten und Krankheiten, doch wir bekommen kaum etwas davon mit", erklärte Nicolas de Torrente, Geschäftsführer der US-Sektion von "Ärzte ohne Grenzen" in einer Aussendung.

Kaum Sendezeit

So ergab eine Untersuchung von Mitarbeitern des Onlinemagazins "The Tyndall Report", dass die drei großen US-Fernsehsender im Jahr 2006 nur rund sieben von insgesamt mehr als 14.500 Nachrichtenminuten über die Situation in der Zentralafrikanischen Republik, in Sri Lanka und Kolumbien berichteten.

"Das Leben in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince beispielsweise ist seit Langem von Gewalt geprägt. Doch obwohl das Land nur 50 Meilen von den USA entfernt liegt, hatten die TV-Anstalten im Vorjahr nur 30 Sekunden Sendezeit dafür übrig", erklärte de Torrente weiter. Über fünf der Krisen gab es gar keine Berichterstattung.

"Wir wissen, dass Medienaufmerksamkeit allein noch keine Verbesserung bedeutet", sagte de Torrente. "Bericht- erstattung ist aber oft eine Vor-aussetzung für Hilfe und politische Aufmerksamkeit. Das Schlimmste ist, wenn Menschen in Not vollkommen vergessen werden."

Unsicheres Darfur

Den Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" zufolge wurde 2006 zwar über die sudanesische Krisenregion Darfur und den Osten des Tschad deutlich mehr berichtet als im Jahr davor, die Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung seien jedoch nicht besser geworden. Die Sicherheitssituation in Darfur habe sich so weit verschlechtert, dass die Organisation die Programme vor Ort habe einschränken müssen.

Im Fall von Tuberkulose habe sich die Situation durch die Entdeckung der extrem resistenten Form (XDR-TB) noch verschärft, erklärte Tido von Schön-Angerer, Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. Er kritisiert, dass trotz mehrerer Millionen Tuberkulosetoten jährlich keine ausreichenden Anstrengungen unternommen würden, um die Krankheit zu bekämpfen. (APA, red/DER STANDARD; Printausgabe, 10.1.2006)

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    grafik: der standard
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