Sondermüll im Hausstaub

26. Juli 2007, 12:30
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Fast alle Schadstoffe wie Schwermetalle, Weichmacher und Pestizide befinden sich im Hausstaub - die Chemikerin Hanus-Illnar im derStandard.at-Interview

derStandard.at: Warum wird die Schadstoffbelastung in Innenräumen im Hausstaub untersucht?

Hanus-Illnar:Der Innenraum ist ein wichtiges Klima und ein Medium in dem wir uns viel aufhalten. Wir wollten uns diesem Medium widmen, weil es eben auch zu unserer Umwelt gehört.

derStandard.at: Wir verbringen rund 90 Prozent unserer Zeit in Innenräumen. Welche Luftschadstoffe und Chemikalien fallen da heute an?

Hanus-Illnar: Im Hausstaub selbst findet man sehr viel. Das ist das Gute für eine Chemikerin. Es sammeln sich dort sämtliche Schadstoffe, die aus Reinigungsmittel, Elektrogeräten, aus Farben, Lacken und Möbel, emittiert werden. Diese sammeln sich im Staub an und können deshalb da so gut nachgewiesen werden.

derStandard.at: Was passiert mit dem Hausstaub, wird dieser über die Luft eingeatmen, setzt er sich in Stoffen und Kleidung fest? Ist der belastete Staub eine gesundheitliche Gefahr ?

Hanus-Illnar: Ich bin Chemikerin und nicht Ärztin. Es gibt aber das "Sick Building Syndrom", wo sehr viele Erscheinungen von Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Geschmack und Geruchveränderungen über Übelkeit, Hustenreiz oder Augenbrennen aufgelistet sind, wobei aber offensichtlich jeder Mensch anders auf die Schadstoffe reagiert. Prinzipiell wäre es einfach gut die Belastung zu minimieren. Egal ob man sensibel ist, oder nicht.

derStandard.at: Wie lässt sich die Schadstoffbelastung in Wohnungen beziehungsweise Innenräumen reduzieren?

Hanus-Illnar: Wir bieten in Haushalten und Unternehmen Untersuchungen an. Der Vorteil eines Indoor Umweltchecks ist, dass wir die Schadstoffe meistens Quellen zuordnen können. Das heißt man kann sagen, was aus Reinigungsmitteln oder Möbeln anfällt. Je nach Quelle kann man dann Empfehlungen geben. Diese reichen von mehr Lüften bis zu aggressive Reinigungsmittel vermeiden. Schlimmstenfalls muss man einen Teppichboden austauschen.

derStandard.at: Welche Chemikalien und Schadstoffe sollte man im Haushalt vermeiden?

Hanus-Illnar: Das ist schwierig. Viele Dinge werden nicht bewusst eingesetzt. Reinigungsmittel, Anstriche und Möbel haben ein hohes Potenzial. Da ist die Vermeidung schwierig. Die Frage ist vielmehr habe ich ein Problem damit oder habe ich keines?

derStandard.at: Das heißt bei körperlichen Beschwerden unbekannter Ursache, würden Sie zu einer Hausstaubuntersuchung raten?

Hanus-Illnar: Genau, auch wenn man feststellt, dass es komisch riecht. Auch im Büro, wenn man morgens in die Firma kommt und man hat den Eindruck dass es seltsam riecht.

derStandard.at: Was sind Hauptschadstoff Erzeuger in Büroräumen?

Hanus-Illnar: Das kommt natürlich auf die Einrichtung an. Vieles kommt aus Elektrogeräten und Teppichböden. Reinigungsmittel sind natürlich auch ein großes Thema. Das ist nicht anders als zu Hause.

derStandard.at: Ergebnisse, wie die der Weichmacher zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Bei welchen Testgruppen müsste ihrer Meinung nach eine Minimierung angestrebt werden?

Hanus-Illnar: Bei den Weichmachern ist es so, dass so glaube ich, Grenzwerte nur im Spielzeug bestehen. Das Problem wird zwar erkannt, aber sicher noch zu wenig in Richtung Grenzwerte behandelt. Da sich Weichmacher in allen Kunststoffprodukten befinden, kann da der Einzelne auch wenig machen. Wie soll man die vermeiden?

derStandard.at: Welche Konzentrationen werden da gefunden?

Hanus-Illnar: Die Belastung mit Phthalaten (Weichmacher)ist als bedenklich zu werten, da unsere Berechnungen ergeben, dass vor allem bei Kleinkindern duldbare tägliche Aufnahmemengen überschritten werden können. (Maximalwert DEHP: 3.300mg/kg)

derStandard.at: Gibt es festgesetzte Grenzwerte auf Bundesebene für die zulässige Innenraumbelastung?

Hanus-Illnar: Meiner Meinung nach zu wenige. Es gibt Richtwerte. Diese wurden von einem Arbeitskreis, eingerichtet im Lebensministerium, herausgegeben. Es handelt sich dabei um eine lose Blattsammlung, die laufend um neue Schadstoffbewertungen ergänzt wird. Wir ziehen zur Bewertung unserer Analysen deshalb auch Richtwerte aus Deutschland heran.
(Andrea Niemann)

Links
Indoor Umweltcheck des Umweltbundesamtes

Innenraumrichtlinien des Lebensministeriums

Deutsche Richtwerte der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute, AGÖF

  • Zur Person

Andrea Hanus-Illnar studierte in Wien analytische Chemie und ist seit 1988 im umweltanalytischen Labor des Umweltbundesamt tätig.

  Seit 1990 leitet sie den Fachbereich Schwermetalle, leichtflüchtige organische Schadstoffe und Elektronenmikroskopie im Umweltbundesamt.

 Sie ist  Mitglied des Arbeitskreises Innenraumluft des Bundesministeriums sowie in den Normenausschüssen "Innenraumanalytik" und "Luftreinhaltung".
    foto: privat

    Zur Person
    Andrea Hanus-Illnar studierte in Wien analytische Chemie und ist seit 1988 im umweltanalytischen Labor des Umweltbundesamt tätig.

    Seit 1990 leitet sie den Fachbereich Schwermetalle, leichtflüchtige organische Schadstoffe und Elektronenmikroskopie im Umweltbundesamt.

    Sie ist Mitglied des Arbeitskreises Innenraumluft des Bundesministeriums sowie in den Normenausschüssen "Innenraumanalytik" und "Luftreinhaltung".

  • Schadstoffe im Hausstaub - Grafik des Umweltbundesamtes
    grafik: umweltbundesamt

    Schadstoffe im Hausstaub - Grafik des Umweltbundesamtes

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