Milder Winter bringt Rhythmus heimischer Pflanzen durcheinander

17. Jänner 2007, 13:41
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Im Garten sollte man für Trockenheit und plötzlichen Frost gewappnet sein - Fachleute rechnen mit starken Schädlings-Befall im Frühling

Wien - Der milde Winter hat den natürlichen Rhythmus der heimischen Pflanzenwelt gehörig durcheinander gebracht. Schäden können vor allem durch Trockenheit, Schädlingsbefall oder durch plötzlichen Frost entstehen, erläuterten Gärtner-Experten.

Größtes Problem der winterlichen Milde: "Die Schädlinge werden bei solchen Temperaturen nicht kaputt", sagte Günther Hannes, Verwalter des Schönbrunner Schlossparkes. Er rechnet deshalb mit besonders starkem Befall im Frühjahr, sollte es nicht bald kälter werden. Doch auch ein plötzlicher Wintereinbruch hätte nicht nur Vorteile.

Frühe Triebe

Durch die warmen Temperaturen könnten Bäume, aber auch Sträucher, Zwiebeln und Blumen anfangen, frühzeitig auszutreiben, was eigentlich noch kein Problem wäre. Gefährlich werde es aber, wenn der Frost dann doch noch kommt und die Triebe erfrieren. Für Bäume könne die schnelle Abfolge von warm und kalt zur Bedrohung werden, wenn sie gerade unter "Saftstrom" stehen. Dieser Saft drohe dann zu gefrieren, und den Stamm aufzubrechen. Derart entstandene offene Stellen wären beliebter Nährboden für Krankheiten und Pilze.

Dennoch gibt es Grund, auf den Winter zu hoffen. "Seit einem halben Jahr hatten wir nicht ausreichend Niederschlag für den Wurzelbereich", klagte Günther Krepela von der gleichnamigen Gärtnerei. Immergrüne Pflanzen sind besonders von der Austrocknung gefährdet. Im eigenen Garten solle man daher im Drei-Wochen-Rhytmus zum Gießen ausrücken, riet der Gärtner.

Außerdem gab er zu bedenken: "Winterschutzmaßnahmen haben nicht den Sinn, dass die Pflanzen verfaulen. Und auch nicht, dass sie nicht austreiben können, wenn sie wollen." Die starke Wintersonne könne unter Umständen gar dazu führen, dass immergrüne Pflanzen einen Sonnenbrand bekämen. Leicht erkennbar sei dies an den braunen Blättern.

Gefährliche Sonne

Auch für Bäume stellt die Sonne eine Gefahr dar. Das Holz der innen gefrorenen Stämme breche besonders gerne an stark erwärmten Stellen. Weiße Farbe könne hier Abhilfe schaffen. "Wenn man den Stamm weiß anstreicht, wird er nicht so heiß", erklärte Hannes dieses einfache Rezept.

Positive Konsequenzen hat das Wetter für mediterrane Pflanzen. Wer also Oliven, Feigen oder Edelkastanien für den Küchengebrauch anbaut, kann sich heuer auf den ganzen, statt nur den halben Jahresantrieb freuen. Gärtnern riet Schönbrunn-Verwalter Hannes, die Frühjahrsarbeiten vorzuverlegen. Säuberungen und Baumbeschnitte könne man heuer schließlich ausnahmsweise in wohligen Temperaturen durchführen. (APA)

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    foto: derstandard.at/cremer
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